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22. Juni 2012 00:02 Uhr

Süssstoff

Erste Lebensmittel mit Stevia kommen auf den Markt

Ein rein pflanzliches Süßungsmittel, mit dem Lebensmittel und Getränke deutlich kalorienärmer hergestellt werden können, versetzt die Branche in Aufregung: die südamerikanische Pflanze Stevia.

  1. Werbung mit dem neuen Süßstoff Foto: dpa

MÜNCHEN (dpa). Eine Tafel Vollmilchschokolade hat rund 550 Kalorien, ein kleiner Beutel Lakritz 330 und zehn Gummibärchen etwa 70. Seitdem die Hersteller die Nährwertinfos auf die Packungen drucken, ist auch Ahnungslosen klar geworden, was Süßigkeiten in sich haben. Alternativen zum Zucker gab es kaum: Kalorienreduziertes Weingummi mit künstlichem Süßstoff entpuppte sich in Deutschland als Flop. Nun versetzt ein rein pflanzliches Süßungsmittel die Hersteller in Aufregung, mit dem Lebensmittel und Getränke deutlich kalorienärmer hergestellt werden können: die südamerikanische Pflanze Stevia.

"300 Mal so süß wie Zucker, unschädlich für die Zähne und null Kalorien", jubeln die Firmen – und tüfteln seit der Zulassung durch die EU vor einem halben Jahr in ihren Labors am Einsatz des neuen Zuckerersatzes. Seit einigen Wochen sind die ersten Bonbons und Lakritzsorten auf dem Markt.

Der Bonbon-Hersteller Pulmoll hat gleich sein gesamtes Sortiment zuckerfreier Produkte auf Stevia umgestellt. "Ausgetauscht wurden die künstlichen Süßstoffe Aspartam und Acesulfam K", sagt eine Firmensprecherin. Der Weg dahin war nicht einfach. "Die Entwicklungszeit war sehr langwierig und intensiv, das Ergebnis ist jetzt sehr vielversprechend." Auch Haribo brachte im April sein erstes "Stevi-Lakritz" auf den Markt, das 40 Prozent weniger Kalorien hat als normales Lakritz. Im Visier hat das Unternehmen dabei figurbewusste Frauen.

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Die Molkerei Andechser hat drei Jahre geforscht, bevor sie ihre ersten Stevia-Joghurts in den Handel brachte. "Die Pflanze wurde bereits im privaten Gebrauch beim Süßen von Tee mit den Blättern erfahren und getestet – da lag die Idee nicht fern, dass man mit einem Sud aus getrockneten Stevia-Blättern auch den Joghurt verfeinern kann", sagt Firmensprecherin Stefanie Miller.

Auch die Getränkeindustrie, die zu den größten Zuckerverarbeitern überhaupt gehört, wittert Morgenluft. Der Getränkekonzern Coca-Cola hat kalorienreduzierte Produkte mit Stevia schon in den USA und Frankreich auf dem Markt und plant dies auch in Deutschland.

Entdeckt wurde die Pflanze aus Südamerika schon vor mehr als 100 Jahren, über den kommerziellen Einsatz in der Lebensmittelherstellung wurde aber lange gestritten. Als die EU Ende vergangenen Jahres nach langwierigen Prüfungen grünes Licht gab, sorgte das bei den Firmen für Erleichterung.

Allerdings ist die Verarbeitung nicht ganz einfach. Stevia schmeckt leicht bitter, was in Halsbonbons oder Lakritz nicht stört – in Vollmilchschokolade aber schon. Eine Lösung für dieses Problem haben die meisten Hersteller bislang noch nicht gefunden – aber sie arbeiten daran. "Es ist sehr aufwendig, ein Produkt zu entwickeln, aber man tastet sich heran", sagt Schneider. Wegen der extremen Süßkraft kann Stevia zudem nur in minimalen Mengen eingesetzt werden, so dass bei der Verarbeitung das Volumen des Zuckers fehlt.

Aber auch aus gesundheitlichen Gründen sind dem Verzehr Grenzen gesetzt. Die EU schrieb nach langen Diskussionen über mögliche Gesundheitsgefahren bei der Zulassung vorsorglich einen Höchstwert von täglich rund 10 Milligramm pro Kilo Körpergewicht vor. Vor allem Diabetiker sollten eine Überdosierung vermeiden, warnten Diabetiker-Verbände vor wenigen Wochen. Worin mögliche Gesundheitsgefahren bestehen könnten, ist bislang allerdings nicht geklärt.

Auf die Verarbeitung von Zucker wird die Lebensmittelindustrie deshalb auch in Zukunft nicht verzichten können. Stevia-Süßigkeiten werden nach Einschätzung von Haribo eher eine Nische für Kunden bleiben, die auf Kalorien achten – und das sind längst nicht alle. Gummibärchen mit Stevia sind bislang nicht geplant.

