Närrisches aus der Therme Baisrolika

Martin Oswald

Von Martin Oswald

Mo, 29. Januar 2018

Ettenheim

Sendewelle zieht beim Brauchtumsabend wieder alle Register.

ETTENHEIM-ALTDORF. Sie ist in die Jahre gekommen, der Lack längst ab, und ihre letzten Tagen sind gezählt. Doch am Samstag erlebte die ehrwürdige Münchgrundhalle als "Therme Baisrolika" ihre Auferstehung. Herausgeputzt zum Badetempel bot sie die Kulisse für den Brauchtumsabend der Narrenzunft "Sendewelle" und wurde zur Stätte illusterer Begegnungen der Altdorfer Fasentmacher. Die "Senatoren" Michael Andlauer und Matthias Lehmann führten durch das vierstündige Programm, musikalisch begleitet von den Schwarzwaldmusikanten unter der Leitung von Wolfgang Spengler.

Bei der Zunft war Meister Adebar zuletzt wohl Dauergast, denn die Sendewelle-Babys stellten via Videobotschaft und der Narresome als Mäusebande auf der Bühne unter Beweis, dass die Zunft keine Zukunftssorgen hat. Welch hervorragende Bühnentalente aus dem Narresome erwachsen können, zeigten Sophie und Leo Mösch als Straßenmusiker. Künstlerische gecoacht wurden die jungen Akteure von ihrem Vater Rolf Mösch.

"1000 und eine Nacht" – das Kinderballett entführte in den Orient. Schöne Kostüme und eine schöne Choreografie verlangten nach einer Zugabe. Nicht minder begeisterte das Teenie-Ballett bei ihrem tänzerischen Ausflug als Waldelfen aus dem Wald ans Wasser der Baisroler Therme.

Mit Klaus Märker hat die Zunft einen Büttenredner an der Angel, der keine medialen Vergleiche scheuen muss. Sein verbaler Trip in das "Varieté der Politik" bot mit den Kapriolen zur Regierungsbildung, dem Größenwahn der Herrn Trump und Kim Jong-un, dem Milliarden fressenden Hauptstadtflughafen und vielem Mehr genügend Stoff für den Meister des geschliffenen Wortbeitrags. In voller Hästräger-Montur rockte Lichti "Moses" Moßmann mit den Symbolträgern der Zunft beim "Send Event" der Hästräger die Sendewelle-Bühne. Eine schweiß-treibende, aber sehr unterhaltsame Angelegenheit.

Fußwäschede-Duo: Berger und Oswald

Seit 1974 gibt’s bei der Sendewelle den Fußwäschede-Orden für Honoratioren der Gesellschaft. In diesem Jahr wurden Otto Berger (Vorsitzender beim Reitverein) und Christoph Oswald (mehrere Jahre Spielertrainer beim FSV Altdorf) an den Waschzuber gesetzt. Das Publikum freut es insbesondere, wenn sich die beiden Waschgesellen Frank Pradel und Jochen Henninger bei der Zeremonie mit kitzeligen Probanden auseinandersetzen können. Die beiden litten Höllenqualen und das Publikum war amüsiert. Matthias Lehmann hatte sich im Vorfeld erkundet und konnte aus dem Nähkästchen der beiden plaudern. Hierbei kamen aber eher die guten Talente zum Vorschein. Beide sind extrovertiert und haben sich entsprechend auch der Gesundheit ihrer Mitmenschen – Berger als Zahntechniker für das Gebiss und Oswald als Physiotherapeut und Heilpraktiker für den Rest des Körpers – verschrieben. Dekoriert mit dem Orden dankte das Duo der Zunft in gereimten Worten und übergab Präsente.

Einen klasse Auftritt zeigten die Narrenratsfrauen bei ihrem Auftritt als 1. Altdorfer Tanzgarde. Die Reminiszenz an den rheinischen Karneval erforderte eine gute Kondition und Präzision. Hausmeister Rrrrrudi (Bernhard Mösch) beschoss das Publikum in bewährter Manier mit einer Witzkanonade. Kein Auge blieb trocken. Neueste Nachrichten aus dem Dorf lieferten live aus Silke’s Frisurensalon die Wuchtbrummen Annette Andlauer, Silke Winterer und Yvonne Fink. Einiges aus dem vergangenen Jahr wurde humorvoll beleuchtet und kommentiert.

Eine neue Gruppierung hat sich mit der gemischten Formation "Sende United" gefunden. Showtanz aus den 1920er Jahren mit stilechten Kostümen begeisterte das Saalpublikum. "Jedes Jahr anders und jedes Jahr etwas Besonderes", so wurden die Bonsays angekündigt. Dieses Mal brillierten Frank Pradel, Rainer Holfoth, Jochen Henninger, "Moses" Moßmann und Mario Winterer als stimmlose Musik Comedians. Stilecht mit Besen und tollen Kostümen sorgten die "Zauberinnen" des Sendewelle-Balletts für schöne magische und tänzerische Momente auf der Bühne.

Die Abbruchkugel des Narrenrates traf letztes Jahr noch ins Leere. Deshalb holte sie Narrenrat Timo Bisser nochmals aus der Versenkung und schwang sich auf ihr actionreich – begleitet von seinen Narrenratskollegen – über die Bühne in der Münchgrundhalle. Ob er dieses Jahr mit seiner Vision richtig liegt? Man wird es sehen. Unbeschadet aller Spekulationen begannen die Räte mit den Ausräumarbeiten in der Münchgrundhalle und stießen auf viele alte Utensilien der Altdorfer Vereine. Mit einem Zwinkern im Auge wurden sie effektvoll in Szene gesetzt.