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14. April 2016 16:51 Uhr

Luftfahrt

Super Constellation stattet Gewerbepark Breisgau einen Besuch ab

Liebhabern gilt sie als das schönste Flugzeug der Welt: die Super Constellation aus den 1950er-Jahren. Der Oldie mit dem eleganten Heck ist inzwischen eine Rarität – die sich am 18. Juni auf dem Flugplatz Bremgarten bewundern lässt.

  1. Die schweizerische Super Constellation kommt an den Flugplatz Eschbach-Bremgarten. Foto: Jürgen Schelling

Die viermotorige Super Constellation, ein Propeller-Airliner aus den Fünfzigerjahren, gilt vielen Liebhabern als schönstes Flugzeug der Welt. Der seltene Klassiker aus Basel kommt am Samstag, 18. Juni, um 9.45 Uhr an den Flugplatz Eschbach-Bremgarten im Gewerbepark Breisgau und macht zwei Rundflüge um 13 und um 14.30 Uhr. Ab dem 18. April können Flüge gebucht werden.
Wenn die Super Constellation aus Basel am 18. Juni auf dem Flugplatz Bremgarten im Gewerbepark Breisgau ihre Triebwerke anlässt, um mit Gästen zu einem Rundflug zu starten, wird dies ein ganz besonderes Spektakel. Denn das Anlassmanöver der vier Sternmotoren bedarf einer besonderen Choreographie. Der Motor innenbords auf der Copilotenseite ist zuerst dran. Kurz schaut Flugkapitän Ernst Frei aus einem Cockpitfenster, sein Helfer am Boden signalisiert, dass kein Unbefugter nahe des Propellers steht. Langsam fängt die riesige Dreiblatt-Luftschraube an, sich zu drehen, es vergehen aber einige Sekunden, bis das mechanische Zusammenspiel aus 18 Kolben und zahlreichen Ventilen des Sternmotors harmonisch läuft. Sekunden später folgt der Motor auf der gleichen Tragfläche außen, dann geht es mit den beiden Triebwerken auf der anderen Tragflächenseite weiter, bis alle vier rund laufen.

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Die Lockheed L-1049 Super Constellation, von Luftfahrt-Fans kurz Super Connie genannt, ist natürlich auch in Bremgarten ein absoluter Star. Sie hat eine wunderbar schlanke Silhouette, ein hochbeiniges Fahrwerk – und dann erst dieses Heck. Wo bei anderen Propeller-Airlinern der Fünfzigerjahre ein wuchtiges Seitenleitwerk den Abschluss bildet, sind es bei der Super Connie drei fast schon filigrane Seitenruder, die sie unverwechselbar machen. Eigentlich wäre ein einziges Seitenleitwerk technisch gesehen völlig ausreichend, wenn es genügend groß dimensioniert ist. Aber mit nur einem wäre die Maschine so hoch geworden, dass sie nicht mehr in die damaligen Hangars gepasst hätte. Also wurden drei kleinere gewählt.

Mit etwa 480 Stundenkilometern Reisegeschwindigkeit und mehr als 6000 Kilometern Reichweite konnten bis zu 100 Passagiere einen für die 1950er-Jahre bis dahin nicht gekannten Reisekomfort genießen. Die 1950 zum Erstflug gestartete Super Connie entwickelte sich zum Erfolgsmodell: Mehr als 850 Exemplare der Super Connie, ihres kleineren Vorgängermodells Constellation und der größten Variante "Starliner" wurden während einer 15-jährigen Bauzeit ausgeliefert. Weltweit fliegt heute außer der schweizerisch zugelassenen Connie nur noch eine weitere Maschine gleichen Typs in Australien.

Die Super Constellation Flyers Association, kurz SCFA, ist flugbegeisterten Privatleuten zu verdanken: Im Frühjahr 2000 gründeten sie die SCFA in Basel als Verein mit dem Ziel, eine Super Connie zu erwerben, flugfähig zu machen und sie dann in der Schweiz mit Passagieren zu betreiben. 16 Jahre, etliche tausend Arbeitsstunden und einen vielstelligen Frankenbetrag später sind aus der kleinen Schar von Enthusiasten heute rund 3400 Mitglieder geworden, die sich, unterstützt von mehreren Sponsoren, dem Erhalt ihres außergewöhnlichen Airliners widmen. Da die 1955 gebaute Super Connie rechtlich gesehen ein Vereinsflugzeug ist, dürfen allerdings auch nur Mitglieder der SCFA mitfliegen. Ein Vereinsbeitritt ist für 120 Schweizer Franken aber problemlos zunächst für ein Jahr in der SCFA möglich. Nach Abschluss der Mitgliedschaft kann gegen eine je nach Flugdauer und Ziel entsprechend gestaffelte Gebühr mitgeflogen werden.

