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23. Mai 2009
Gut bekömmlich: Menü und Kabarett
Spitzen gegen "Stuttgart 21" zu Maultaschen und Zwiebelrostbraten.
ETTENHEIM. Das ist ein gutes Rezept: Ein Drei-Gänge-Menü und dazwischen Kabarett mit Klaus Birk. So lässt sich ein Sonntagabend gepflegt verbringen – die fantastische Kulisse der Ettenheimer Altstadt gibt’s noch gratis dazu.
Gutes Essen beginnt mit Einfachheit. Maultaschen an warmem Kartoffelsalat als Vorspeise. So was kann auch ein Laie am heimischen Herd nachproduzieren, wenn gewiss auch nicht in der Qualität, wie es aus der Küche von Alexander Baral kommt. Wer wollte, konnte die milde Säure des Kartoffelsalats als Vorgriff auf den Auftritt Klaus Birks nehmen. Der hat, bevor er auf die Bühne ging, penibel und zutreffend beobachtet. Er nimmt sich der Alltagsverrücktheiten an, riskiert auch Missgriffe, weil er gern mit Klischees spielt. Die geschickt aufgebaute Übertreibung à la "nur wer in meinem Ort wohnt, ist schlau, je weiter einer weg wohnt, um so blöder muss er sein" ist eines seiner Stilmittel. Und Birk erntet Lacher, weil er Gags präzise plant – immer mal wieder werden Pointen aufgespart, drei Minuten später aufgefrischt, erneuert. Ob allerdings politisch unkorrekte Witze wirklich zum Repertoire eines solchen Abends gehören müssen, ist fraglich. Dass die "Adoption" Österreichs schon einmal "in die Hose gegangen" sei, ist – vorsichtig ausgedrückt – ein ziemlich missglückter Spaß; wie auch das Klischee, homosexuell orientierte Männer hätten einen besonders guten Geschmack, was Kleidung betrifft, daneben geht. Auch die Behauptung, Mecklenburger kämen mit ans Knie getackerten Mundwinkeln auf die Welt, muss niemand auf Dauer witzig finden.
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Dafür sind Birks politische Spitzen nicht übel, wenn auch nicht immer wahnsinnig aktuell. Günther Oettinger wird bei ihm zum Hohensteiner Kasper. Hübsch ist, wie Birk das Werden eines Trump-Towers in Stuttgart nachzeichnete; er kritisiert, wenn auch nicht in allem zutreffend, das Milliarden-Prestigeprojekt "Stuttgart 21". In der Pause dann der Hauptgang: Ein zarter, schwäbischer Zwiebelrostbraten mit Spätzle und Salat. Das Menü komplettierten einheimische Weine.
Dass heutzutage kein Kabarettabend ohne "Krise" als Thema auskommt, ist klar. Birk packt sie in einen Dialog mit Herbert, der nicht weiß, was er mit der Million machen soll, die er jetzt mehr als ein anderer hat. Das legt wunderbar bloß, auf welch fiktiven Füßen unsere Wirtschaft steht. Genau gesehen – und mit den entsprechenden Reaktionen im Publikum bedacht – auch die Unterschiede zwischen Klischeefrauen und -männern, was das Einkaufsverhalten im Kleidergeschäft angeht. Auf die Idee, Hilfsorganisationen seien nur gegründet worden, um nicht passende und ungetragene Männerhosen aus den heimischen Schränken wieder herauszubekommen, muss man erst mal kommen. Schön gebaut auch die Geschichte von einem Paar, in der ein Krach regelrecht inszeniert wird, weil der Mann natürlich vergessen hat, dass er mit der Frau zu einer Eröffnung gehen wollte.
Begeisterter Beifall und eine Zugabe, die die Geschichte von Adam und Eva nett abwandelt (statt Eva erschafft Gott erst mal einen Hund zum Spazierengehen). So wie das Vanilleparfait zum Dessert war dieser Abend: Gelungen, heiter und angenehm.
Autor: Frank Berno Timm
