Erst mit Kutsche, dann mit dem Bus

Christiane Sahli

Von Christiane Sahli

Sa, 01. September 2018

Todtmoos

Der Todtmooser Unternehmer Gottfried Zumkeller schuf um 1900 schon eine Verbindung nach Wehr.

Er galt als weitsichtiger Mann und hervorragender Unternehmer: Gottfried Zumkeller hat sich für die Entwicklung des Tourismus in Todtmoos große Verdienste erworben. Zumkeller wurde 1872 als ältestes von zwölf Kindern geboren, seine Eltern waren die Wirte des Gasthauses "Alter Hirschen", heute Haus Bethesda, im Ortsteil Au. Um die Jahrhundertwende, als der Tourismus auch im Schwarzwald einen Aufschwung nahm, entschloss sich Gottfried gegen den Widerstand seines Vaters, auf der gegenüberliegenden Seite ein weiteres Gasthaus, genannt "Neuer Hirschen", zu errichten und investierte viel, um seinen Gästen Komfort bieten zu können. So entstanden ein Schwimmbad, in dem viele der älteren Einwohner des Ortes noch schwimmen lernten, und eine Kegelbahn.

Schon früh erkannte Zumkeller, dass für eine wirtschaftliche Weiterentwicklung eine Anbindung an die Eisenbahnstation in Wehr Voraussetzung war. Er erwarb daher Pferde und Postkutschen und übernahm ab 1902 den Postverkehr von Wehr nach Todtmoos. Dreimal täglich verkehrte die Postkutsche zwischen den beiden Orten. Da um die Jahrhundertwende die Lungentuberkulose weit verbreitet war, kamen wohlhabende Patienten aus ganz Europa zur Genesung nach Todtmoos. Der Postverkehr war so organisiert, dass in Au die Pferde gewechselt wurden. Die Fahrgäste hatte derweil die Gelegenheit, im "Hirschen", der von Zumkellers Ehefrau Lina – die beiden heiraten 1902 – geführt wurde, Erfrischungen zu sich zu nehmen.

1912 ersetzte Zumkeller die Postkutschen durch Reisebusse und holte fortan die Todtmooser Gäste an Bahnhöfen ab. Anfang der 1920-er Jahre verlängerte die Reichspost das Beförderungsmonopol von Zumkeller nicht mehr. Daraufhin verkaufte er der Reichspost seinen Fuhrpark.

Etwa zehn Jahre später war klar, dass Zumkeller wegen eines Herzleidens den "Hirschen" nicht würde weiterführen könne, auch die Kinder wollten das Hotel nicht übernehmen. Versuche, es zu verkaufen, scheiterten und letztlich blieb als Käufer nur die Wehrmacht, die das Haus als Erholungsheim für Soldaten nutzte. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es Familienerholungsheim des französischen Militärs. Nach Kriegsende wurde Zumkeller das Amt des Todtmooser Bürgermeisters angeboten, das er jedoch wegen seiner Gesundheit und seines Alters ablehnte. Er starb 1951 mit 79 Jahren.