Musiksommer kommt im Frühling

Klaus Fischer

Von Klaus Fischer

Sa, 14. April 2018

Ettenheim

Musikfreunde Ettenheim stellen Programm "Raritäten" vor / Erstes Konzert bereits am 2. Mai in der Kunsthalle Altdorf.

ETTENHEIM. Ja ist denn schon wieder Sommer – Musiksommer? Ja, und in diesem Jahr kommt er deutlich früher als gewohnt, nämlich mitten im Frühling, im Wonnemonat Mai. Und das ist nicht das einzige Besondere an dieser zwölften Auflage der Klassik-Konzertreihe der Musikfreunde Ettenheim. "Raritäten" ist das diesjährige Motto. Und das Motto ist Programm, denn es stehen selten gespielte Werke auf ebenso selten gespielten Instrumenten oder in seltenen Begleitungen an. Und nicht alltäglich ist auch, dass Komponisten eigens zum Konzert anreisen, um zu hören, wie ihr Werk interpretiert wird.

Letzteres gilt für das Auftaktkonzert am – aufgepasst – am 2. Mai in der Kunsthalle in Altdorf. Urte Lucht wird mit Markus Märkl am Cembalo zwischen Avantgarde und Barock "hin und her springen". In der Einschätzung der Ettenheimer Cembalistin Urte Lucht, nebenbei Mitglied im musikalischen Beirat der Musikfreunde und bei der Zusammenstellung dieses Musiksommers federführend, ist es schon eine Rarität, dass ein Konzert zwei Cembali gespielt wird. Und es spricht überdies für die Qualität der Künstler und die Kontakte in die Klassikszene, dass mit dem in Hamburg lebenden Israeli Erhan Sandri der Komponist der das Konzert tragenden Stücke sein Kommen angekündigt.

Auch die Berlinerin Xenia Löffler wird im Konzert zwei eine Rarität vorstellen: die Barockoboe. In Ettenheim wird dieses Instrument, das aus der Schalmei im 17. Jahrhundert entwickelt wurde, zum ersten Mal zu hören sein.

Aus dem Rahmen fällt auch Franz Schüssele. Der Multiinstrumentalist aus Friesenheim, in der Region aus der Gälfiäßler-Besetzung und als Alphornsolist bekannt, wird beim dritten Konzert im Foyer des Städtischen Gymnasiums Urformen und Vorläufer von Instrumenten in Klang und Wort vorstellen. Sie tragen Namen wie Hirtenhorn, Subbasgemshorn, Basskrummhorn oder Serpent und klingen ungewohnt bis archaisch. Begleitet wird Schüssele von Karl Echle an der Orgelpositiv.

Der Musiksommer endet – mit einer Rarität: Alina Zylberajch und Martin Gerster werden am 20. Mai im Bürgersaal das Fortepiano vierhändig spielen. Lucht: "Vierhändig ist für den Musiksommer eine echte Premiere".

Zur Tradition im Jahresprogramm der Musikfreunde zählen seit gut einem halben Jahrzehnt auch die "Konzert plus" – ein Konzert für Kinder im Oktober und das finale Neujahrskonzert um die Jahreswende. Im Oktober wird der Ki-Ka-Moderator Juri Tetzlaff ein Konzert des Profive-Ensembles moderieren. Das Holzbläserquintett wird in einer modernen Fassung das Geheimnis von Mozarts Zauberflöte lüften. In ihr 50-jähriges Bühnenjubiläumsjahr will dann das Rascher-Saxophon-Quartett im Ettenheimer Bürgersaal starten. Olaf Creutzburg rezitiert zur saxophonischen Winterreise.

Und warum wird nun der "Musiksommer" zum "Musikfrühling". Musikfreunde -Vorsitzender Paul Jensen gibt eine ganz pragmatische Antwort: "Auch wir hatten zuletzt mit sinkenden Zuhörerzahlen zu kämpfen". Gegen Grillpartys und Fußball-WM kann auch ein Klassikkonzert nur schwer ankommen. "Deshalb haben wir den Sommer musikalisch eben vorgezogen", sagt Jensen.