Zeit für Historisches

Dorothee Philipp

Von Dorothee Philipp

Do, 06. September 2018

Müllheim

Seit 25 Jahren gibt’s am Tag des offenen Denkmals, in diesem Jahr dem 9. September, viel zu entdecken / Deutsche Stiftung Denkmalschutz im Markgräflerland sehr aktiv.

MARKGRÄFLERLAND. "Entdecken, was uns verbindet" lautet in diesem Jahr das Motto zum Tag des offenen Denkmals, der seit 1993, seit 25 Jahren also, jeweils am zweiten Septembersonntag bundesweit begangen wird. Koordiniert wird die Vielfalt von Veranstaltungen ganz unterschiedlicher Institutionen, Kommunen, Vereinen und Verbänden durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD). Auch im mittleren Markgräflerland gibt es an diesem Tag wieder einige lohnende Ziele zu entdecken.

Eins davon ist der Weinstetter Hof bei Hartheim, der vom 13. bis 19. Jahrhundert als Maierhof der Malteser genutzt wurde und sich heute in Privatbesitz befindet. Am Tag des offenen Denkmals gibt es um 10.30 und 13.30 Uhr jeweils eine Führung mit Eugen Wiesler durch die ansonsten nicht für die Öffentlichkeit zugänglichen Gebäudeteile Villa und Herrenhaus. Zu sehen gibt es unter anderem einen reichen Stuckbestand aus dem 17. Jahrhundert und Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert.

Ganz in der Nähe befindet sich in Heitersheim das Römermuseum Villa Urbana, das sich an der Ausgrabungsstätte einer spätrömischen Villa aus dem 3. Jahrhundert befindet. Hier werden stündlich Führungen mit Archäologen angeboten, außerdem gibt es einen Malwettbewerb und eine Lego-Aktion im Rahmen der Sonderausstellung "Geschichte be-greifen". Dem Motto des Tages gerecht wird eine geführte Radtour in Bad Krozingen, die um 15 Uhr am Litschgi-Haus beginnt und in zwei Stunden zu Denkmälern aus der Römer- und Alemannenzeit führt (Anmeldung unter Tel. 07633/407169 oder E-Mail kulturamt@bad-krozingen.de erforderlich). In Sulzburg steht in diesem Jahr die über 1000-jährige Kirche St. Cyriak im Blickpunkt. Hier werden um 14 und 15.50 Uhr vom Förderverein St. Cyriak Führungen angeboten, um 17 Uhr gibt es ein Orgelkonzert.

Dass die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in diesem Jahr keine eigenen Führungen anbietet, liegt nach Auskunft von Ortskurator Norbert Glockner daran, dass sich die bisher angebotenen Veranstaltungen und Exkursionen materiell nicht getragen haben.

Doch die DSD ist im Markgräflerland sehr aktiv, vermittelt sie doch die sachgerechte Sanierung von bedeutenden historischen Baudenkmälern. Das Einzugsgebiet des DSD-Ortskuratoriums Müllheim reicht von Freiburg bis zum Bodensee. Bei der Sanierung der Kirche St. Cyriak, der historischen Gebäudeteile des Weinstetter Hofs und des Staufener Rathauses flossen Fördermittel der DSD. Derzeit sei die DSD dabei, die Sanierungsarbeiten in der Alten Post in Müllheim zu betreuen. Das Gebäude stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert und steht auf den Fundamenten eines im 30-jährigen Krieg zerstörten Klosters.

Ein weiteres Objekt, bei dem das Ortskuratorium aktiv an der Restaurierung mitwirkt, ist ein alter Schwarzwaldhof in Horben bei Freiburg. Und das Müllheimer Ortskuratorium hat es dank der Initiative von Glockner geschafft, für die Sanierung der Schleusengebäude bei Niffer das Interesse und die Unterstützung des französischen Staates zu bekommen. Die Anlage besteht aus einem Kontrollturm und einem Dienstgebäude und liegt an der Einmündung des Rhein-Rhône-Kanals in den Grand Canal d’ Alsace. Sie wurde von Le Corbusier entworfen und 1962 fertiggestellt. Inzwischen ist sie nur noch für kleine Schiffe in Betrieb, in unmittelbarer Nähe wurde für die größeren ein neues Schleusenwerk errichtet. Seit 2005 stehen die beiden Gebäude von Le Corbusier unter Denkmalschutz, mussten aber wegen Baufälligkeit für die Öffentlichkeit gesperrt werden.

Die Arbeit für die DSD ist für Glockner ein Herzensanliegen, wie er sagt. Sie bedeute aber auch, angesichts der hohen Kosten, die Sanierungsarbeiten von Baudenkmälern verursachen, Prioritäten zu setzen, was nicht immer einfach sei. Was ihn als Architekt fasziniert, sind die Bautechniken vergangener Zeiten. "Das ist ja einer der Hauptgründe, warum ich mich ehrenamtlich bei der DSD engagiere. Man trifft sozusagen über die Jahrhunderte hinweg Kollegen mit unglaublichen Fertigkeiten und Kenntnissen. Schon der Erhaltungszustand einer alten Fassade zeigt zum Beispiel, wie gut man damals gebaut hat", sagte er im Gespräch mit der BZ. Dankbar sei er dafür, dass im Ortskuratorium eine große Zahl von Fachleuten, Architekten, Restauratoren, Kunsthistoriker und Stadtplaner ehrenamtlich mitwirkten.