Autor: dpa


11 Kommentare

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Fred Raab

Registriert seit: 13.06.2009

Kommentare: 138

22. Juni 2012 - 18:13 Uhr

richtig ist vielmehr, dass die Einfuhr von Stevia noch länger, durch die Zuckerindustrie nicht zu verhindern war. In Japan und Europäischen Ausland ist dieses Produkt schon seit "Menschengedenken" im Handel, bei uns musste angeblich geforscht und geprüft werden.
Protektionismus pur

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Johannes Wirk  

Johannes Wirk

Registriert seit: 08.06.2012

Kommentare: 21

25. Juni 2012 - 11:36 Uhr

@Fred Raab, sehr richtige Bemerkung!

Die Zuckerindustrie fürchtet Stevia, wie die deutsche Autoindustrie, deren Forschungsinstitute und ganze Mechanik-Fakultäten von Unis, das Elektroauto. Es steht für viele mächtige Lobbys zu viel auf dem Spiel als dass man der Vernunft nachgäbe in deutschen bzw. westeuropäisch-nordamerikanischen Landen.

Ich trinke meinen Tee übrigens seit Jahren ungesüßt. Wer Zucker oder Süßstoff in den Tee schmeißt, verdirbt den guten, teuren Tee. Oder er trinkt den billigen Teebeuteltee aus dem Discounter. Dann ginge es gerade noch so [ed. - werblich]

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Harald Meierhofer  

Harald Meierhofer

Registriert seit: 12.09.2011

Kommentare: 2115

25. Juni 2012 - 12:30 Uhr

"Da kann man gleich den 2008-er Spätburgunder aus Walporzheim mit Cola mischen."

Kann man mit dem was anderes machen?

;)

Hätten Sie Cahors oder Faugères geschrieben, aber Spätburgunder?

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Johannes Wirk  

Johannes Wirk

Registriert seit: 08.06.2012

Kommentare: 21

25. Juni 2012 - 17:15 Uhr

@Harald Meierhofer

2008er Walporzheimer Gärkammer - 50 EUR/Flasche. Ist Ihnen noch zu günstig? ;-)

Weiß nicht, warum mein Kommentar redigiert wurde. Der Teil mit dem Wein ist nu weg. Ejahl.

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Harald Meierhofer  

Harald Meierhofer

Registriert seit: 12.09.2011

Kommentare: 2115

25. Juni 2012 - 21:56 Uhr

Herr Wirk, der Preis korreliert nicht notwendig mit der Qualität.
Spätburgunder fehlt einfach Tannin.
Und ein Chateau de Cédre aus dem Cahor ist für 25€ zu bekommen, schlägt aber die meisten hochpreisigen Grand Crus aus dem Bordelais.

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Dieter Mayer  

Dieter Mayer

Registriert seit: 25.02.2010

Kommentare: 157

25. Juni 2012 - 22:03 Uhr

@BZ: "Coca Cola" -> werblich! "Pullmoll" -> werblich! "Andechser" -> werblich!

tse.... der Artikel schmeisst mit Markennamen nur so um sich und beschwert sich über Schleichwerbung in Kommentaren.

Gleiches Recht für alle!

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Egon Mayer

Registriert seit: 30.06.2010

Kommentare: 1485

25. Juni 2012 - 22:50 Uhr

Stevia ist 300 mal süßer als Zucker, schmeckt aber leicht bitter. Wie paßt das zusammen?

@Dieter Mayer
Alle sind gleich, aber manche sind gleicher...

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Peter Grieshaber

Registriert seit: 20.05.2012

Kommentare: 140

25. Juni 2012 - 23:51 Uhr

@E.Mayer: Bitter und süß passen sehr gut zusammen wie wir seit der deutschen Romantik wissen.
Eigentlich ist der ganze Artikel eine einzige werbliche Aufzählung von Produkten grosser Hersteller. Eine Nennung solcher Kunstzuckerpülverchen in einem Atemzug mit gutem Tee und noch besserem Wein, ob mit oder ohne viel Tannin ist fast schon ein Sakrileg.

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Johannes Bittner  

Johannes Bittner

Registriert seit: 18.02.2010

Kommentare: 127

26. Juni 2012 - 08:15 Uhr

@ Fred Raab (und andere Befürworter)

Hach ja die böse, übermächtige Zuckerindustrie verhindert die Einführung von Stevia.

