Ein Highlight zum Abschluss

Jennifer Ruh

Von Jennifer Ruh

Mi, 29. August 2018

Eschbach

Brenda Boykin und das Jan Luley Trio begeisterten Jazz- und Blues-Fans zum Ende der Sommersaison "Kultur im Weinstetter Hof".

ESCHBACH. Zum Abschluss der Sommersaison "Kultur im Weinstetter Hof" erwartete Liebhaber von Jazz und Blues ein ganz besonderes Highlight. Das Konzert der US-amerikanischen Sängerin Brenda Boykin und des Jan Luley Trios. Von Swing bis Blues, von Ellington bis Elvis, die bestens aufgelegten Profimusiker entführten das begeisterte Publikum auf eine musikalische Reise nach New Orleans.

Die perfekte Harmonie zwischen der dreiköpfigen Band um den Pianisten Jan Luley wurde bereits zum Auftakt des Konzerts deutlich, als die Musiker Louis Armstrongs Version des Gospelklassikers "When the Saints go marching in" intonierten. Das Stück von 1938, ein in unzähligen Variationen verbreitetes geistliches Lied, wurde durch Armstrong zur Erkennungsmelodie des sogenannten Trad Jazz und war daher der perfekte Einstieg in einen wunderbaren Konzertabend.

Mit dem Erscheinen von Brenda Boykin auf der Bühne lag sogleich ein ganz besonderer Zauber in der Luft, denn die inzwischen 61-jährige Sängerin blickt auf ein bewegtes Leben zurück. In Oakland geboren, entdeckte sie ihre Leidenschaft fürs Singen als Solo-Sängerin in einem lokalen Gospelchor. Sie lernte Klarinette und wandte sich während ihres Psychologiestudiums an der Berkeley-Universität dem Jazz und Blues zu. Heute gehört Boykin, die seit 2004 in Deutschland lebt, zu den bemerkenswertesten Jazz-Sängerinnen unserer Zeit, mit einem gewaltigen Stimmenumfang und einer unverwechselbaren Bühnenpräsenz. Sie spielte Konzerte auf der ganzen Welt, ob Mittel- und Südamerika, Neuseeland, Japan oder Europa. 2005 wurde sie auf dem Montreux Jazz Festival in der Schweiz, eines der renommiertesten Festivals auf dem europäischen Kontinent, als bester Vokalist ausgezeichnet.

"Heute möchten wir mit einem Blues anfangen, zum Relaxen", begrüßte Boykin mit einer charmanten Mischung aus Deutsch und Englisch ihr Publikum. Die Chemie stimmte sofort. Das ruhige "Walking to New Orleans" von Fats Domino ist ein Paradebeispiel für den klassischen New Orleans Sound. Boykins tiefe, vibrierende Stimme und das sanfte, orangefarbene Licht machten den Auftritt zu einem sehr intimen Moment und zauberten vor dem inneren Auge das Bild einer schummrigen, rauchverhangenen Bar im New Orleans der Fünfzigerjahre.

Begleitet wurde Brenda Boykin von Jan Luley und seinem Trio, einem Pianisten, der zur europäischen Spitzenklasse für traditionellen Jazz, Blues, Gospel und New Orleans Style Piano gehört. Er spielte bereits mehr als 1800 Konzerte in siebzehn Ländern überall auf der Welt. Luley lernte bei und von den Pianisten in New Orleans und ist euch heute noch sehr eng mit der dortigen Musikszene verbunden. Boykin und Luley begegneten sich erstmals auf einem Kreuzfahrtschiff und waren sofort auf einer Wellenlänge. Anschließend verlor man sich aus den Augen, doch als Luley feststellte, dass Boykin das multikulturelle San Francisco gegen das bergische Wuppertal getauscht hatte, wurde die musikalische Beziehung schnell wieder aufgefrischt. Und das mit einschlägigem Erfolg. Am Kontrabass spielte Paul G. Ulrich, der zu den versiertesten und swingendsten Bassisten Europas zählt. Bekannt wurde er unter anderem als langjähriger Bassist von Paul Kuhn. Schlagzeug spielte Tobias Schirmer, der schon als Jugendlicher mehrere Preise für sein Spiel gewann, das sich durch eine hohe Sensibilität, Klangbewusstsein und eine stilistisch nahezu grenzenlose Flexibilität auszeichnet, nicht zu vergessen seinen, so Boykin, "dreckigen Gangsta Style". Das Zusammenspiel der vier Vollblutmusiker war bemerkenswert und von Spontanität kaum zu überbieten. In zahlreichen Weltklasse-Solis begeisterten sie das Publikum mit ihrer beeindruckenden Fingerfertigkeit, so auch bei "See you later Alligator" von Bill Haley & His Comets, bei dem es niemanden mehr ruhig auf seinem Sitz hielt.

Der "St. Louis Blues" ist ein klassischer Blues mit exotischen Melodien im Habanera-Rhythmus, den W. C. Handy um 1914 schrieb. Damals war der Tango groß in Mode, daher gab Handy dem Song eine Tango-Einleitung, aus der er jedoch plötzlich in einen Blues wechselte, um die Tänzer auszutricksen. Während viele andere Blues-Songs einfach und wiederholend gehalten sind, enthält der "St. Louis Blues" viele sich gegenseitig ergänzende und kontrastierende Elemente.

Das Stück "Stagger Lee & Billy", ein Folk-Lied aus afroamerikanischer Tradition, erzählt die Geschichte von Stagger Lee, einem schwarzen Kutscher und Zuhälter in St. Louis, der seinen Freund William "Billy" Lyons am Heiligen Abend 1895 tötete. Er symbolisiert bis heute das Stereotyp des kaltherzigen schwarzen Mörders, steht zugleich jedoch auch für den Widerstand der Schwarzen gegen die Unterdrückung durch die Weißen. Ruhige und romantische Töne erklangen bei "It’s been a long, long time". Mit dem Schlaflied "Summertime", einem der meistgecoverten Jazz- und Popstandard aller Zeiten, endete der Konzertabend mit einer gebührenden Zugabe. Mit den Worten: "Wenn du die Chance hast zu tanzen, dann tue es", entließ Boykin ihr beschwingtes Publikum in die kühle Sommernacht.