Auftakt in vertrauter Atmosphäre

Klaus Fischer

Von Klaus Fischer

Mi, 12. September 2018

Ettenheim

Zum ersten Bürgergespräch von Wahlkämpfer Bruno Metz kommen rund 50 Zuhörer in den Winefeldsaal im Bürgerstift.

ETTENHEIM. Die Atmosphäre? Vertraut. Der Umgangston? Locker und freundlich. Der Amtsinhaber? Souverän. Der Auftakt der Reihe von Bürgergesprächen, in denen Bürgermeister Bruno Metz seine kommunalpolitischen Schwerpunkte für den Fall seiner Wiederwahl vorstellt und "vor allem auch Zuhören will" (Metz), war geprägt von Harmonie und großer Zustimmung für die bisherige Amtsführung des Amtsinhabers.

In den Winfeldsaal im Bürgerstift, mitten in der Altstadt, hatte Metz eingeladen. In ein Quartier also, in dem einige Bewohner die von ihm mitverantwortete Kommunalpolitik insbesondere in Onlineforen und sozialen Netzwerken mit nicht immer feinen Worten kritisieren. Unter den rund 50 Besuchern der Veranstaltung waren diese allerdings nicht auszumachen, was der Amtsinhaber eingangs mit einer Bemerkung aufgriff, dass er gekommen sei, um von Angesicht zu Angesicht zu diskutieren, aber offenbar habe das persönliche Gespräch bei manchen an Wert verloren.

Nicht so bei den Gekommenen im Winefeldsaal, darunter auch einige Mitarbeiter aus der Verwaltung. Mit den meisten, die nach einem kurzgehaltenen Impulsreferat über die Entwicklung der Stadt in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit Metz in einen Dialog einstiegen, pflegte der Bürgermeister das vertraute "Du". Dass Ettenheim insbesondere durch die einheitliche Gestaltung zwischen den Stadttoren und die Angebote an Gastronomie und für Familien auf dem Marienplatz eine urbane Altstadt besitze, und dass sich die Menschen, die hier lebten, mit Gestaltung und Flair identifizierten, war Konsens im Saal.

In dieses Bild einer intakten Stadtgesellschaft passe auch, so Metz ausführend, dass es unter der Bürgerschaft ein hohes ehrenamtliches Engagement sowohl in Vereinen als auch in Gruppen und Institutionen gebe. Metz: "Wo Bedarf in der Stadt ist, finden sich Gruppen, die die Lücke schließen". Aufgabe eines Bürgermeisters sei es, dass er ein Gespür dafür habe und Wege finde, mögliche Partner zueinander zubringen, so Metz. Dass ihm dies gelungen sei, wurde ihm aus dem Saal heraus gleich mehrfach attestiert.

Unterdessen kam aus dem Zuhörerkreis auch der zarte Hinweis, dass die Stadt gleichwohl auch Defizite aufzuarbeiten habe. Etwa bei der Bereitstellung von Wohnraum mit sozialverträglichen Mieten. Die Mieten seien in Ettenheim nämlich in der Vergangenheit enorm gestiegen, so die Kritik. Ein Befund, den Metz durchaus teilte, weil der private Wohnungsmarkt in Ettenheim auf ein anderes Klientel gesetzt habe. Dem steuere die Stadt mit der Gründung der Städtischen Wohnbau gegen. Zügig, so der Bürgermeister, solle der städtische Eigenbetrieb nach dem ersten Bauprojekt Flüchtlingsunterkunft im Marbach nun weitere rund 100 Sozialwohnungen schaffen.

Als ein Ärgernis in der Altstadt wurde der Zerfall eines denkmalgeschützten Hauses (Haus Schober) in der Thomasstraße bezeichnet. Auch diesen Befund teile er, erklärte der Bürgermeister. Allerdings sei das Haus in Privatbesitz, habe zudem in der Vergangenheit mehrmals den Besitzer gewechselt, was Gespräche von Eigentümer und Stadt und die Möglichkeit der Einwirkung nicht erleichtert habe. Es gebe aber Signale, dass sich nun etwas entwickle, in Richtung Gastronomie und Wohnungen, so Metz.

Weshalb für den Radweg zwischen Wallburg und Münchweier eine mit 1,4 Millionen Euro so teure Lösung umgesetzt werde, wo es doch parallel zur Verbindungsstraße durch die Weinberge bereits radfahrtüchtige Wege gebe, wurde gefragt. Metz: Hier spricht der Kreis mit. Und: Kinder über abgelegene Radwege zu führen, sei problematisch.

Michael Butt, Gegenkandidat bei der Bürgermeisterwahl und Bewohner des Bürgerstifts, mahnte die für Rollstuhlfahrer nach wie vor schwierige Situation in der Altstadt an, insbesondere durch rücksichtloses Parken. Metz bot einen Rundgang an und stellte in Aussicht, dass durch den Gemeindevollzugsdienst verstärkt kontrolliert werde. Auch eine personelle Verstärkung schloss er nicht aus.

Applaus im Saal für den Bürgermeister nach knapp 90 Minuten Bürgergespräch.