Fingierte Wunder auf der KKW-Bühne

Bertold Obergföll

Von Bertold Obergföll

Di, 11. April 2017

Ettenheim

Mental-Magie in Ettenheim: Wolfgang Moser, Vizeweltmeister der Zauberei, zeigt im KKW-Keller seine "Fingierten Wunder" .

ETTENHEIM. Es sind die jahrelangen guten Beziehungen zu Perkeo alias Reinhard Tröstler, die am vergangenen Wochenende Hochkaräter der Mentalmagie und deren "Zauberschüler und Zauberschülerinnen" aus Basel, dem Vinschgau oder aus Freiburg nach Ettenheim geführt haben. Am Freitag hat Jan Forster sein neues Programm "Mit allen Sinnen – (k)ein mentaler Unfug" präsentiert, am Samstag hat Wolfgang Moser auf der KKW-Bühne seine "Fingierten Wunder" gezeigt.

Für Wolfgang Moser, österreichischer Staatsmeister und amtierender Vizeweltmeister, ist Zauberei wie Blutwurst – man wisse als Zuschauer lieber nicht, wie sie gemacht wird. Dabei zeigt er seine angenehme Art, feinfühlig mit dem Publikum umzugehen. Niemand wird blamiert. Wer von ihm auf die Bühne gebeten wird, verlässt sie als Held. So geschieht es gleich zu Beginn seiner kleinen Show mit der "unglaublichen Rosa". In ihrem vom Meister produzierten Trick werden Karten gemischt, bevor die "Kreuz 8" sich auf geheimnisvolle Art in einem verschlossenen Umschlag wiederfindet und sich das ganze Kartenspiel auf rätselhafte Weise in Papierschnipsel auflöst. In der Zauberei sei der Moment das Kunstwerk, so umschreibt Moser seine Profession, er fühle sich dann völlig glücklich, wenn der Zuschauer gar nicht wissen will, wie der Trick funktioniert, sondern ganz in der Magie des geheimnisvollen Geschehens aufgeht.

So kommt man aus der Faszination nicht mehr heraus, als er seinen "Magischen Teekessel" vorführt. Aus einer anfangs leeren, von einer Zuschauerin kritisch inspizierten Teekanne, schenkt er scheinbar reinen Wein aus, je nach Belieben in Form von Weißwein, Rotwein, Bier, Pina Colada, Kaffee, schließlich Zucker ohne Ende. Für die Testpersonen handelt es sich nach Farbe, Geruch und Geschmack um das jeweils originale Getränk. "Nehmet und trinket davon", so dessen Ermunterung in seiner bewussten Parodie auf das biblische Hochzeitswunder zu Kana.

Moser ist der Stolz auf seine preisgekrönte Leistung anzumerken. Dabei sei alles ganz leicht und unspektakulär zu erlernen, einfach früh im Leben anfangen und 13 bis 14 Stunden täglich üben. Man will es ihm gerne abnehmen, so spielerisch leicht sehen seine Fingerwunder aus. Dennoch gelingt es aber selbst den Teilnehmern seines dreitägigen Seminars nicht, seine Tricks zu durchschauen oder gar nachzuvollziehen.

"Zauberer sind die ehrlichsten Menschen auf der Welt"

Viele sind vom Augenblick aber auch so tief berührt, dass ihnen eine Analyse gar nicht wünschenswert scheint. Moser lässt zur Demonstration eine Münze über seine Fingerkuppen wandern, das Publikum kann ihm im Selbstversuch dabei noch folgen. Als aber gleichzeitig vier Münzen durch seine magischen Finger gleiten, purzeln die Münzen der Zuschauer reihenweise zu Boden.

Wo beginnt und wo endet seine Zauberei? Ungläubiges Erstaunen herrscht im Publikum darüber, wie Wolfgang Moser einen Schlüssel durch einen viel zu engen Flaschenhals passieren lassen kann, wie ein Stück Papier zu einem Zehn-Euro-Schein mutiert und die jugendliche Testperson über Nacht dank seiner Eltern an Wunder glauben lässt oder wie mit Hilfe einer Glühlampe als Detektor Lügen aufgedeckt werden können. Könnte das nicht auch ein Mittel sein, die von gesellschaftlichen Gruppen behauptete "Lügenpresse" selbst als postfaktisch zu entlarven? Die Frage bleibt unbeantwortet, so weit geht Moser nicht. Für ihn sind "Zauberer die ehrlichsten Menschen auf der Welt", sie stünden immerhin zu ihren "Lügen". Der normale Mensch dagegen behaupte, immer die Wahrheit zu sagen – und würde im Laufe eines Tages doch x-mal schwindeln.

Wolfgang Moser bleibt in seiner Profession, verrät und lehrt allen Anwesenden den Trick, mit dem heimkehrende Zuschauer ihre Familie mit einer Rechenformel beeindrucken können oder verblüfft einen Herrn mit einem geradezu klassischen Zaubertrick. Dessen Handy verschwindet vor seinen entgeisterten, kritischen Augen; seine tiefe Erleichterung ist ihm allerdings auch anzumerken, als sein Besitz in einer mehrfach verpackten Geschenkkiste doch wieder auftaucht.

Ungeheure, abenteuerliche Fingerfertigkeit auch bei Mosers Fähigkeit, mit 43 Quintillionen Drehmöglichkeiten des Rubik-Würfels umzugehen, dabei noch einhändig und ohne ihn zu sehen. Scheinbar der pure Wahnsinn, das alles bei hellem Licht. Nichts wird weggeblendet wie im Film. Das Live-Erlebnis der Magie ist für den Künstler wie für die Zuschauer und Teilnehmer des von Reinhard Tröstler letztmalig organisierten Treffens der "Magischen Zirkel" von bleibendem Erinnerungswert an Unglaubliches und Zauberhaftes. Staccato-Beifall am Ende.