RE-Zug lässt die Region links liegen

Klaus Fischer

Von Klaus Fischer

Fr, 24. November 2017

Ettenheim

Beharrlicher Protest kann Hermann nicht umstimmen/ Verkehrsminister spricht über "richtigen Weg zur Mobilität der Zukunft".

ETTENHEIM. Dass der neue Regionalexpress (RE) die Haltepunkte Ringsheim und Orschweier links liegen lässt, dass die neuesten Pläne der Bahn zur Autobahntrasse keine Tieferlage mehr vorsehe, dass beim Autobahnausbau an Flüsterasphalt und Lärmschutz gedacht werde, und dass natürlich an der B 3 bei Altdorf ein Kreisel ein unbedingtes Muss sei – noch bevor Winfried Hermann zu Wort kam, hatte Bürgermeister Bruno Metz dem Verkehrsminister des Landes in seiner Begrüßung den lokalen Themenkatalog aufgetischt. Das traf den Minister aber nicht unvorbereitet.

In den Winefeldsaal nach Ettenheim gekommen war der Grünen-Politiker, der seit sechs Jahren das Verkehrsministerium führt, aber eigentlich, um in der Provinz über "den richtigen Weg zu einer neuen Mobilität" zu sprechen. Das tat er dann auch mit einem 45-minütigen Impulsreferat. Die Stichworte waren den rund 60 Zuhörern nicht unbekannt: digitale Mobilität, Elektromobilität, teilautonomes Fahren, passgenaue Mobilitätsangebote auch für den ländlichen Raum, Verbesserung des Angebots im Schienennahverkehr, Förderung des Radwegenetzes. Und ergänzende Fakten waren zuweilen ernüchternd: Bei vier von fünf Autofahrten sitzt der Fahrer allein im Auto, vier Sitze sind eigentlich überflüssig. Hermann: "Autos sind ein ineffizientes Transportsystem". 34 Prozent der Kohlendioxidimmission in Baden-Württemberg geht derzeit auf das Konto von Verkehr, insgesamt der höchste Anteil. Ziel der Landespolitik sei es, diesen Anteil auf 20 Prozent zu drücken. Ziel sei es auch, den Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen im Land bis 2030 auf 20 Prozent zu steigern.

"Die Botschaft höre ich wohl, allein mir fehlt der Glaube", widersprach ein Zuhörer und berichtete von seinen täglichen Plagen auf dem Rad rund um Ettenheim oder dem Weg zur Arbeit nach Lahr: verschmutzte Radwege entlang der B 3, insbesondere zur Zeit der Maisernte, gefährliche Passagen in Kippenheim. Kurz: "Radfahren wird einem so immer mehr verdorben." Der Minister spielte diesen Pass charmant weiter an die anwesenden Kommunalpolitiker, denn es sei nicht in der Zuständigkeit des Landes, für saubere Radwege oder Tempolimits für Autos zu sorgen. Hier sei die Lokalpolitik gefragt. Das Land werde gleichwohl daran weiter arbeiten, die fahrradfreundliche Mobilitätskultur vor Ort zu stärken (ein Stichwort hier: Radfernwege).

Hauptaufreger in der südlichen Ortenau ist indes der Nahverkehr auf der Schiene. Noch genauer der Fakt, dass der neue Regionalexpress, der zwischen Offenburg und Basel fahren soll, an den Bahnhöfen Ringsheim und Orschweier vorbeifahren wird. Negativer Effekt am Rande: Wegen der Belastung auf der Strecke fallen zugleich noch zwei Haltezeiten anderer Verbindungen weg. "Die neue Vertaktung stärkt die Zentren Offenburg, Freiburg und Basel, für uns ist dies aber eine Verschlechterung des Angebots", so der Einwand von Rusts Bürgermeister Kai-Achim Klare.

Die Wege der Pendler werden immer länger

Die Zuhörerinnen Alina Jung und Marion Fleig untermauerten Klares Einwand mit eigenen Erfahrungen. Jung steuert mit dem Auto Herbolzheim an, um per Bahn nach Freiburg, Fleig fürchtet um lange Wartezeiten für sich in Offenburg, um nach Stuttgart zum Arbeitsplatz zu kommen. In Letzterem sieht Hermann ein neu aufgekommenes Problem, weil die Pendlerwege immer länger würden. Eine optimale Lösung für den Einzelnen überfordere hier aber das ÖPNV-System.

Dass die Haltepunkte bei der Einführung des schnellen Regionalexpresses unberücksichtigt blieben, sei zwei Gründen geschuldet, so der Minister: Um die Verbindung schnell zu machen, müsse die Zahl der Haltepunkte reduziert werden. Und: Die Zahl der Bahnnutzer sei an allen anderen Bahnhöfen höher als in Ringsheim oder Orschweier.

Für eine Verbesserung des ÖPNV auf der Straße werde das Land vom nächsten Jahr an seine Politik verändern, kündigte Hermann an. Bisher habe das Land die Schülerbeförderung mit dreistelligen Millionenbeträgen subventioniert, weshalb sich Anbieter auch auf diesen Part im ÖPNV konzentriert hätten. Künftig werden die Subventionsmittel an die Kreise und kreisfreie Städte direkt ins Budget Nahverkehr gegeben. Über den Mitteleinsatz entscheiden diese selbst. Hermann: "Die Landesförderung ist dann nicht mehr zweckgebunden, sondern kann dann auch zu einer Verbesserung des ÖPNV-Angebots außerhalb der Schülerbeförderung beitragen".

Und die Eingangsstichworte von Ettenheims Bürgermeister Metz? Dass das Land im Zusammenhang mit dem Ausbau der Rheintalbahn mehr als die im Projektbeirat zugesagten Fördermittel für Lärmschutz lockermache, sieht Hermann nicht. Schließlich sei der Ausbau ein Projekt des Bundes. Und der Kreisel in Altdorf? Am Land solle das Projekt nicht scheitern, aber bei Bundesstraßen sei eben auch zunächst der Bund gefragt.