Mix aus Country, Folk und Bluegrass

Erika Sieberts

Von Erika Sieberts

Sa, 17. Juni 2017

Ettenheim

Die Ettenheimer Band Out of the Box vermittelt mit ihrer Musik ein Gefühl von Urwüchsigkeit und Naturromantik.

ETTENHEIM. "Folk and Americana from the Black Forest", so beschreibt sich die String-Band mit drei Mitgliedern aus Ettenheim, ein Mitglied kommt aus Nordrach. Englisch, oder besser Amerikanisch ist im Spiel, nicht nur beim Namen, auch bei den Songtexten und der Musikrichtung. Unter "Americana" wird vereint, was aus Country, Folk und Bluegrass entstanden ist: ein musikalisch ausgedrücktes Gefühl von Urwüchsigkeit, Naturromantik und dem Wunsch mitzuteilen, was das Leben ausmacht. Das ist Out of the Box.

Sie sind seit zwei Jahren ein Saitenquartett: Conni Schwab (Geige), Patrick Berg (Mandoline, Dobro, Banjo, Texte und Gesang), Thomas Brossmer (Gitarre) und Tobias Hölscher (Kontrabass). Gefunden haben sich die drei Ettenheimer durch Zufälle in einer Kleinstadt: Alle sind Lehrer und haben Familie und kleine Kinder. Den Vierten im Bunde haben sie über Ebay an Land gezogen. Conni Schwab lacht: "Ich habe als junge Mutter einiges für meine Kinder über die Plattform gekauft, und da haben wir aus Spaß ,Kontrabassist’ eingegeben und sind auf Tobias gestoßen. Und es hat gepasst."

"Die Texte kommen auf

Englisch besser rüber, und das Publikum ist

natürlich viel größer."

Patrick Berg
Seitdem pendelt Tobias Hölscher einmal pro Woche von Nordrach nach Ettenheim zur Probe. Den Wunsch, Folkmusik zu machen, teilten alle, und alle hatten eine solide Instrumentenausbildung. Nach einer kurzen Phase mit Coversongs entdeckten die Musiker die Singer-Songwriter-Kompetenz von Patrick Berg neu. "Ich habe früher das eine oder andere Lied selbst geschrieben, aber das ist eingeschlafen. Erst mit Out of the Box habe ich wieder angefangen, zu texten und seitdem sprudelt es", sagt der Musiker. Die Vier wissen, was sie wollen: Weg von Hutkonzerten, hin zu Auftritten mit Eintritt, gerne in Locations im Raum Karlsruhe, sagen sie. Die Region um Ettenheim haben sie bereits bespielt: In Offenburg, Zell am Harmersbach, Lahr, Ettenheim und in Emmendingen standen sie schon auf der Bühne. Im Internet sind sie gut vertreten (Webseite, Facebook, Soundcloud), und sie haben bereits ein Label für ihre ersten CDs – kurz: Die Band will mehr.

Nach anfänglichen Versuchen, Lieder auf Deutsch zu schreiben, habe man die Sprache gewechselt, sagt Patrick Berg. "Die Texte kommen auf Englisch besser rüber, und das Publikum ist natürlich viel größer." Mit ihrer Bewerbung für den baden-württembergischen Kleinkunstpreis zeigen die Vier, dass sie sich ihrer Stärken bewusst sind. Erst kürzlich habe eine Radiostation irgendwo in den USA eine halbe Stunde lang Out of the Box-Songs gebracht, und aufmunternde Kommentare aus dem Ausland seien wie das Salz in der Suppe. Der Schwarzwald vermarkte sich als Black Forest eben viel besser, ist die Band überzeugt.

Landschaftlich ist der Vergleich nicht abwegig, der Schwarzwald und die Blue Ridge Mountains in West Virginia, die John Denver schon besang, bringen kernige Menschen hervor. Der derzeitige Heimat-Hype befördert die Sehnsucht nach Gutem und Eigenem. Selbstgebrautes Bier und handgemachter Whiskey sind nicht nur in den ländlichen Gebieten jenseits der amerikanischen Ostküste Markenzeichen eigenständigen Lebens. Auch im Schwarzwald und an dessen Rand arbeitet man am Image.

Wer in die Nummern im Netz reinhört, stellt fest: Sauberes Spiel, innige Texte, gute Stimme(n) – die Band singt bei den Refrains mit. Vielleicht täte den Musikern ein kräftiger Schluck von besagten Brauereien gut, damit der Sound etwas lässiger wird. Aber das werden die Live-Auftritte schon besorgen. Davon gibt es demnächst einige: Out of the Box treten am 23. Juni im Schlosskeller in Emmendingen auf und am 22. Juli beim Stadtfest in Lahr. Danach ist erst einmal Pause, ganz nach dem Motto, der vier Musiker, die alle Kinder haben: Familie zuerst – das haben sie sich versprochen.