Die Matinee macht Lust auf mehr

Michael Masson

Von Michael Masson

Mi, 23. Mai 2018

Ettenheim

Kirchenchor Münchweier und Gundelfinger Kammerchor Cantemus führen Ausschnitte aus "Elias" auf.

ETTENHEIM-MÜNCHWEIER. Dirigent Bernhard Schmidt freute sich über die 120 Zuhörer, die am Sonntag in die Heilig-Kreuzkirche gekommen waren – zur ersten Matinee. Der Münchweierer Kirchenchor führte mit dem Gundelfinger Kammerchor Cantemus Ausschnitte aus "Elias" auf.

Die Chöre proben das zweistündige Kirchenwerk von Felix Mendelssohn-Bartholdy seit September. Während des Konzerts erläuterte der Freiburger Pfarrer Jörg Sieger die Geschichte des alttestamentarischen Propheten Elias. Dieser hatte im neunten Jahrhundert vor Christus laut Bibel gegen den Wasser- und Regengott Baal samt König gekämpft. Die 85 Stimmen starke Chorgemeinschaft überzeugte bei ausgewählten Szenen mit Kraft und Ausdruck.

Der Freiburger Bassbariton Manfred Bittner gab als Solist einen durchsetzungskräftigen Elias im Wechsel mit dem Chor. Als Engel glänzten zwischendurch stimmlich-solistisch neben Annette Tolle auch Eva Rohr, Christiane Roth und Nadine Joseph, die ansonsten im ebenfalls von Schmidt geleiteten Freiburger John-Sheppard-Ensemble mitwirken. An der Orgel begleitete sie David Kiefer.

Später wurde der Prophet rachsüchtig, verübte ein blutiges Gemetzel an den Baal-Anhängern. Hierzu merkte Sieger an, dass neben früher Christenverfolgung zu römischen Zeiten die Kirche später auch selbst viele "Heiden" aus ideologischen Gründen massakriert hatte. Sieger nahm Judenverfolgung und Islamfeindlichkeit zum Anlass, zu mahnen. Religiöse Verfolgungen seien weder zu beschönigen noch zu rechtfertigen. Auch der Islam gehöre zu Deutschland, betonte der Geistliche.

Das Flammenthema – in der Elias-Erzählung ein zentraler Aspekt – zieht sich bei Mendelssohn musikalisch durch. Mit einem feurigen Wagen und ebensolchen Rössern entrückt der Prophet schließlich gen Himmel. Im heutigen orthodoxen Judentum gilt er als Symbol für Standhaftigkeit. Mendelssohn, als Kind evangelisch getaufter Jude, hatte darüber kritischer geurteilt: Elias sei "stark, eifrig, auch wohl bös und zornig und finster" gewesen.

Der Doppelchor samt Solisten stellte mit der Matinee-Auswahl des "Elias" neben makelloser Stimmstärke seinen kraftvollen Ausdruck unter Beweis. Davon können sich Zuhörer am 20. Oktober ein weiteres Mal überzeugen, wenn dieselbe Besetzung den kompletten Mendelssohn’schen "Elias" in der Ettenheimer St. Bartholomäus- Kirche zu Gehör bringt.