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10. Februar 2012
Ein närrischer Schwergewicht
Die Babelotten sind eine verschworene Frauengemeinschaft und ein unverzichtbarer Teil der Ettenheimer Fasent.
ETTENHEIM. Sie sind im doppelten Wortsinn ein Schwergewicht der Ettenheimer Fasent und seit Jahren fester Bestandteil beim Narrenspiel der Narrengesellschaft Hoorig. Bei ihren geschmeidigen Auftritten versetzen sie Jahr für Jahr die Stadthallenbühne in Schwingungen und bringen das Publikum in der Halle zum Beben: die Babelotten. Sie sind eine verschworene Gemeinschaft, die während der Fasent keine Männer in ihrem Kreis duldet – Motto: nur gucken. Heute und morgen beim Narrenspiel der Hoorige-Zunft darf wieder geguckt und herzhaft gelacht werden.
Die neun Damen reiferen Alters haben am Mittwochabend nach der Generalprobe für das Narrenspiel für ein paar Minuten Fünfe gerade sein lassen und ihr strenges Fasent-Reglement außer Kraft gesetzt. Will heißen: Sie haben einen Narren – nämlich den Schreiber dieser Zeilen – mit am Babelotten-Tisch sitzen lassen. Das ist ungewöhnlich eilt den Babelotten doch der Ruf voraus, dass sie bei ihren Streifzügen von Fasentparty zu Fasentparty, von Umzug zu Umzug Männer und Ehemänner "draußen lassen". Da wird dann auch schon mal eine rot-weißes Absperrband um ihre Truppe gezogen, "damit bei der Fasent niemand von uns verloren", sagt Babelotten-Chefin Ursula Nägele mit einem Augenzwinkern.Werbung
Seit 1954 gibt’s es diese verschworene Frauenclique, die "einmal als Symbol für Frauenrecht am Schmutzigen Dunschtig gegründet wurde," weiß Ursula Nägele. Bis heute hat sich gehalten, dass die Clique geschlossen am Donnerstag vor Fasent im Hemdglunker oder Schlafanzug durch die Ettenheimer Cafés und Wirtshäuser zieht. "Weißwein-Schorle und Eierlikör sind da unsere Wegbegleiter, das muss man schon vertragen können", nennt Ulrike Baumann schelmisch zwei wichtige Voraussetzungen, die eine Babelotte mitbringen muss. Aus der Tradition am Schmutzigen Dunschtig heraus entstand übrigens auch das Babelotten-Café am Fasentmontag und Fasentdienstag, das unterm Ettenheimer Narrenvolk ob des großen Kuchenbüffets mit 60 Torten und mehr bekannt und beliebt ist.
Höhepunkt im närrischen Babelotten-Leben bleiben aber die Auftritte beim Narrenspiel der Hoorige-Gesellschaft. Legendär sind ihre Bühnenshows als goldgelbe Ättemer-Enten, als Starlight-Express oder als aufmüpfige Straßengang. Die Kostüme sind – mit Unterstützung von zwei Näherinnen – selbst entworfen und genäht, von besonderer Kreativität und stets eine Augenweide. Dass die barocken Babelotten-Körper dabei Ausstattung und Bühnenmaterial besonderen Belastungen aussetzen, ist für die Damen Programm. Bei Tanzeinlagen bis zur Ekstase ächzt schon mal das Bühnenparkett unter der Last, da haben Starlight-Express-Rollschuhe per besonderer Schweißtechnik mehr Stabilität oder erhält die Aufhängung für die Schaukel zwei Sicherheitsschrauben mehr.
Unterdessen steht außer Frage, dass die Babelotten auch heute und morgen Abend wieder die Stadthalle zum Beben bringen werden. Seit November, seit das Motto des Narrenspiels – Viva Ättena – bekannt ist, sind die Babelotten einmal mehr zu fleißigen Bienen mutiert. "Da gehen schon einige Treffen drauf, bis wir unser Thema für den Auftritt beisammen haben. Viele Ideen werden notiert, viele wieder verworfen, bis der Leitgedanke steht. Und dann geht’s weiter mit den Entwürfen für die Kostüme, das Schreiben der Texte und das Aussuchen und Schneiden der Musik. Wir haben da aber schon zu einer gewissen Arbeitsteilung gefunden", sagt Ursula Nägele, die Ober-Babelotte. Und dann wird geprobt, geprobt und noch mal geprobt – zu Hause im Wohnzimmer, im Hoorige-Keller, im Gymnastikraum der Heimschule und seit vergangener Woche in der Stadthalle. Den Feinschliff gab’s am Mittwochabend bei der Generalprobe mit Technikteam und unter den strengen Augen der Regie.
Und wie wird man zur Babelotte? Einfach per Aufnahmeantrag geht so etwas natürlich nicht. "Die Neue muss in unseren Kreis passen, weshalb über eine Aufnahme bei uns auch gemeinsam entschieden wird. So eine Frauengruppe hat halt eine ganz besondere Struktur", erklärt Ursula Jäger. Ein barocker Körperbau wird dabei aber nicht zum Maß der Dinge. "Entscheidend ist, dass die Neue tickt wie wir und dass sie bereit ist, am Narrenspiel auch auf der Bühne zu stehen. Letzteres ist für viele, die mitmachen wollen, die höchste Hürde," plaudert Nägele aus dem Nähkästchen. Und die närrische Dame muss Schorle trinken wollen, denn ohne Schorle geht’s nicht auf die Bühne. Babelotte Ulrike Schmidt: "Das hilft gegen Lampenfieber".
Autor: Klaus Fischer


