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12. Februar 2009

Der Streit um die Piusbruderschaft und die Folgen

Die katholische Gemeinde will am kommenden Montag über das aktuelle Kirchen-Thema informieren und diskutieren

  1. In der Kritik: Papst Benedikt XVI. (links) und Bischof Williamson Foto: dpa

ETTENHEIM. Es ist noch gar nicht so lange her, da mussten sich die christlichen Kirchen vor einem schleichenden Bedeutungsverlust fürchten. Wo Konsumdenken die Welt beherrscht, tritt Religion und die sie tragenden Institutionen in den Hintergrund. Im Fall der katholischen Kirche kann davon derzeit allerdings keine Rede mehr sein. Seit Papst Benedikt XVI. den Kirchenbann gegen vier Bischöfe der konservativen Piusbruderschaft aufgehoben hat, beherrscht sie die Schlagzeilen. Kirche aktuell – die katholische Kirche und die Priesterbruderschaft St. Pius X. – macht deshalb die katholische Kirchengemeinde in Ettenheim bei einem Info- und Gesprächsabends am kommenden Montag, 16. Februar, 20 Uhr im Pfarrzentrum St. Martin (Rohanstraße) zum Thema.

Im Zentrum der öffentlichen Diskussion um die Aufhebung der Exkommunikation steht die Leugnung des Holocausts durch Bischof Richard Williamson, einem der vier Bischöfe der Bruderschaft. "Auch in unserer Gemeinde wird der Vorgang mit Verwunderung und Bestürzung aufgenommen. Und im Religionsunterricht in der Schule reagieren die Schüler heftig und enttäuscht über die Entscheidung des Papstes. Die Schüler verstehen es nicht und sie stellen viele Fragen", sagt Matthias Küchle, Religionslehrer an der Heimschule St. Landolin. Er hat den Infoabend vorbereitet und wird ihn auch leiten.

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Am Montagabend soll es aber nicht allein um das die Medien beherrschende Thema der "scheinbaren Rehabilitation eines Holocaust-Leugners" (Küchle) gehen, Küchle will sich an diesem Abend auch weiteren zentralen Fragen des Glaubens stellen, die durch die öffentliche Diskussion wieder stärkere Beachtung finden. Fragen wie: Wie sehen Katholiken ihr Verhältnis zum Judentum? Wie denken Katholiken über nichtchristliche Religionen? Was bedeutet Toleranz? Wie denkt die katholische Kirche über Religionsfreiheit und Demokratie? Glauben wir an einen menschenfreundlichen oder einen strengen Gott? Überdies wird Küchle zur Veranstaltung, die nicht nur an die Gemeindemitglieder gerichtet ist, sondern allen Interessierten offen steht auch aus allgemein zugänglichen Texten der Piusbruderschaft zitieren und deren Unvereinbarkeit mit den Beschlüssen des zweiten vatikanischen Konzils darstellen.

Nicht unweit von Ettenheim steht übrigens eine Bruderschaftskirche: die St. Michaels -Kirche in Rheinhausen-Niederhausen. Auch Bischof Williamson ist schon in Niederhausen gewesen. Vor fünf Jahren hat er die Glocken der Bruderschaftskirche geweiht.



Kirche aktuell: Infoabend zumThema katholische Kirche und Piusbruderschaft, Montag, 16. Februar, 20 Uhr, Pfarrzentrum St. Martin, Ettenheim, Rohanstraße (beim Rathaus).

Autor: Klaus Fischer