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30. Dezember 2011

Viel auf den Weg gebracht

RÜCKBLICK AUF 2011: Das Jahr lief für den Gewerbepark Breisgau besser als gedacht.

  1. Als Wahrzeichen erhalten bleibt der alte Wasserturm. Foto: Heike lemm

  2. Im Gewerbepark Breisgau wird tüchtig gebaut. Foto: Heike Lemm

ESCHBACH. Was brachte das Jahr 2011 im Gewerbepark Breisgau? Markus Riesterer, Verbandsdirektor und Geschäftsführer der Gewerbepark Breisgau GmbH, schaut zufrieden drein. Und zufrieden kann er auch sein. "2011 lief besser als gedacht", sagt er. "Gerade im Bereich der Infrastruktur sind wir einen Schritt vorangekommen." Riesterer berichtet von zehn weiteren Hektar vermarkteter Fläche und damit einhergehenden "sehr, sehr interessanten Projekten".

Verträge mit weiteren 17 Investoren seien unterzeichnet, zieht Riesterer Bilanz. Bunt gemischt sei das Feld, reiche vom kleinen Handwerksbetrieb bis zum großen, weltweit agierenden Automobilzulieferer. Dabei will Riesterer nicht verhehlen, dass das Erreichte für ihn und sein Team auch mit jeder Menge Arbeit verbunden war. Und das nicht nur wegen der vielen Anfragen, von denen es noch nie so viele gegeben habe wie 2011. Da habe wohl auch die 2012 anstehende Erhöhung der Grunderwerbsteuer von 3,5 auf fünf Prozent so manches beschleunigt und nicht wenige veranlasst, noch im alten Jahr die Grundstücke zu kaufen, vermutet Riesterer. Daher ist er sich auch bewusst, dass es nicht jedes Jahr so weiter laufen kann.

Werbung


Das Aufgabenfeld der Gewerbepark Breisgau GmbH ist weit gesteckt. Werbung und Vermarktung der insgesamt 150 Hektar Baufläche zählen genauso dazu wie die Ansiedlung von Betrieben, die Unterhaltung der Straßen und Grünflächen, die Projektsteuerung, die Vermietung der Gebäude und Verpachtung der Grundstücke, der Betrieb des Existenzgründerzentrums, des Flugplatzes, des Industriegleises, der Wasserversorgung und der Abwasserbeseitigung.

2011 neu dazu kam die Abwicklung der Rechnungsamtsgeschäfte im eigenen Haus. "Das ging problemlos", so Riesterer. Was zudem im eigenen Haus bearbeitet wird, das sind die Ausschreibungen für Straßenbau, Abriss, Entsiegelung und die Bauleitplanung. Selten habe es so viele Abbruchmaßnahmen gegeben wie dieses Jahr, selten so viele Behördengespräche für die derzeit laufenden sechs Bebauungspläne, fasst der Verbandsdirektor die vergangenen zwölf Monate zusammen.

Mit flexiblen Grundstücksgrößen gepunktet

Rund 150 Firmen mit – so der letzte Stand – etwa 1100 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen gibt es im Gewerbepark. Die Zahl der Arbeitsplätze dürfte inzwischen auf 1200 bis 1300 angewachsen sein, schätzt Riesterer. Ganz genau kann er es noch nicht sagen, er muss dafür noch das Ergebnis der neuen Umfrage bei den Unternehmen abwarten. Das Fernziel jedenfalls ist gesteckt: 2020 sollen es 2000 Arbeitsplätze sein. "Eine schöne Perspektive", sagt Riesterer. Allein 180 Arbeitsplätze, davon 20 neue, soll im Jahr 2012 die Ansiedelung des Automobilzulieferers Raymond bescheren.

