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12. Juli 2011
"Es kommen weniger Leute, als kommen müssten"
BZ-INTERVIEW: ZMF-Macher Dieter Bös über Lyle Lovett.
Als im März das Programm des diesjährigen ZMF in einer Pressekonferenz bekannt gegeben wurde, da freute sich der Festivalorganisator Dieter Bös von der Konzertagentur Konstanz (Koko) ganz besonders, dass er Lyle Lovett ankündigen konnte. Der amerikanische Musiker, der auch Schauspieler und Ex-Mann von Julia Roberts ist, kommt heute mit seiner Acoustic Group ins Zirkuszelt. Wie es aussieht, teilen nicht ganz so viele Leute Bös’ Begeisterung für Lovett, der Vorverkauf lief zäh. Thomas Steiner sprach mit Bös.
BZ: Herr Bös, wenn der Festivalmacher plant, wie viel Kalkül ist dabei und wie viel Herzblut? Anders gesagt: Wie viele Acts verpflichtet er wegen des Geldes und wie viele, weil sie ihm gefallen?Dieter Bös: Herzblut ist unabdingbar! Dieses ganze wahnsinnige Unternehmen mit vierzig Acts in neunzehn Tagen kann man ohne Liebe zur Musik gar nicht realisieren. Und Gott sei Dank ist es bei vielen Künstlern, die ich sehr schätze, so, dass es sich deckt, dass auch ein kommerziell erfolgreicher Abend rauskommt. Zum Beispiel der ausverkaufte Abend mit Georg Schramm und Gästen, der war aus einer Laune heraus entstanden nach einem Gastspiel von Schramm in Konstanz. Danach saßen wir noch zusammen und haben dieses Programm zusammengestellt. Aber es gibt natürlich auch immer wieder Künstler, bei denen man sich einfach freut, dass man die endlich holen kann.
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Bös: Das ist so. Lovett ist ein Künstler, den ich seit Jahren schätze, dessen CDs ich mir immer sehr gerne zu Ohren führe. Nachdem er sich sehr rar gemacht hat und kaum noch in Europa auftritt, ist es großartig, dass ich so eine Ikone des Singer/Songwritertums aufs ZMF holen kann.
BZ: Haben Sie ihn schon auf der Bühne gesehen?
Bös: Noch nie! Man konnte ihn ja nicht sehen.
BZ: Was finden Sie so toll an Lovett?
Bös: Der Typ an sich ist klasse, so banal das klingt. Ich mag musikalisch seine Singer/Songwriter-Western-Mischung sehr, ich finde das Zurückgenommene, Spielerische, Lakonische toll. Und dieses Texanische, dieses Lone-Star-Ding. Auch als Person hat er diese Zurückgenommenheit, nicht umsonst ist er ein akzeptierter Schaupieler, der in Robert Altmanns "Short Cuts" herrlich diesen Zuckerbäcker spielt. Vielleicht kann man sagen, dass er ein Gesamtkunstwerk ist.
BZ: Wie lange haben Sie gebraucht, um ihn für ein Konzert zu bekommen?
Bös: Geschätzte acht bis zehn Jahre. In der Zeit hat er öfter die Agenten gewechselt, und einige haben im Nachhinein gesagt – ich denke, ich trete ihm da nicht zu nahe, wenn ich das verrate –, Gottseidank ist diese schwierige Kooperation beendet. Aber jetzt klappt es ja, wenn er auch nur für zwei Termine in Deutschland ist, erst in Freiburg und am Tag drauf in Hamburg, mehr nicht.
BZ: Und Sie werden in Freiburg natürlich dabei sein.
Bös: Klar. Ich kann leider, weil ich ja von Konstanz aus noch Festivals in München und Lörrach betreue, nicht immer da sein beim ZMF, aber natürlich bin ich bei Lovett da, wie ich bei Schramm und bei Bryan Ferry in Freiburg war.
BZ: Zurück nochmal zum Geschäft: Wie viele Zuschauer müssten denn kommen, damit es kein Verlust wird?
Bös: Es müssten, wie ich fürchte, mehr kommen als kommen werden, damit es kein Verlust wird. Aber trotzdem kann man es sicher nachvollziehen, dass ich im Interesse eines guten ZMF-Programms auch mal bereit bin, an die Schmerzgrenze zu gehen und zu sagen, es gibt da einen Künstler, der ist toll, den hole ich. Es deckt sich halt doch leider nicht immer der künstlerische Anspruch mit dem Erfolg.
– Konzert, ZMF, heute, Zirkuszelt, 20 Uhr.
Autor: tst


