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05. Dezember 2012

Mit Zeitmaschine und Pass

"Vetterliswirtschaft" krönte die phantastische Reihe zum Jahr der Kirchenmusik 2012.

  1. Auf eine musikalische Welt- und Zeitreise nahm „Vetterliswirtchaft“ ide Zuhörer mit. Foto: sandra decoux-kone

ETTENHEIM. Mit Superlativen soll man sparsam umgehen. Dennoch war das Adventskonzerts "Es ist ein Schnee gefallen" der Vetterliswirtschaft die absolute Krönung in der phantastischen Reihe zum Jahr der Kirchenmusik 2012. Die Evangelische Christuskirche war bis zum letzten Platz besetzt und die großzügigen Spenden am Ausgang kamen wie immer der Orgel zugute.

Die fünf Musiker aus Ettenheim und Herbolzheim sind mittlerweile mit ihrem Volksmusikrepertoire keine Unbekannten in der Region mehr. Andrea Frey-Melder (Gesang, Blockflöte, Querflöte), Franz Schwörer (Gesang, Drehleier, Nyckelharpa), Sybille Hassler (Gesang, Blockflöte, Klarinette), Adelbert Hassler (Gitarre) und Klaus-Peter Maier (Kontrabass) hatten ein Programm zusammengestellt, für das man Zeitmaschine und Reisepass brauchte. Kurzweilig ging es vom Mittelalter über die Aufklärung in die Gegenwart und von Ettenheim nach Bolivien, Katalonien, Österreich, Japan, Russland und in die Highlands. Dabei schaffte es das Quintett mühelos, dass sich das Publikum trotz weiter Reise immer wie daheim fühlte, denn Moderation sowie Texte waren auf Alemannisch, Mittel- und Neuhochdeutsch.

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Das musikalische Repertoire reichte vom geistlichen Volkslied "Maria durch den Dornwald ging" über die Hirtenweise "Als ich bei meinen Schafen wacht" von Carl Orff bis hin zu Schuberts "Der Leiermann". Aber auch Freunde der Lyrik kamen nicht zu kurz: "Welkes Blatt" von Hermann Hesse und das moderne Gedicht "Die Amsel" gab es im Stil einer Lesung mit Instrumentalhintergrund.

Franz Schwörer brachte einige Haikus (japanische Kurzgedichte) in alemannischer Bearbeitung von Wendelinus Wurth und zeigte, wie viel Verbalerotik in dem mundartlich gehauchten Wort "Froschdfiligranwerk" stecken kann. Außerdem entführte er mit "Loibere risen" von Minnesänger Wizlaw von Rügen auf Mittelhochdeutsch an den Welfenhof.

Die abwechslungsreichen Lieder trafen jeden Geschmack: "Ach bittrer Winter" war traurig und dunkel, "Alle Welt springe und lobsinge" mitreißend und vergnügt und "Es ist ein Schnee gefallen" hell und zuversichtlich. In einem Moment standen die Zuhörer in einem russischen Kinderzimmer ("Russisches Wiegenlied"), im nächsten auf einer österreichischen Schafweide ("Grünet Felder"), in den schottischen Highlands ("Madeleine") oder in einer spanischen Flamencoschule ("Katalanischer Weihnachtstanz").

Beendet wurde das mannigfaltige Konzert mit dem bolivianischen Weihnachtslied "Der blaue Vogel", bei dem sich das Publikum mit diversen Rhythmusinstrumenten rege beteiligte. Die indianischen Okarinaklänge und der pferdehufengleiche Rhythmusteppich bildeten ein lateinamerikanisches Konglomerat, bei dem man an Winnetou-Filme und Western dachte.

Mit der Zugabe "In Müeders Stübele" verabschiedete Vetterliswirtschaft die begeisterten Zuhörer.

Autor: Isabelle Konnegen