Tuschezeichnungen

Andreas Böhm in der Galerie Linda Treiber, Ettenheimmünster

Eri Sieberts

Von Eri Sieberts

Do, 12. Mai 2016

Ettenheim

Andreas Böhms Zeichnungen lösen eine innere Bilderflut aus.

ETTENHEIMMÜNSTER. Gerahmte Welten von Röhren und Tunneln, die durch Abzweigungen und Kreuzungen miteinander verbunden sind und durch Überlagerungen Tiefe entwickeln: Die Tuschezeichnungen von Andreas Böhm beschreiben einen eigenen Kosmos, Beziehungen und Abhängigkeiten. Die Galerie Linda Treiber zeigt neue Arbeiten des 1958 in Friedberg/Bayern geborenen Künstlers, den das auf Zeichnung spezialisierte Haus seit vielen Jahren vertritt.

Assoziationen drängen sich auf: Die Verbindungen der Tuschestriche und die Verdichtungen erinnern an Flechtwerk. Die Arbeiten des Künstlers haben trotz der gleichen Zeichentechnik ganz unterschiedliche Ausprägung. Rechtwinklige Abzweigungen erinnern an Baugerüste, besonders an solche aus Bambus, die mit Seilen verbunden sind. Werden die Linien schmaler sehen die Gebilde aus wie Stahlseile, die sich kreuzen, wie Architektur. Andere Arbeiten mögen an Pumpwerke erinnern, auch an physiologische Gefäßsysteme. Verdichtungen unterschiedlicher Größe und Intensität verleihen den Zeichnungen Dynamik. Der Blick tastet sich entlang von Linien, sucht den Ursprung des Ganzen, verfolgt vermeintliche Strömungsrichtungen oder Strudel. Die assoziative Wirkung der Zeichnungen, besonders im großen Raum der Galerie Linda Treiber, fördert die Kopplung unterschiedlicher Wahrnehmungssysteme, bei der sich in der meditativen Stille der Galerieräume gar Geräusche vernehmen lassen.

Weitaus ruhiger wirken dagegen die Arbeiten im Raum gleich am Eingang. Die Strukturen sind weiter, die Schwarz-Weiß-Schattierungen der Tusche, untermalt von breiten Lachen roter Flüssigkeit, erinnern an Seerosenteiche. Der Tuschestrich wird in seine Bestandteile zerlegt. In sehr wässriger Form zeigt er sackartige Strukturen, Geflechte, die gehalten sind von scharf abgegrenzten äußeren Linien, eine Welt, in die man sich verlieren kann. Blutgerinnseln gleich verdickt sich die Tusche an manchen Stellen der netzartigen Röhren bilden und löst sich wieder in wässrige Spuren auf.

An einer Wand hängen fünf Kleinformate untereinander: Die Ausstellungsbesucher finden sofort einen Namen: "Jalousienbilder". Dabei handelt es sich jeweils um unterschiedliche Kompositionen, bei denen zwei bis drei senkrechte Linien von dicht gereihten horizontalen Linien durchkreuzt werden. Andreas Böhm entwickelt seine eigene Dimension von Zeichnung, die sich in den klassisch weiß-dunkelbraun gehaltenen Räumen der Galerie sehr gut entfalten kann.

Andreas Böhm: Zeichnung. Galerie Linda Treiber. Münstertalstraße 34, Ettenheim Tel. 0 78 22 54 64. Öffnungszeiten täglich nach Vereinbarung. Bis 12. Juni.Internet: galerielindatreiber.de