Aufklärung

Erste bundesweite Sex-Studie startet

dpa

Von dpa

Mi, 07. November 2018 um 11:19 Uhr

Gesundheit & Ernährung

Wie oft hatten Sie in den letzten vier Wochen Sex? Welche sexuellen Wünsche haben Sie? Wissen Sie, was Chlamydien sind? Fragen wie diese sollen 5000 repräsentativ ausgewählte Männer beantworten.

Wie oft hatten Sie in den letzten vier Wochen Sex? Welche sexuellen Wünsche haben Sie? Wissen Sie, was Chlamydien sind? Fragen dieser Art sollen 5000 repräsentativ ausgewählte Männer und Frauen in ganz Deutschland in den nächsten Monaten beantworten. Hamburger Forscher wollen in der Studie das Sexualverhalten der Bevölkerung ergründen. Ein Schwerpunkt soll dabei das Wissen über sexuell übertragbare Krankheiten sein.

"Die Ergebnisse sollen dabei helfen, Präventions-, Vorsorge- und Versorgungsmaßnahmen im Bereich der sexuellen Gesundheit zu entwickeln", sagt der Direktor des Instituts für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie am Uniklinikum Eppendorf, Peer Briken. Das Risiko, sich mit Chlamydien-Bakterien oder anderen Erregern von Geschlechtskrankheiten zu infizieren, sei in den vergangenen Jahren gestiegen. Das dreijährige Forschungsprojekt zur Gesundheit und Sexualität in Deutschland (GeSiD) wird von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gefördert. "Für eine passgenaue und gelingende Prävention sind wissenschaftliche Daten unerlässlich", sagt deren Leiterin Heidrun Thaiss.

Im Unterschied zu fast allen anderen westlichen Ländern gebe es in Deutschland bislang keine breite Studie zum Sexualverhalten. "Man muss sich klarmachen, dass wir so viele Jahre nach Kinsey, der Ende der 1940er Jahre seine Untersuchungen in den USA durchführte, für Deutschland nach wie vor keinen repräsentativen Sex-Survey haben", sagt Briken. Die Studien des US-Zoologen und Sexualforschers Alfred Kinsey über die männliche und weibliche Sexualität hatten weltweit für Aufsehen gesorgt.

Ein breites Konzept von sexueller Gesundheit

In Deutschland seien in den vergangenen Jahrzehnten zwar zahlreiche Studien zur Sexualität gemacht worden, doch dabei sei immer nur ein Teil der Bevölkerung berücksichtigt worden etwa Studenten, so Briken. Oder es sei um bestimmte Krankheiten gegangen. Bei der jetzt beginnenden Befragung gehe es dagegen um ein breites Konzept von sexueller Gesundheit, wie es die Weltgesundheitsorganisation (WHO) formuliert habe. Es bezieht eine respektvolle Haltung zu Sexualität mit ein sowie die Möglichkeit, sichere sexuelle Erfahrungen zu machen. Zu den Themen des Fragenkatalogs gehören deshalb auch Traumatisierung und Gewalt, sexuelle Orientierung, Diskriminierung und Pornografie.

Doch wer erzählt einem Fremden, wie er bei einem One-Night-Stand ein Kondom benutzt? "Das ist auf jeden Fall eine Herausforderung", sagt der Sexualforscher. Sein Institut hat darum im vergangenen Jahr bereits eine Pilotstudie gemacht. Dabei stellte sich heraus, dass Menschen in direkten Interviews eher zu Auskünften bereit sind als nach dem Versand von Fragebögen. Das Sozialforschungsinstitut Kantar Emnid hat dafür 200 Interviewer geschult. Sie sollen nach einer schriftlichen Vorankündigung die Studienteilnehmer zu Hause aufsuchen und im Zweiergespräch befragen. Wird einem Teilnehmer eine Frage zu intim, könne er die Antwort auch in den Laptop des Interviewers tippen, ohne das der den Text lesen könne, heißt es. Ende nächsten Jahres sollen erste Ergebnisse der Studie vorliegen.

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