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18. März 2010

Es geht ums Wohlbefinden der Jugend

Mobile Jugendarbeit – ein Infoabend der Grünen mit dem Christopherus-Jugendwerk Oberrimsingen.

  1. Jugendarbeit fordert manchmal zu Höchstleistungen heraus. Foto: BZ-Archiv

MÜLLHEIM. "Neue Wege in der mobilen Jugendarbeit" – so lautete das Thema einer Informationsveranstaltung des Grünen-Ortsverbandes, bei der Manfred Emier und Willi Ingenhoven vom Christopherus-Jugendwerk Oberrimsingen referierten. Heiß diskutiert wurde dabei auch, was die Stadt Müllheim ihren Jugendlichen bietet.

Etwa 110 Einrichtungen leisten in Baden-Württemberg mobile Jugendarbeit. Eine Kapazität auf diesem Gebiet ist das Christopherus-Jugendwerk Oberrimsingen. Manfred Emier, Leiter der ambulanten Hilfe, und Willi Ingenhoven, seit zehn Jahren in Breisach als mobiler Jugendarbeiter tätig, gaben interessante Einblicke in ihre Arbeit und stellten eine Studie vor, die die Erfolge dieser Form der Jugendarbeit belegt. Mobile Jugendarbeit setzt sich aus den Bereichen Streetwork, individuelle Hilfe, cliquenbezogene und gemeinwesensorientierte Arbeit zusammen.

"Die Aufgabe der mobilen Jugendarbeit ist es, das Leben der Jugendlichen nachhaltig zu verbessern und sie in ihrer Entwicklung zu fördern", so Emier. Im Mittelpunkt steht das Wohlbefinden und nicht das Wohlverhalten von Jugendlichen. Zielgruppe sind sozial benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene, die von bestehenden Angeboten nicht erreicht werden.

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Ein ganz wichtiger Schritt für Gemeinden sei eine Sozialraumanalyse, betonten die beiden Referenten. Dabei werde eine Art Bestandsaufnahme gemacht, um ein genaueres Bild der Lebenswelt der Jugendlichen innerhalb der Gemeinde zu bekommen. Dazu gehört beispielsweise, die Orte zu ermitteln, die Jugendliche in ihrer Freizeit nutzen. "Es ist sehr wichtig, diese Analyse zu machen und sich mit dem Gemeinderat über langfristige Ziele genau abzustimmen", so Ingenhoven, der selbst Stadtrat ist. Als Jugendarbeiter stehe man immer unter dem Druck, verschiedenen Anforderungen verschiedener Seiten und sich selbst gerecht werden zu müssen. Erfolgreiche und nachhaltige Arbeit mit Jugendlichen aber brauche Zeit.

Für die mobile Jugendarbeit spricht eine wissenschaftliche Studie aus Stuttgart. Sie belegt, dass mobile Jugendarbeit messbare, nachhaltige und vor allem positive Auswirkungen auf das Leben und die Biografie junger Menschen hat. Bei den Breisachern gehören erlebnispädagogische Aktionen wie Klettern, Campen oder Pilgern ebenso wie eine Bolzplatzliga für Jugendliche, die nicht im Verein sind. Ingenhoven stellte auch mehrere praktische Beispiele aus Breisach vor: Der Bau eines Bushaltestellenhäuschens oder die Beteiligung an politischen Prozessen – alles Möglichkeiten Jugendliche mehr ins Gemeinwesen einzubinden.

Der Vortrag weckte die Diskussionsfreudigkeit unter den Anwesenden im Blauen Elefant: Sozialarbeiter, Stadträte, Vertreter von Polizei und Schulen. Sie kritisierten vor allem den Umgang des Gemeinderates mit dem Thema Jugendarbeit, den Personalmangel durch Einsparungen und das Fehlen von Räumlichkeiten. Das Jugendhaus Strandcafé reiche keinesfalls aus. "Im Winter drängen sich manchmal 70 bis 80 Leute in die Räume", so Stadtjugendreferent Bernd Jahn. Momentan treffen sich dort junge Erwachsene zwischen 18 und 20 Jahren aus zwei festen Gruppen. Für die Nachwachsenden ist kein Platz. "Wir eiern jetzt schon seit drei Jahren rum und es sind immer noch keine wirklichen Räume gefunden", so Jahn. Es fehlen nicht nur Gebäude, sondern auch öffentliche Plätze, betonte Dieter Seywald, Leiter des Polizeireviers Müllheim. Die Lage in Müllheim sei unglaublich, äußerte sich auch Stadträtin Myriam Egel. Sie riet, sich mal selbst ein Bild vom "lächerlichen Bungalow" zu machen, womit sie das Strandcafé meinte. Dort sehe man, was eine Stadt mit 19 000 Einwohnern ihren Jugendlichen biete.

Doch nicht nur Räume fehlen, auch an Personal mangelt es. Jahn wies darauf hin, dass die Straßenarbeit (Streetwork) in Müllheim unterbesetzt ist. Jahn beklagte, dass die Vorstellung der Jugendarbeit und ihrer Mankos im Gemeinderat im vergangenen Jahr keine Wirkung hatte. Es sei wirklich frustrierend, kaum auf offene Ohren zu stoßen.

Die Situation in Müllheim betrachten auch die beiden Breisacher als höchst problematisch. Die Frage ist: Kommt Jugendsozialarbeit in Müllheim zu kurz? Betrachtet man die Zahlen der von Emier und Ingenhoven vorgestellten Statistik ist die klare Antwort: Ja. Auf 1000 Jugendliche kommen in Müllheim 0,35 Stellen von Sozialarbeitern, diese Zahlen sind exklusive Schulsozialarbeit ermittelt. "Dies ist schon die Untergrenze", so Emier. Breisach kommt auf 0,63 Stellen, landesweit mit Stadtkreisen sind es gar 0,77. Aber nicht nur Müllheim, der gesamte Landkreis liegt mit 0,44 gut unter dem landesweiten Durchschnitt. Im Gemeinderat haben SPD und ALM deshalb Anträge für eine Streetworkerstelle eingereicht. Die Entscheidung wurde auf die nächste Sitzung verschoben. Stadträtin Dora Pfeifer-Suger erklärte, dass die Art, wie eine Gemeinde mit ihrer Jugend umgeht, zeige, wie sie ihre Zukunft gestalte.

Autor: Denise Beil