Auch beim Besuch der Connie im Gewerbepark Breisgau am Sonderlandeplatz Eschbach-Bremgarten kann direkt eine Mitgliedschaft in der SCFA vereinbart und falls noch freie Plätze vorhanden sind, bei den Rundflügen mitgeflogen werden. Der erste Schwarzwald-Rundflug führt über Badenweiler an den Titisee, er dauert 30 Minuten und kostet 320 Euro. In diesem Betrag ist die einjährige Mitgliedschaft in der SCFA bereits enthalten. Der zweite Rundflug, ebenfalls eine halbe Stunde Flugzeit, führt an den Schluchsee, auch er kostet 320 Euro und beinhaltet eine SCFA-Mitgliedschaft für ein Jahr. Falls die Flüge wegen schlechten Wetters verschoben werden müssen, wäre der Ausweichtermin Sonntag, 3. Juli, ab Flugplatz Bremgarten.

Kein mondäner Luxus

in der Kabine
Die Crew und etwa 35 Passagiere aus dem Raum Basel werden bei ihrem Bremgarten-Aufenthalt im Flugplatzrestaurant "Fliegerhorst" verköstigt. Gastgeber dabei ist der Betreiber des Restaurants "Fliegerhorst", der selbst langjähriger Oldtimer-Pilot ist. Zusammen mit Fliegerfreunden und den Mitarbeitern seines Luftfahrtunternehmens Max-Alpha-Aviation wird er sich um die notwendige Logistik für die Super Constellation während ihres Eschbach-Aufenthalts kümmern. Zudem sind laut Markus Riesterer, Geschäftsführer des Gewerbeparks Breisgau, noch weitere Programmpunkte für den 18. Juni geplant.

Wer von den Rundfluggästen dann aber mondänen Luxus in der Kabine erwartet, wird eher staunen: Ziemlich nüchtern ist das Innendesign, und das einzige Toilettenabteil im Heck überrascht mit sehr rustikalem Charme. Des Rätsels Lösung: Die eidgenössische Super Connie war ursprünglich ein Transportflugzeug des US-Militärs, weswegen die Bestuhlung und das Interieur eher spartanisch ausfielen.

Die ungeheure Faszination des Klassikers setzt aber sofort ein, sobald sich die Motoren drehen. Dann erwacht die Maschine zum Leben. Vibrationen, Geräusche und sogar Gerüche werden vom Passagier wahrgenommen, wie es keine moderne Boeing oder Airbus vermag. Und nach dem Abheben geht die Super Connie äußerst sanft im Vergleich zu modernen Jets in einen flachen Steigflug.

Während des Flugs mit dem Oldie brauchen die Passagiere auch nicht angeschnallt bleiben, sondern dürfen frei in der Kabine hin und her schlendern. So können sie aus möglichst vielen verschiedenen Perspektiven nach draußen schauen. Wer während des Flugs in das nicht abgeschlossene Cockpit schaut, gerät erst recht ins Staunen: Ein Großteil der Anzeigen und Bedienhebel sind original aus den Fünfzigerjahren erhalten. Und hinter den beiden Piloten sitzt heute genau wie früher ein Flugingenieur, der vor allem den Lauf der vier Motoren synchronisiert und sie während der Reise durch die Lüfte überwacht.

Stationiert ist der 37 Meter Spannweite messende Klassiker in den Sommermonaten am Euro-Airport Basel-Mulhouse-Freiburg. Im Winter, wenn nicht geflogen wird, bildet ein großer Hangar am Flughafen Zürich das temporäre Zuhause der Maschine. In Südbaden ist die Maschine auch deshalb gut bekannt, weil sie einige Winter in einem Hangar am Flughafen Lahr stationiert war.

Ihr Name "Star of Switzerland" könnte jedenfalls nicht treffender gewählt sein: Eine Schönheitskönigin im Alter von 61 Jahren, die heute noch ihr Publikum begeistert, hat sich diesen Titel redlich verdient. Und nachdem bereits Anfang 2016 alle erforderlichen Genehmigungen und Zusagen der Luftfahrtbehörden beim Flugplatz Eschbach-Bremgarten für Start und Landung der Super Constellation vorlagen, kann die Vorfreude beginnen. Deshalb werden am Samstag, 18. Juni, wohl nicht nur alle Passagiere begeistert sein, die an Bord sind und an einem der beiden Schwarzwald-Rundflüge teilnehmen, sondern auch Luftfahrtfans, die Start und Landung dieses einmaligen Klassikers vom Gelände des Flugplatzes Bremgarten aus erleben können. Die Maschine kann allerdings nur dann im Gewerbepark Breisgau landen, wenn Sichtflugbedingungen und passables Wetter an diesem Tag vorhanden sind. Denn anders als moderne Airliner ist der Klassiker nicht allwettertauglich. Möglicher Ausweichtermin bei zu schlechtem Wetter wäre dann Sonntag, 3. Juli.

Weitere Informationen über die Rundflugmöglichkeiten in Eschbach-Bremgarten, Preise und Buchungen voraussichtlich ab dem 18. April unter http://www.superconstellation.org

Autor: Jürgen Schelling