Da die Größe der Grundstücke auf den insgesamt 150 Hektar Baufläche im Gewerbepark flexibel zwischen 1000 und 120 000 Quadratmeter rangiert, ist auch das Spektrum der angesiedelten Betriebe entsprechend weit. Großhandel findet sich da genauso wie Forschung, Flugzeugtechnik, Logistik, Recycling, Stahlbau und Medizintechnik. Ein Beispiel: das Baugebiet "Eschbacher Tor". Die Idee, in diesem Bereich bewusst auch kleinere Grundstücke anzubieten, lasse sich gut an, sagt Riesterer. Das lockte unter anderem die bisher in Heitersheim angesiedelte Firma Medexpert an, die nun im Gewerbepark an prominenter Stelle eine neue Firmenzentrale baut. Medexpert hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf dem Weltmarkt einen Namen gemacht mit Implantat-Systemen für die chirurgische Behandlung und Rekonstruktion des knöchernen Brustkorbes. Ein repräsentatives Gebäude plant das Unternehmen. Und das ist ganz im Sinne der Gewerbeparkbetreiber, die vor allem entlang der Max-Immelmann-Allee als Hauptverkehrsader ansprechende Architektur verwirklicht sehen wollen.

Ein vielleicht auf den ersten Blick weniger ansprechendes, dafür aber weithin sichtbares Objekt ist der alte Wasserturm. Er soll, das stand schon lange fest, als Wahrzeichen erhalten bleiben. Hin und her gingen die Verhandlungen mit diversen Investoren, bis es am Ende endgültig hieß: Der Zweckverband bleibt Eigentümer. 40 000 Euro investiert er in den runden Monumentalbau. Nicht nur einen neuen Anstrich bekommt das Gemäuer, auch in seinem Inneren tut sich was: Eine neue Heizung, WC-Anlage, Parkettboden kommen rein, um für das Immelmann-Museum unter der Regie des Traditionsvereins eine neue Bleibe zu schaffen. Das nämlich muss schon bald seinen angestammten Platz in einer der Hallen direkt am Flugplatz räumen, um Platz zu machen für wiederum ganz konkrete Pläne für Hotellerie und gehobene Gastronomie. Ein wichtiges Projekt, sagt Riesterer, zumal die Nachfrage nach Übernachtungsmöglichkeiten im Gewerbepark – nicht nur im flugaffinen Bereich – zwar zusehends wachse, das Angebot bisher aber so gut wie gar nicht vorhanden sei.

Apropos flugaffiner Bereich: Gerade hier stehen im kommenden Jahr Erweiterungen an. Sieben bis acht Hektar östlich der Startbahn sind dafür vorgesehen, das meiste davon sei bereits reserviert, erklärt Riesterer.

Zurück zum Museum im Wasserturm: Es dokumentiert nicht nur die Geschichte des Geschwaders und des ehemaligen Militärflughafens, sondern auch die Entwicklung des Gewerbeparks, sagt Riesterer. Der Traditionsverein bekommt die Räume mietfrei, muss nur für die Nebenkosten aufkommen. Aber nicht nur im, auch rund um den Wasserturm wird sich einiges tun. "Wir wollen ein kleines Zentrum schaffen, in einem Jahr wird dieser Bereich komplett anders aussehen", erläutert Riesterer und zählt auf, was noch alles dazugehören wird: Metzgerei, Zahnarzt, die neue Heitzmann-Filiale, und auch Kaffeerösterei "Coffee and more" wird sich dazugesellen. Sie siedelt um vom Gewerbegebiet in Staufen und wird voraussichtlich im Herbst 2012 den Bau einer neuen Rösterei mit Bistro im Gewerbepark eröffnen.

Der neue Tower an der Start- und Landebahn, der Ausbau des ÖPNV, die Wärmeabnahme von der Trea – auch das sei 2011 zu vollsten Zufriedenheit über die Bühne gegangen, bilanziert Riesterer. Und auch bei den Finanzen sieht es dem Vernehmen nach gar nicht schlecht aus: Riesterer berichtet von unterm Strich 3,1 Millionen Euro getilgten Schulden. Bleiben noch 6,2 Millionen, die es abzubauen gilt, davon 3,8 Millionen bei den Banken und zwei Millionen Euro Landesdarlehen. Hinzu kommen 400 000 Euro für das Businesscenter, die indes über Mieteinnahmen gedeckt sind. Auf der anderen Seite stehen rund zwei Millionen Euro Rücklage.

Fleißig verkauft also, und viel auf den Weg gebracht – können die Verbandsmitglieder nun bald den Rahm abschöpfen? Verbandsdirektor Markus Riesterer dämpft allzu hoch gegriffene Erwartungen: " 2013 wird es so langsam eine kleine Ausschüttung geben", schätzt er.

Autor: Heike Lemm