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02. Juli 2012

Es entsteht etwas Großes

Nach zwei Jahrzehnten wieder in Deutschland: Tom Petty and the Heartbreakers traten in der Mannheimer SAP-Arena auf .

Wenn auf dem Parkplatz der Mannheimer SAP-Arena Autos stehen mit Kennzeichen von Stuttgart, Mainz oder Freiburg, von Osnabrück oder Luxemburg, dann muss schon ein besonders seltener Gast in der großen Mehrzweckhalle angesagt sein. Und so war es am Samstag: 9000 Besucher, welche die Arena bis unters Dach gänzlich füllten, waren herbeigepilgert, um Tom Petty and the Heartbeakers zu sehen. Seit zwei Jahrzehnten hatten der bärtige amerikanische Barde und seine Band keine Konzertreise mehr in Europa unternommen. Und auch dieses Mal war auf dem Rücken der Tour-T-Shirts nur ein Dutzend Auftritte aufgelistet. Ein zunächst angekündigtes Konzert in der Schweiz, in Zürich, war wieder abgesagt worden. Dafür hatte Deutschland mit drei Auftritten in Hamburg, Köln und eben Mannheim die meisten unter den acht europäischen Ländern, welche Pettys Truppe beehrte.

Rock, dem man die akustische Herkunft anhört

Die warme, melodische Musik der Band aus Florida hat hier zu Lande viele Fans. Tom Petty ist der Amerikaner für alle, die elektrischen US-Rock mögen, dem man die Herkunft aus akustischer Musik noch anhört, denen aber vielleicht Bob Dylan zu verrätselt, Bruce Springsteen zu pathetisch und Neil Young zu eigenwillig ist. Wobei man natürlich auch alle vier goutieren kann.

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In Pettys Geburtsstadt Gainesville fanden die Heartbreakers 1975 zusammen. Anfangs aus Versehen in den Topf des gerade hochkochenden Punk geworfen, schwammen der bis heute langhaarige Petty und seine Band bald im Rock-Mainstream. Seinen größten Erfolg feierte Petty 1989 mit dem Album "Full Moon Fever", das als Soloalbum firmierte, auf dem aber fast alle Heartbreakers mitspielten. Jeff Lynne, der Ex-Electric-Light-Orches-tra-Chef, mit dem Petty in der Supergroup Traveling Wilburys gespielt hatte, hatte das Album gefällig produziert.

Im Mannheimer Konzert (wie zuvor in Hamburg und Köln) ist denn auch "Full Moon Fever" das Album, das die meisten, nämlich vier Stücke auf der Setlist stellt. Die anderen 16 – "We’ve got a long list of songs for you", wir haben eine lange Liste von Liedern für euch, sagt Petty an, und das Konzert wird zweieinviertel Stunden dauern – sind ein Querschnitt durchs gesamte Werk, vom 76er Debütalbum bis zum 2010er "Mojo".

Anfangs gibt es einen Vierer-Block zum Aufwärmen, an dessen Ende die Band in "Here Comes My Girl" mit einem längeren Instrumentalteil zum ersten Mal das Songformat hinter sich lässt. Die Heartbreakers sind ja nicht nur eine Begleit-Band, mit Leadgitarrist Mike Campbell – als "the co-captain of this band", den Ko-Kapitän der Gruppe, stellt Petty ihn vor – und Tastenmann Benmont Tench sind zwei dabei, die auch unzählige Songs anderer Interpreten veredelt haben. Wie sie gehört auch Bassist Ron Blair zur Urbesetzung, die laut Petty "new guys", die neuen Männer, sind der dritte Gitarrist Scott Thurston, dabei seit 1989, und der Drummer Steve Ferrone, dabei seit 2004.

Viel Kontinuität also, und das hört man dieser Band an. Da passt alles so gut zueinander, dass ein ungemein dichter Gruppenklang entsteht. Und die Band weiß genau, wie und wann sie Intensität erzeugt. Mit "Good Enough" kommt der schwere Bluesrock auf die Bühne, "Oh Well", ein Stück aus der Frühzeit von Fleetwood Mac mit Gitarrist Peter Green, setzt ihn fort. Und dann kommt "Something Big" vom Album "Hard Promises": Es erzählt wie so viele Petty-Songs von einem Menschen, der Großes im Sinn hat, aber scheitert. Doch Petty und Campbell spielen in der Mitte des Songs ein Solo-Duett und am Ende noch einmal, und in diesen Teilen, mit den sich verbindenden Lead-Gitarren und der drängenden Band, entsteht doch etwas Großes.

Petty und seine Herzensbrecher haben ihre Musik im Laufe der Jahre mal in diese, mal in jene Richtung gelenkt. Und in fast jede gehen sie auch im Konzert. Mit "Free Fallin’", vom beseelten Publikum mitgesungen, ist allerdings nur eine dieser in die Weite strebenden Balladen vertreten, die viele Petty-Fans besonders lieben. Aus seinem Gassenhauer -mit akustischer-Gitarre-Repertoire sind "Learning to Fly" – wieder mit dem großen Zuschauerchor – und "Yer So Bad" dabei. Zwischendurch wird den Traveling Wilburys mit "Handle with Care" die Ehre erwiesen, und der Rock-’n’-Roll-Klassiker "Carol" von Chuck Berry gecovert, auf dem Benmont Tench ein herrliches Boogiesolo auf dem Flügel spielt.

Am Ende dann Breitwand-Rock, die Band wird laut, ohne zu übertreiben, bei "Refugee", "Runnin’ down a Dream" und der ersten Zugabe "Mary Jane’s Last Dance". Und Tom Petty and the Heartbreakers spielen ein Stück, das sie, so sagt der Sänger an, noch nie gespielt haben: "Two Talking Men" heißt es, ist ein grandioses Rock-Stück und nährt die Hoffnung, dass die Geschichte dieser Band noch nicht zu Ende ist. Als dritte Zugabe geht es aber nochmal zurück auf Los: "American Girl", Pettys erster Hit von 1976. Großer Jubel der Neuntausend von nah und fern.

Autor: Thomas Steiner


3 Kommentare

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Hubertus Knoblauch

Registriert seit: 19.07.2011

Kommentare: 20

02. Juli 2012 - 09:25 Uhr

Großartiges Konzert mit einem einzigen Makel: "SITZEN bei einem Rockkonzert ist für´n Arsch!!".

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Michael Basket  

Michael Basket

Registriert seit: 30.07.2009

Kommentare: 1207

02. Juli 2012 - 09:28 Uhr

@ Herr Knoblauch: ""SITZEN bei einem Rockkonzert ist für´n Arsch!!". Naja, das Publikum ist halt auch nicht jünger geworden ;-) ............

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Hubertus Knoblauch

Registriert seit: 19.07.2011

Kommentare: 20

02. Juli 2012 - 10:14 Uhr

:-) das sind wir alle nicht! Aber dafür gibt es ja den Rockrollator.
Gesittet in Reih und Glied sitzen, während da vorne die Post abgeht,
das ist schon sehr seltsam.

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