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02. März 2012

Eine gewinnbringende Partnerschaft

Unternehmen Ettenheim organisiert Infoabend zur Bildungspartnerschaft von Schule und Wirtschaft / Rund 80 Teilnehmer.

  1. Rund 80 Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Bildung informierten sich zum Thema Bildungspartnerschaft. Foto: Sandra Decoux-Kone

  2. Ein Werber für Bildungspartnerschaften: Unternehmer Klemens Hampf. Foto: Decoux-Kone

ETTENHEIM. Keine Frage, das Thema Kooperation zwischen Schule und Wirtschaft muss in Ettenheim nicht erst entdeckt werden. Seit Jahren gibt es Praktika von Schülern in Unternehmen über alle Schularten hinweg. Mit der "Bildungspartnerschaft" hat die Landesregierung nun eine Vokabel gesetzt, die weit mehr bedeutet und auch für beide Seiten einen stärker bindenden Charakter hat. Kooperation, die nicht mehr nur "auf Zuruf funktioniert", wie es Thomas Breyer-Mayländer formulierte.

Auch bei dieser Weiterentwicklung sind die Ettenheimer aber längst dabei, doch die Zusammenarbeit soll forciert und intensiviert werden. Wie? Einige Antworten auf diese Frage gab es am Mittwoch im Bürgersaal des Rathauses.

Dort hatten sich auf Initiative von Beruflichen Bildung GmbH (BBQ) und Werbegemeinschaft Unternehmen Ettenheim (UE) rund 80 Vertreter aus Wirtschaft, Schule und Politik zu einem Informations- und Meinungsaustausch über Bildungspartnerschaften eingefunden. UE-Vorsitzender Breyer-Mayländer rief ihnen in einem Impulsreferat gleich in Erinnerung, weshalb sie eigentlich gekommen waren. Die Stichworte waren unter anderen: Fachkräftemängel, geburtenschwache Jahrgänge, Schulabgänger mit geringer Qualifikation. In einer prosperierenden Region sei es für Unternehmen überlebenswichtig die Entwicklung in den Schulen zu optimieren und dazu beizutragen, dass die vorhandenen Bildungspotenziale in der Region auszuschöpfen. Breyer-Mayländer: "Schule und Wirtschaft befinden sich im Umbruch. Beide müssen daran interessiert sein, zueinander zu finden".

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Wie Schule und Wirtschaft stärker vernetzt werden können, beschrieb Regina Schaub. Die Sozialpädagogin aus Orschweier (Abitur an der Heimschule) ist Mitarbeiterin der BBQ (siehe Infobox) und Projektleiter "Bildungspartnerschaften". Sie bot sich und die BBQ als Begleiterin von Kooperationen an, sei es um mögliche Partner zusammen zu bringen, oder Organisationsformen vorzuschlagen, um die solche Partnerschaften auf ein breites Fundament zu stellen. "Wichtig ist, dass die Partnerschaft für beide Seiten auf Dauer als gewinnbringend eingestuft wird", erklärte Schaub.

Ihre Vorschläge für die Praxis reichten von den bekannten Betriebspraktika oder Schnuppertage bis hin zu Bewerbungstraining in den Schulen durch Profis aus den Personalabteilungen der Betriebe. Ein Trend gehe derzeit auch zu sogenannten Ausbildungsbotschaftern. Das sind Auszubildende, die im Unterricht von ihrer Ausbildung erzählen und Schüler damit für einen Ausbildungsweg motivieren. Ein wichtiges Element in der Partnerschaft bleibe aber immer, dass der Austausch nicht nur zwischen Schülern und Betrieben funktioniere, auch für Lehrer sei es wichtig, über Betriebsbesuche oder Praktika die Unternehmenswelt praktisch zu erfahren, so Schaub. Dass der Weg auf dieses Niveau von Partnerschaft auch Mühe und Beharrlichkeit auf allen Seiten voraussetze, sollte wohl das Foto am Ende ihrer Powerpoint-Präsentation verinnerlichen: Ein ferner Leuchtturm, erreichbar über einen schmalen Steg in rauer See.

Dass dieser Weg bereits gegangen wird und in Erfolg für beide Seiten mündet, zeigten die Beispiele von bereits praktizierten Bildungspartnerschaften an den drei Ettenheimer Schulen. Schon einige Jahre arbeitet das Städtische Gymnasium mit dem Ingenieurbüro Hampf-Consult in Ettenheimweiler, ein Spezialist für Brückenbau, zusammen. "In allen Branchen wird heute am PC und mit der Tastatur gearbeitet. Doch das entscheidende ist doch für junge Leute, was steckt dahinter. Wenn sie das ergründen, wissen sie, ob ihnen ein Ingenieurberuf Spaß macht oder ob sie lieber Kaufmann werden wollen", beschrieb Firmengründer Klemens Hampf Anfang und Ziel der Kooperation. Seine Erfahrungen in der Partnerschaft mit dem Städtischen und dem Oken-Gymnasium in Offenburg seien hervorragend. Er mahnte indes auch an, dass die Partner austesten müssten, ob sie zusammenpassen.

Bildungspartner müssen auch zusammen passen

Die Sorge um qualifizierten Nachwuchs für Drucker und Buchbinder war für das Lahrer Druckhaus Kaufmann eine Motivation mit dem Bildungszentrum eine Partnerschaft einzugehen. "Das diese traditionellen Berufen sich zu hochtechnisierten Arbeitsplätzen gewandelt haben, versetzt die Schüler oft in Erstaunen", erklärte Torsten Berger, Personalchef bei Kaufmann.

Auch das Bankgewerbe pflegt Partnerschaften, weil sich auch das Dienstleistungsgewerbe Geld und Kredit beim qualifizierten Nachwuchs in Konkurrenz zu anderen Branchen stehe, erklärte Martin Dages, Ausbildungschef bei der Volksbank Lahr. Die Volksbank hat eine Partnerschaft mit der Realschule der Heimschule.

BBQ

Die Berufliche Bildung gGmbH (BBQ) ist ein gemeinnütziger Bildungsträger und ein Tochterunternehmen des Bildungswerks der Baden-Württembergischen Wirtschaft. Ziel der BBQ ist es, junge Menschen und Arbeitssuchende in Ausbildung oder Beschäftigung zu bringen. Ein Modell hierzu sind die Bildungspartnerschaften als gezielte Berufsorientierung. Die BBQ bietet hier Knowhow und Hilfe beim Aufbau von Bildungspartnerschaften an. BBQ-Ansprechpartnerin: Regina Schaub, Hauptstraße 15, 77652 Offenburg, Tel. 0781/6392974, Email: rschaub@bbq-online.de  

Autor: fi

Autor: Klaus Fischer