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22. Oktober 2015 14:22 Uhr

Großprojekt

Bohren für die Rheintalbahn

Es ist das wohl größte Projekt in der Region in den kommenden Jahrzehnten: die Rheintalbahn. Während im Großprojekt Basel-Karlsruhe einige Abschnitte bereits in Betrieb sind, geht es nun auch hier langsam los.

  1. Mit der Kapsel wird das Erdreich nach oben befördert. Foto: Martin Pfefferle

  2. In Holzkisten werden die Proben gesammelt. Foto: Martin Pfefferle

Im Abschnitt 8.4 zwischen Eschbach und Hügelheim haben in dieser Woche die Probebohrungen begonnen. Baubeginn ist wohl erst 2024. Die Methode heißt Trockenrammkernbohrverfahren. In der Praxis wirkt die Technik simpler als der Name: Eine unten offene Kapsel wird hydraulisch in den Boden gerammt, Zentimeter für Zentimeter. Die Erschütterungen sind nur mäßig wahrzunehmen. Dabei füllt sich die Kapsel von unten mit Steinen und dem Erdreich. Hier, nahe Eschbach, ist es ein Sand-Kies-Gemisch – also genau das, mit dem die Bahn gerechnet hat und auf das sie hofft. Mit den Ergebnissen der Bohrungen soll abgeklärt werden, ob und wo genau die Tieflage möglich ist. Das Projekt ist anspruchsvoll, denn die Wände sind steil. Schließlich soll so wenig wie möglich Fläche verbraucht werden für die bis zu zehn Meter in Tieflage zu führende Gleisstrecke. Untersucht werden die Bodenverhältnisse für die Realisierung der Bürgertrasse in Tieflage. Dazu gehören 120 Kernbohrungen, 130 Rammkernsondierungen sowie die Erkundung von Kampfmitteln und die Recherche von Leitungen.

Beginn der Bohrungen ist etwa 800 Meter nördlich von Eschbach, nahe der Verbindungsstraße Tunsel-Bremgarten. Die Probebohrungen führen dann weiter in Richtung Süden etwa drei Kilometer westlich der bestehenden Rheintalbahn. Sie enden dort, wo die Hügelheimer Runs kurz vor Müllheim die Rheintalbahn erreicht. Die Bahn ist auf die Mithilfe von Grundstückbesitzern angewiesen, denn nicht alle Grundstücke, auf denen die Bohrungen stattfinden, sind in öffentlicher Hand. Offensichtlich irritiert ist man bei der Bahn darüber, dass nicht alle Grundstückbesitzer mit den Bohrungen auf ihrem Grund und Boden einverstanden sind. "Wir sind sehr darüber verwundert", sagt Pressesprecher Michael Breßmer. "Es ist die Trasse, die die Region wollte." Offenbar aber gibt es einen Zusammenhang mit den Planungen weiter südlich. Der Widerstand gegen die Bohrungen hänge wohl mit den Planungen zwischen Müllheim und Auggen zusammen, wo gewaltige Lärmschutzwände vorgesehen sind. Dabei versucht die Bahn bei den Bohrungen so vorsichtig wie möglich vorzugehen. Das Teninger Unternehmen Drill Expert, das die Bohrungen vornimmt, muss die Grundstücke so verlassen, wie es vorgefunden wurde. Die Bohrungen finden zudem nach Absprache nach der Ernte aus landwirtschaftlichen Flächen statt.

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Ausweichmöglichkeiten hat die Bahn nur bedingt. Für die Bohrpunkte gibt es eine DIN-Norm, die eingehalten werden muss und die vorgibt, wo die Proben zu nehmen sind. Gebohrt wird bis in eine Tiefe von bis zu 25 Metern.

Auch über die zu erwartende Hydrologie sollen die Bohrungen Ergebnisse erbringen. Nördlich von Eschbach wird deshalb derzeit ein Brunnen gebohrt. Mit einem PVC-Rohr und Filterkies verfüllt wird diese Stelle so verbleiben, um Wasserproben zu entnehmen.

Die Proben kommen gleich in zwei unterschiedliche Labors, eines der Bahn und eines der Technischen Universität München. Der bloße Augenschein reicht nicht aus, um für den Bau der Rheintalbahn in Tieflage grünes Licht zu geben.

Und dann ist da noch der Triel beziehungsweise das geplante Vogelschutzgebiet, das weiter Teile der Strecke im Abschnitt 8.4 bedecken soll. Ob und wenn ja welche Auswirkungen das auf die Planung haben wird, sei noch nicht abzusehen, so Michael Breßmer.

Autor: Martin Pfefferle