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06. Mai 2010

Schnapsbrennerei

Elke Niemann: „Das ist das, was ich gesucht habe“

Elke Niemann übernahm die Brennerei ihres Vaters.

  1. Elke Niemann und ihr Vater Fridolin Zanger, sind ein eingespieltes Team, wenn es um Schnaps geht. Die 40-Jährige führt die elterliche Brennerei in Münchweier fort. Foto: Erika Sieberts

ETTENHEIM-MÜNCHWEIER. Aus der Großstadt Frankfurt zurück ins ländliche Münchweier. Die knapp 40-jährige Elke Niemann hat vor drei Jahren diesen Schritt getan, um die Schnapsbrennerei ihrer Eltern weiterzuführen. Mittlerweile hat sie sich mit ihren Edelbränden einen Namen gemacht.

Elke Niemann, die Tochter des 78-jährigen Küfermeisters und Schnapsbrenners Fridolin Zanger und seiner Frau Irene von der Talblick-Brennerei, hat sich vor drei Jahren mit ihrer Familie in Münchweier nieder gelassen. Mit knapp 40 Jahren ist die studierte Chemieingenieurin aus der Großstadt (sie wohnte zwei Jahre in Hamburg, zuletzt zwölf Jahre in Frankfurt am Main) zurückgekehrt ins heimische Münchweier und will hier ihre berufliche und auch persönliche Erfüllung finden. Erst kürzlich hat sie die Ausbildung zur staatlich geprüften Fachkraft für Brennereiwesen an der Fachschule für Landwirtschaft in Offenburg als Jahrgangsbeste abgelegt. Die Abschlussprüfung hat sie mit Auszeichnung bestanden.

"Ich habe mich entschieden, dass ich das Fachwissen meines Vaters, der 50 Jahre lang Erfahrung beim Schnapsbrennen gewonnen hat, nutzen und ausbauen möchte", sagt Elke Niemann, die mit ihrem Mann und die beiden Kinder, drei und sechs Jahre, jetzt ganz in der Nähe der Talblick-Brennerei der Eltern wohnen. Ihr Mann arbeitet weiterhin in der chemisch-keramischen Industrie und sie ist damit beschäftigt, ihre ganz persönliche Note als Brennerin zu finden. "Wenn ich etwas mache, dann richtig", sagt Elke Niemann.

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Gelernt hat sie den Umgang, den Geschmack, die Sorgfalt und die Liebe zum Beruf schon als Kind. "Sie war immer mit dabei, wenn wir Obst ernteten und neugierig, wenn wir brannten", sagt Vater Fridolin Zanger, der sich freut, dass die Brennerei nun in die dritte Generation übergeht. Die Eltern hatten durchaus Bedenken, dass ihre Tochter den gut dotierten Beruf an den Nagel hängt, um sich der nicht gerade leichten Arbeit auf dem Land zu widmen. "Ich war mir auch nicht hundert Prozent sicher und hätte meine Entscheidung wieder zurückdrehen können", sagt Niemann. "Aber heute weiß ich, dass es das ist, was ich gesucht habe: Leben in dieser so reichen Kulturlandschaft." Bei ihren Auslandsreisen habe sie sich immer gerne auch mit der Kultur und Tradition der jeweiligen Länder auseinander gesetzt. Mit der eigenen erst viel später.

Elke Niemann darf höchstens 600 Liter Schnaps im Jahr brennen

Zwei Brennrechte nutzt Elke Niemann, das ihres Vaters im Talblick und das ihrer Mutter von einem Haus unten im Dorf. So hat sie die Möglichkeit zwei Mal dreihundert Liter Schnaps zu brennen (siehe Infobox). Doch es kommt nicht auf die Menge an, sagt die Brennmeisterin. Qualität will sie liefern, den richtigen Moment treffen, wenn Obst und Maische reif zum Brennen sind. Der Brennkessel ist für Elke Nieman das nötige technische Gerät. Das meiste aber geschehe vorher. Einen ersten Erfolg haben Vater und Tochter bereits zu vermelden: Alle ihre fünf angestellten Brände werden bei der Offenburger Weinmesse prämiert. "Diese Nachricht haben wir bereits", sagt Elke Niemann, "jetzt ist noch spannend, ob es auch Gold gibt."

Die ehrgeizige Brennerin schaut auf die Tradition, aber sie will auch manches ändern: "Früher haben wir immer im Winter gebrannt", sagt ihr Vater. "Jetzt brennen wir auch im August, wenn Elke entscheidet, dass die Kirschen oder die Zwetschgen gerade richtig sind." Er habe nicht schlecht gestaunt, dass seine Tochter das Obst am liebsten selber pflückt, nur die reifen Früchte vom Baum nimmt und dann noch die Stiele per Hand abmacht, um den Geschmack möglichst rein zu halten. "Da steckt viel Arbeit drin, wofür die Landwirte früher keine Zeit gehabt haben." Elke Niemann weiß, dass sie Schnaps brennt, der nicht den selben Markt haben wird wie der ihres Vaters. "Ich will mich aber langsam rantasten. "Und noch viel lernen und ausprobieren, bevor ich in die Vermarktung gehe."

Für den Verkauf sind deshalb nach wie vor ihre Eltern zuständig. Ihr Vater sei unschlagbar bei der Sensorik, und wenn das gewisse Händchen gefragt ist, den Charakter seiner Produkte zu bestimmen. Vater und Tochter arbeiten eng zusammen, testen alte Sorten, pflegen und hegen das, was sie seit vielen Jahrzehnten kennen. Und sie füllen ihre Brände in jeweils eigene Flaschen, um sie später gegeneinander zu verkosten. "Es klappt gut", sagen beide mit einem stolzen Lächeln. "Schon seit drei Jahren, und so wollen wir weiter machen."

BRENNRECHT

Das Brennrecht ist verbunden mit dem Grundbesitz und kann nur eigentumsgebunden auf die nachfolgenden Generationen übertragen werden. Ein Brennrecht gilt jeweils für 300 Liter reinen Alkohol pro Jahr. Allerdings dürfen in n zehn Jahren insgesamt 3000 Liter gebrannt werden, um schwache Jahre mit guten Jahren ausgleichen zu können. Für dieses Brennrecht muss der Brenner jedoch auch einen Bestand an Obstbäumen nachweisen: 1,5 Hektar Obstflächen sind dafür nötig.

Weitere Informationen unter http://www.kleinbrenner-baden.de
 

Autor: bz

Autor: Erika Sieberts