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04. Februar 2011
Auf Augenhöhe mit Bruno Metz
Jugendliche diskutieren mit dem Bürgermeister über ihre Alltagsprobleme – und fordern mehr Mitsprache bei Zukunftsthemen.
ETTENHEIM. Bruno Metz will mit den Jugendlichen in seiner Stadt ins Gespräch kommen. Oder besser: Er will ihnen zuhören. Und der Bürgermeister sucht dabei den Dialog nicht in seinem Dienstzimmer im Obergeschoss des Rathauses, sondern dort, wo die jungen Leute sind: im Jugendcafé. Mit dem Slogan "Auf Augenhöhe mit dem Bürgermeister" hatte Isabella Roth, die Jugendbeauftragte der Stadt, auf Flyer und Plakaten in Schulen und in Schaufenstern in der Stadt für das Treffen am Mittwochnachmittag geworben.
Ein gutes Dutzend Jugendlicher war gekommen. Sie wollen eine bessere Ausstattung der Schulen und bessere Busverbindungen – und sie forderten mehr Mitsprache bei Zukunftsthemen, beispielsweise beim Einsatz regenerativer Energien.Wer ein Kaffeekränzchen mit Bürgermeister erwartet hatte, bei dem er den jungen Leuten eine Nachhilfestunde in praktischer Kommunalpolitik gibt, wurde schnell eines Besseren belehrt. Denn die Jugendlichen gingen nach einer Aufwärmrunde, in der Bruno Metz vom Einstieg ins Politikgeschäft, von seinen beiden Opas, die im Renchtal schon in kleinen Gemeinden Bürgermeister waren, von seinen Lehrzeiten bei Willi Stächele, dem damaligen Bürgermeister von Oberkirch, und von den schönen Seiten, Bürgermeister in Ettenheim zu sein, erzählte, schnell zur Tagesordnung über. Metz sollte zuhören – und auf Fragen antworten. Etwa auf diese: Warum baut die Stadt nicht eine weitere Sporthalle? Metz’ Antwort, mit dem Ausbau des Bildungszentrums auch eine neue Gymnastikhalle hinter die Stadthalle zu setzen und damit eine kleine Lösung anzupeilen, blieb indes nicht unwidersprochen. Aus Sicht der Schüler bringe das nicht viel.
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Beklagt wurde auch, dass es im Musikraum der Realschule keinen echten Schutz gegen die Sonne gibt ("Wir haben schon Briefe an die Stadt geschrieben, aber dennoch ist nichts geschehen"), oder dass trotz der Sanierung am Bildungszentrum immer noch Klassenzimmer mit Uraltmöbeln bestückt seien. Auch die in die Jahre gekommenen Technik müsse nachgerüstet werden. "Wenn Power-Point-Präsentationen anstehen, gehen die Rechner in den Medienwagen in die Knie. Dass wir Schüler solche Werkzeuge nutzen, ist inzwischen aber Standard im Unterricht und wird auch verlangt", sprach Andreas, Schüler am Städtischen Gymnasium, Klartext. Metz erklärte, rückte zurecht, widersprach – aber vor allem: Er notierte fleißig.
Stein des Anstoßes war für die Schüler auch der Taktverkehr bei den Schulbussen. Wegen der Schleife über das Städtische Gymnasium würden Heimschüler zu Mittag nicht selten den Nahverkehrszug am Orschweierer Bahnhof verpassen und müssten dort dann lange Wartezeiten auf den nächsten Zug in Kauf zu nehmen. Überdies: Der Busfahrplan orientiere sich offensichtlich noch nicht am verstärkten Nachmittagsunterricht an den Gymnasien: "Wer in Kappel-Grafenhausen wohnt und nach 17 Uhr erst Unterrichtsschluss hat, muss sich von den Eltern abholen lassen oder über eine Stunde warten". Am Nachmittag oder am Wochenende per Bus Freunde auf dem Land zu besuchen, sei ebenfalls unmöglich. "Zwischen 11 und 18 Uhr am Samstag geht beispielsweise gar nichts."
"Wenn sich Schule verändert, muss sich auch der Bustakt verändern", nahm Bruno Metz die Forderung auf seine To-do-Liste mit auf. Wenig Hoffnung machte er den Betroffenen allerdings, dass über einen Ringverkehr wie in den Kreisstädten eine Verbesserung kommen werde. Metz: "Für Ettenheim ist eine solche Lösung zu teuer".
Dass die Schülerinnen und Schüler aber mehr als ihre Alltagsprobleme vorbrachten, erstaunte dann auch den Bürgermeister. "Wenn es um Zukunftstechnologie und den Einsatz erneuerbarer Energien geht, dürfen wir Jungen bei der Entscheidung nicht mitreden. Wieso hatten Jugendliche unter 18 Jahren beim Bürgerentscheid zum Biomassekraftwerk eigentlich kein Stimmrecht?", war eine provokative Frage einer Schülerin an den Rathauschef. Der Angesprochene machte keinen Hehl daraus, dass er sich ein anderes Votum beim Bürgerentscheid gewünscht hätte, unterstrich aber auch, dass das Thema demokratisch entschieden wurde und damit vom Tisch sei. Der Einsatz von Windkraft und Solaranlagen bleib aber auch in Zukunft ein Thema. Metz versprach sich dafür einzusetzen, dass die Diskussion über den Einsatz erneuerbarer Energien in der Stadt unter Beteiligung der Jugendlichen fortgesetzt wird. Metz: "Für mich ist das ein wichtiges Thema. Es freut mich, dass ihr das auch so seht".
Autor: Klaus Fischer
