Häuslebauer können jetzt loslegen

Klaus Fischer

Von Klaus Fischer

Do, 17. April 2014

Ettenheim

Erweiterung vom Baugebiet Fürstenfeld West ist abgeschlossen / 47 Bauplätze wurden geschaffen und sind allesamt verkauft.

ETTENHEIM. Noch haben nicht alle Lkws und Bagger der Kippenheimer Baufirma Trenkle das Baugebiet Fürstenfeld geräumt, hie und da müssen noch Gruben verfüllt, letzte Geländeverschiebungen vollzogen werden. Aber die künftigen Bauherren am westlichen Stadteingang durften am Dienstag schon einmal

gemeinsam auf ihr neues Viertel anstoßen. Ein bisschen war’s wie bei einer Gartenparty, als Bürgermeister Bruno Metz die Erschließung der drei Hektar großen Fläche für abgeschlossen erklärte und das Terrain freigab für die überwiegend junge Bauherrschaft, die dort ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen will.

Fürstenfeld-West sei das jüngste und vorerst wohl auch das letzte Baugebiet dieser Größenordnung, das die Stadt ganz gezielt für die Ansprüche junger Familien ausweist, erklärte der Bürgermeister vor gut zwei Dutzend künftiger Bauherrinnen und Bauherren dem Gebiet. Mit dem Baugebiet, das im Westen bis an den Marbachgraben heranreicht, habe die Stadt versucht, vorrangig jene Interessenten zu bedienen, die dort ein Haus bauen wollten, wo sie ihre familiären Wurzeln haben. Zugleich biete das Quartier gerade für junge Familien eine gute Infrastruktur. "Etwa 75 Prozent der Menschen, die hier ein Haus bauen oder ein Appartement in einem Mehrfamilienhaus kaufen, kommen aus Ettenheim oder haben ihre Familien hier. Alle Baugrundstücke sind inzwischen verkauft", sagte Metz. Das gilt etwa für ein junges Paar, das derzeit noch in Lahr-Sulz lebt, das aber seine familiären Wurzeln in Altdorf hat, in Altdorfer und Ettenheimer Vereinen aktiv ist und im Fürstenfeld bauen wird. "Wir haben hier eine hervorragende Infrastruktur, Supermarkt, Kindergarten und Schule sind gleich nebenan. Und auch der Preis ging in Ordnung", erklärte das Paar.

Für einen Preis zwischen 185 und 195 Euro pro Quadratmeter erschlossenem Bauland habe die Stadt die städtischen Bauplätze verkauft, erklärte Markus Schoor aus dem Bauamt. Mehr als drei Millionen Euro hat die Stadt letztlich die Erschließung des Quartiers gekostet, das über den Erschließungsträger Kommunalkonzept Rüdiger Kunst abgewickelt und vom Büro Zink in Lauf geplant worden war.

Das ist deutlich mehr als ursprünglich kalkuliert. Ein Grund: Die archäologischen Grabungen, die im vergangenen Jahr nicht nur für Aufsehen unter den Forschern gesorgt, sondern auch zu deutlichen Verzögerungen bei der Erschließung geführt hatten. "Der 6. Dezember 2012 wird mir in Erinnerung bleiben. Es war der Tag, an dem das Landesdenkmalamt nach den üblichen Stichprobenuntersuchungen die Stopptaste drückte und uns eröffnet wurde, dass im Gebiet archäologisch wertvolle Zeugnisse vermutet werden und deshalb großflächige Untersuchungen notwendig würden", sagte Metz.

Diese Funde gab es dann auch und sie wurden in der Welt der Archäologen als "sensationell" eingestuft: die Grabstätten mit gut erhaltenen Skeletten aus dem dritten Jahrtausend vor Christus im Südzipfel des Baugebiets und die Reste einer Siedlung ein paar hundert Meter weiter nördlich. Dort haben Menschen in der Zeit um 1200 bis 700 vor Christus in dörflicher Struktur gesiedelt. "Das Grundgerüst bestand aus Holzbalken, die Wände aus Weidengeflecht und der Verputz aus Lehm. Mir gefällt der Gedanke, dass hier schon vor so langer Zeit eine Siedlung bestand und dass jetzt an derselben Stelle wieder Menschen wohnen werden", wird die Ausgrabungsleiterin Jutta Klug-Treppe in einer Pressemitteilung der Stadt zitiert.

Auch wenn sich die Stadt über das große Interesse der Archäologen durchaus freute, es bedeutete für die Erschließung über die Zeitverzögerung hinaus noch zusätzliche Kosten. Denn 80 Prozent der Kosten für die archäologische Untersuchung musste die Stadt zahlen, 20 Prozent schoss das Land zu. Um rund 300 000 Euro (Kostenanteil der Stadt) verteuerte sich so das Projekt – Kosten, die nicht an die Grundstückskäufer weitergegeben wurden, sondern den Erlös der Verkäufe schmälerte.

Metz betonte bei der Übergabe auch, dass im Zusammenhang mit der Erschließung der Marbach-Graben, der die Westgrenze des Areals bildet, eine ökologische Aufwertung erhalten habe. Der ursprünglich verdolte Graben wurde als Bachlauf neu gestaltet und naturnah bepflanzt.