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18. August 2010
Noch drei Stolpersteine warten auf ihren Platz
Helene Levistein wurde Auschwitz vergast / Helene Lion starb in Gurs, von ihrer Schwester Sofie fehlt jede Spur.
ETTENHEIM (eri). Drei der sechs für Ettenheim angefertigten "Stolpersteine" sind noch nicht verlegt. Die Pflastersteine mit der Messinginschrift, die an aus ihren Häusern vertriebenen und unter dem Naziregime ermordete Juden erinnern sollen, sind im Auftrag des deutsch-israelischen Arbeitskreises südlicher Oberrhein (DIA) angefertigt worden. Drei der Steine hat der Künstler Gunter Demnig vor wenigen Wochen vor den ehemaligen Wohnhäusern in den Bürgersteig eingelassen.
Zwei Hausbesitzer allerdings hatten Vorbehalte, die der Stadtrat respektiert, womit das Versetzen der restlichen drei Steine zunächst aufgeschoben ist. Beim Stadtfest mit dem Titel "Steine erzählen" hat der DIA die Gelegenheit ergriffen, diese Steine auf seinem Stand auszustellen und auf die Geschichte der drei Frauen hinzuweisen.
Hedwig Levistein, geboren 1883, war gehörlos, hatte sechs Geschwister und wollte mit ihrer Familie nach den gewaltsamen Übergriffen von Teilen der Ettenheimer Bevölkerung nach der Pogromnacht des 10. November 1938 auswandern. Da sie kein Visum bekommen hatte, ist sie nach Auskunft von Robert Krais vom DIA ins jüdische Landesasyl- und Altersheim in Gailingen am Hochrhein gebracht worden. Von dort aus wurde sie, wie alle Juden aus Baden am 22. Oktober 1940 in das südfranzösische Lager Gurs transportiert. Von dort aus ist sie mit vielen anderen Lagerinsassen nach Auschwitz deportiert und vergast worden. Die beiden anderen Frauen waren den Ettenheimern als die "Frommeles" bekannt, sagt Krais. Helene, geboren 1866 und Sofie Lion, geboren 1871 wohnten in der Friedrichstraße unter ärmlichen Verhältnissen und verdienten ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Nähbedarf.
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Nachdem die johlende Menge am 10. November 1938 ihre Wohnung und den gesamten Hausstand zerstörte zusammen "mit dem Gymnasialprofessor Schaaf und dem Ortsgruppenleiter Dr. Klein", die "tatenlos dem verbrecherischen Treiben zusahen", so Krais, wurden die Schwestern noch einige Zeit von den Nachbarn versorgt, mussten aber ausziehen und ebenfalls in Gailingen Schutz suchen. Auch sie wurden von dort aus nach Gurs transportiert. Helene starb im April 1941 in einem weiteren Lager. Von Sofie fehlt bis heute jede weitere Spur, so die Auskunft des DIA.
Autor: eri
