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31. Januar 2012
Improvisieren muss geübt werden
Acht junge Talente nehmen am Soul-Workshop der Kölner Band Chipicau teil / Morgen Auftritt im Schlachthof in Lahr.
ETTENHEIM. Die Sängerin Johanna Melder (23) hat am Wochenende den Soul in ihre Heimatstadt gebracht. Nach dem Auftritt ihrer Kölner Soul Band Chipicau am Freitagabend im rappelvollen Altdorfer Rockcafé (siehe Bericht auf der Seite "Kultur in der Ortenau" in der Montag-Ausgabe), organisierten die Leadsängerin und ihre Musiker in der Ettenheimer Heimschule St. Landolin den Bandworkshop "I got Soul". Acht junge Talente waren gekommen und machten in den zwei Tagen so große Fortschritte, dass die Chipicaus sie spontan als Vorband für ihr Konzert am Mittwoch im Lahrer Schlachthof engagiert haben.
Leon Preßler (15) schichtet mit seinem Altsaxophon in regelmäßigen Vierteln die Töne eines E-Dur-Akkords übereinander. "Jetzt kannst Du mal varieren", sagt Max Mille (24) und bläst in sein Saxophon. Heraus kommt auch E-Dur, aber die Reihenfolge der Töne ist eine andere und statt in Vierteln lässt Mille die Töne in einem swingenden Rhythmus gleiten. Leon nimmt die Tonfolge auf und gemeinsam entwickeln sie eine Melodie, sodass die Füße der Umstehenden wippen und ihre Finger schnippen wollen.Werbung
Improvisation heißt dieses scheinbar freie Spiel, das der Chipicau-Saxophonist und angehende Musikpädagoge Max dem Workshopteilnehmer Leon vermittelt. Denn obwohl es dabei viele kreative Freiheiten gibt, an einige Grundsätze muss man sich schon halten, damit es im Zusammenspiel mit anderen Musikern harmoniert. Und um das Zusammenspiel geht es schließlich beim Bandworkshop. "Einfach das Musikmachen in der Gruppe", sagt Leon, "das hat mich auch gereizt hier mitzumachen". Zwar ist Leon Mitglied in der Musikkapelle Kappel und hat einen Privatlehrer, der auch gerne Soul oder Funk spielt und obendrein mit ihm die Kunst der Improvisation übt – aber das in einer Band und zusammen mit den Routiniers der Chipicaus auszuprobieren, das ist schon eine tolle Sache, so Leon. Zu Soul- und Funktiteln erhält der Musiker meist keine Noten, sondern nur eine Akkordefolge. Wie er diese ausgestaltet, das ist seine Sache beziehungsweise eine Sache der Interpretation. Das gilt für den Saxophonisten ebenso wie für den Trompeter, den Bassisten oder den Gitarristen. Was passt oder was nicht passt und wie man das herausfindet, das üben die acht Workshopteilnehmer am ersten Nachmittag mit den Bandmitgliedern in kleinen Gruppen. Auch Sängerinnen müssen das üben. Drei junge Talente sind zum Workshop gekommen. Die Kippenheimerin Suria Veit (15) hat sogar gleich ein selbst komponiertes Lied mitgebracht: "Sweet Friend" gefiel Workshopleiterin Johanna Melder und den anderen Teilnehmern spontan so gut, dass sie beschlossen, auch diesen Titel gemeinsam einzustudieren. Darüber hinaus beschäftigen sie sich mit Klassikern der Soul- und Funkmusik wie "Chain of fools" oder "Hit the Road Jack".
Phrasierungen, mehrstimmiger Gesang, es gibt viele Details, an denen sich da für einen Sänger feilen lässt und Melder und ihre Schülerinnen feilen stundenlang. "Wenn man merkt, dass auch anderen die eigene Musik gefällt und alle mitmachen, das ist schon cool", sagt Suria. Sie schreibt öfters eigene Titel und hat als Sängerin bereits erste Auftritte absolviert, beispielsweise auf dem Free Stage Festival in Freiburg oder mit dem Heimschul-Chor "Move your voice". Aber zu erleben, wie eine ganze Band ihren Titel erarbeitet, sie und die anderen Sängerinnen an Nuancen arbeiten, am Schlagzeug ein Rhythmus entwickelt wird und Leon gemeinsam mit Max am Saxophon eine Begleitmelodie dazubringt, das sei schon faszinierend, sagt Suria.
Es gelingt den Workshopteilnehmern neben Surias ruhiger Soulnummer weitere Titel einzustudieren, die bei einem kleinen Abschlusskonzert am Sonntagabend Freunde und Verwandte begeistern. Besonders begeistert ist Johanna Melder. Sie werde viel aus den beiden Tagen mitnehmen, auch für ihre künftige pädagogische Arbeit, sagt die Sängerin, die einst selbst die Heimschule besuchte und inzwischen wie die meisten ihrer Bandkollegen in Köln Musikpädagogik studiert. "Es waren alles sehr talentierte Teilnehmer", sagt Melder, das habe sie schon ein wenig überrascht.
Sie schätzt sie so stark ein, dass sie und und die anderen Chipicaus spontan entscheiden, dass die Workshopteilnehmer ihr Programm nochmals vor großem Publikum präsentieren dürfen – sozusagen als Vorband der Chipicaus bei deren Konzert im Lahrer Schachthof morgen, Mittwoch, um 20.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Autor: Stefan Merkle


