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16. April 2012 14:31 Uhr

Ermittlungen

Kampfhundearena und Drogenlabor in Ettenheim-Altdorf entdeckt

In der Ortenau hat die Polizei eine grausige Entdeckung gemacht: eine professionell eingerichtete Kampfarena für Hunde. Dort wurden wohl Tiere vor Zuschauern aufeinandergehetzt. Unter demselben Dach befand sich ein Drogenlabor. Der Betreiber ist auf der Flucht.

  1. Blutiges Hobby: In dieser Arena verbissen sich Kampfhunde – offenbar vor den Augen von Zuschauern. Links ein Laufband, auf dem die Pitbulls ihre Kondition trainieren mussten. Foto: Polizei

  2. Die Marihuana-Plantage im Keller des Anwesens vor den Toren Ettenheims. Foto: Polizei

Die Kriminalpolizei Offenburg ermittelt gegen einen 50 Jahre alten Mann aus einer Offenburger Umlandgemeinde, der im Ettenheimer Stadtteil Altdorf Kämpfe mit Kampfhunden veranstaltet haben soll. Und damit nicht genug: Auf demselben Gelände befand sich eine Drogenfabrik. Der Bewohner ist auf der Flucht.

Ausgelöst wurde die Polizeiaktion durch Hinweise auf unerlaubte Kampfhundehaltung im Raum Ettenheim; diese waren so konkret, dass das zuständige Gericht einen Durchsuchungsbeschluss erließ. Wie erst jetzt bekannt geworden ist, waren bereits am 28. März Beamten zur Durchsuchung des Anwesens ausgerückt, das aus einer Lagerhalle und einem Wohnhaus besteht. Bereits auf dem abgeschirmten Gartengelände entdeckten sie drei Pitbull-Terrier, die mit dicken Ketten an Bäumen gehalten wurden.

Kampfzone mit blutgetränktem Teppich

Dabei handelte es sich aber lediglich um die Spitze des Eisberges: Wie es in einer gemeinsamen Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Freiburg, der Polizeidirektion Offenburg und des Landratsamtes Offenburg heißt, stießen die Beamten im Keller des Anwesens auf eine Kampfarena, eine sogenannte "Pit" aus vier Holzbrettern, je fünf Meter lang und knapp einem Meter hoch – eine quadratischen Kampfzone mit einem blutgetränkten Teppich.

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In den Nebenräumen entdeckten die Ermittler eine ganze Reihe von Utensilien, die für die Professionalität des illegalen Treibens sprachen: Notfallmedizin zur Behandlung verletzter Hunde, ein Bolzenschussapparat zur Tötung sterbender Tiere und Gerätschaften, die der Vorbereitung der Hunde auf ihre Kämpfe dienten. Zudem fanden sich Laufbänder, sogenannte Tretmühlen, mit denen die Ausdauer der Tiere trainiert worden ist.

Für scharfe Kampfhunde zahlen Liebhaber fünfstellige Beträge

Die reichlich vorhandenen alkoholischen Getränke und mehrere Bierzeltgarnituren deuteten darauf hin, dass den Aktivitäten auf dem Grundstück viele Zuschauer und weitere Akteure beigewohnt haben. Die Dimension des blutigen Treibens sind indes noch unklar; die Nachforschungen laufen.

Die Polizei sucht auch nach Gästen dieser Veranstaltungen. Polizeisprecher Hans Peter Huber ist überzeugt: "Die gesamte Einrichtung hat einen erheblichen Wert, das investiert niemand, der nicht auch Einnahmen erzielen will." In den USA sind bei solchen Hundekampfabenden Einsätze von bis zu einer halben Million Dollar im Spiel. Nicht ausgeschlossen ist aber auch, dass hier Hunde für den Kampf ausgebildet wurden. Für scharfe Kampfhunde zahlen Liebhaber fünfstellige Beträge.

Gleichzeitig wird wegen Drogenkriminalität ermittelt: Im Untergeschoss der Lagerhalle stießen die Beamten bei ihrer Durchsuchung auf eine professionelle Marihuana-Plantage. Und auch die hatte beachtliche Ausmaße: 450 Pflanzen wuchsen in verschiedenen Räumen.

Die Ermittler fanden alles vor, was für den erfolgreichen Betrieb einer solchen Anlage gebraucht wird: Pflanzenerde, spezielle Düngemittel, eine Dünge- und Bewässerungsanlage. Besonders die technische Seite der Anlage hatte es in sich. Hier reichte die Ausstattung vom großen Diesel-Stromaggregat über eine elektrische Anlage mit 38 Trafos, Sicherungsautomaten, Zeitschaltuhren, den zughörigen Pflanzenlampen und Lüftern bis hin zu den für die Ernte und die Verarbeitung erforderlichen Utensilien. Beschlagnahmt wurde neben der eigentlichen Anlage auch die aktuelle Ernte: rund drei Kilogramm Marihuana.

Elf Pitbull-Terrier wurden dem Tierheim anvertraut

Wie die Polizei mitteilte, war das fahrbare Stromaggregat im September 2010 auf einer Baustelle in Offenburg entwendet worden, der Hausstromanschluss vor dem Zähler angezapft. Wenn die Anlage in Betrieb war, hatte sie einen Stromverbrauch von mehr als 15 Kilowattstunden.

Der Umfang des Betriebes war insgesamt so üppig, dass die Polizei mit Lastwagen anrücken musste, um die beschlagnahmte Kampfarena und die Drogenfabrik abzutransportieren. Die Hunde, insgesamt elf Pitbull-Terrier, wurden den umliegenden Tierheimen anvertraut. Drei der Hunde wurden auf dem Areal entdeckt, acht Hunde fanden die Beamten in der Wohnung des Besitzers in der Nähe von Offenburg.

Der 50-Jährige ist seit der Durchsuchung der Polizei, bei der auch Vertreter der Stadt Ettenheim und des Veterinäramtes des Landratsamtes Ortenaukreis beteiligt waren, auf der Flucht. Gegen ihn wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft Freiburg Haftbefehl erlassen. Die Ermittlungen nach dem Aufenthaltsort des Mannes laufen auf Hochtouren.

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Autor: ch/kh/fs, aktualisiert am Dienstag um 8.30 Uhr