Richtig ist meines Wissens, daß Stevia und Steviol-Glykoside in Brasilien, China und Südkorea und in Japan seit 1970 frei (also legal) im Handel sind. Von seit "Menschengedenken" kann also nicht unbedingt die Rede sein. Traditionell wurde Stevia jedoch bereits von den Indianern verwendet, so wie z.B. auch Hanf ohne daß man hier davon sprechen würde, daß der Konsum gefahrlos sei. Steviol-Glykoside haben ausserdem eine Freigabe für die Verwendung in Lebensmitteln in Argentinien, Brasilien, China, Kolumbien, Japan, Korea, Malaysia, Mexiko, Paraguay, Peru, Russland, Taiwan, der Türkei, der Ukraine und Uruguay. Also in all jenen Ländern, in denen Verbraucherschutz, vorsichtig ausgedrückt, nicht unbedingt ein wichtiges Gut darstellt oder ist hier die Zuckerindustrie nur nicht mächtig genug?

Mögliche Gesundheitsgefahren sind durchaus bekannt. In der EU und der Schweiz beträgt die täglich zulässige Menge Steviol, gestützt auf einen Expertenrat der WHO max. 4 mg/kg/Körpergewicht. Wer Steviol vermeiden will sollte auf den Zusatzstoff E 960 verzichten.

Hier ein Auszug aus der Bewertung von Stevia des Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG):
"Auch pflanzliche Produkte können die menschliche Gesundheit gefährden. Der wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der Europäischen Kommission (SCF) kam im Juni 1999 zum Schluss, dass die vorliegenden wissenschaftlichen Daten nicht ausreichen, um die gesundheitliche Unbedenklichkeit für die Verwendung des Steviakrautes beziehungsweise -blätter zu beurteilen. So gibt es beispielsweise Hinweise, dass gewisse Inhaltsstoffe der Pflanze die männliche Fertilität beeinträchtigen oder zu einem Blutdruck- oder Blutzuckerabfall führen können. Aufgrund dieser wissenschaftlichen Daten ist nicht auszuschliessen, dass die Gesundheit der Konsumentinnen und Konsumenten durch die Inhaltsstoffe der Pflanze gefährdet werden kann. Zudem könnte Allergiegefahr bestehen, falls ganze Blätter zum Süssen verwendet werden, denn Stevia gehört zu den Korbblütengewächsen, welche für ein hohes Allergierisiko bekannt sind."
...
Bei der Zulassung für die Anwendung in Lebensmitteln besteht ein Unterschied zwischen der Steviapflanze und den Steviol Glykosiden....
Da die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Steviapflanze nicht vollständig belegt ist, dürfen Steviakraut beziehungsweise -blätter nicht als Lebensmittel oder zur Süssung von Lebensmitteln vermarktet werden. ...

Quelle (hier finden sich auch die Regelungen innerhalb der EU):

http://www.bag.admin.ch/themen/lebensmittel/04861/04972/index.html

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Bettina Sahl

Registriert seit: 26.06.2012

Kommentare: 1

26. Juni 2012 - 09:48 Uhr

Bis vor 2 Jahren habe ich in meinem Garten eine Stevia-Pflanze wachsen lassen, deren Blätter ich getrocknet habe und unter Teemischungen gemixt habe.
Der Tee hat angenehm süß geschmeckt, weder bitter noch unnatürlich. Nun habe ich mir das Süße abgewöhnt und brauche weder Stevia noch Zucker.
Auch habe ich mir aus Stevia-Pulver ein Konzentrat hergestellt, tropfenweise in den Pudding, Jogurth, Salatsoße,....dies hat dann doch anderst geschmekt. Ein leicht metallischen Geschmack, ähnlich wie bei Light-Produkten. Nun nehme ich lieber wieder den Zucker, dafür etwas weniger.
Für Menschen, welche auf den süßen Geschmack nicht verzichten wollen und auch nicht den Mut zu einer Veränderung in ihrem Geschmackserleben besitzen. Ist Stevia eine Alternative!

Kurz erinnern möchte ich an Süßstoffe!
Aus was für Ausgangsstoffen werden diese denn hergestellt? Gaukeln unserem Körper eine Süße vor dir gar nicht vohandend ist und bringen dadurch unseren ganzen Stoffwechsel durcheinander.
Was bekommen Schweine damit sie viel fressen - u.a. Süsstsoffe.
Und Nebenwirkungen sind mitlerweile bekannt, doch hören will sie keiner. Wer schützt mich da als Verbraucher?
Ich kann mich nur selber schützen, indem ich selber nachfrage und mich nicht auf ein wirtschaftlich orientiertes Land verlasse!

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Stefan Voges

Registriert seit: 11.05.2010

Kommentare: 46

26. Juni 2012 - 21:24 Uhr

Pulmoll-Bonbons werden übrigens in Müllheim hergestellt. Ich finde es klasse, dass ein mittelständisches Unternehmen aus unserer Region zu den ersten gehört, die zuckerfreie Bonbons mit Stevia süßen und auf künstliche Süßungsmittel wie Aspartam oder Acesulfam K verzichten.

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