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17. Dezember 2008
"Runa" fasziniert mit Obertönen
MGV 1843 Ettenheim präsentierte vor mehreren hundert Zuhörern das Adventskonzert / Exotische Klänge im zweiten Teil
ETTENHEIM. "Hört der Engel helle Lieder", so lautete die Einladung des MGV 1843 Frauen- und Männerchores Ettenheim zum Adventskonzert am Sonntagabend in der Stadtkirche. Ihr waren mehrere hundert Zuhörer gefolgt. So waren die Bänke von St. Bartholomäus fast vollständig besetzt, als fremdartige und vertraute, immer aber wohlklingende Gesänge das weihnachtlich geschmückte Kirchenschiff erfüllten.
Nach einem instrumentalen Einstieg mit Variationen eines alten polnischen Weihnachtsliedes, komponiert von Félix Alexandre Guilmant, begrüßte der Chor seine Gäste mit Liederschall aus Georg-Friedrich Händels Feder: "Freut Euch all" sangen die Sängerinnen und Sänger mit kräftigen Stimmen, welche die barocke Melodie genauso strahlen ließen wie das barock gezierte Gotteshaus. Weiter ging es mit weihnachtlichen Weisen wie "Zündet die Lichter der Freude an", "Es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit" und dem elsässischen Lied "Über die Hütte weht der Wind".Volkstümlich war auch der nächste Konzertteil, jedoch aus einem ganz anderen, weit entfernten Kulturkreis: Obertongesang, der seit Jahrhunderten zur Gesangstradition der Völker rund um das Altaigebirge in Zentralasien gehört. In Europa erfreut sich diese Gesangstechnik, immer größerer Beliebtheit. So gibt es einen Europäischen Obertonchor, bei dessen Probewoche sich die Ettenheimer Sängerin Theresa Brossmer, die auch im MGV 1843 singt, und die Schweizer Priska van den Heuvel, Thom Schori und Marton Schneider und kennenlernten. Sie gründeten das Oberton-Improvisations-Ensemble "Runa", das nun erstmals vor großem Publikum in Ettenheim auftrat.
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Ihr frei improvisierter sphärischer Gesang, der für mitteleuropäische Ohren mythisch und geheimnisvoll klingt, besteht meist aus dem gesungenen Grundton, dessen Obertonreihen durch verschiedene Kehlkopf- und Lippentechniken derart manipuliert wird, das sich die Obertöne wie eine Flötenmelodie über den Gesang des Grundtones legen – ein ergreifendes Erlebnis. Das Quartett begleitete sich dabei selbst mit der Gitarre, aber auch mit exotischen Instrumenten wie der indischen Shrutibox (eine Art indisches Harmonium) oder der Sansula. Letzteres, ein von einem deutschen Instrumentenbauer entwickeltes Instrument, ist bei uns selten zu hören. Sein Vorbild, ein Mbira genanntes Daumenklavier ist in Simbabwe allerdings so etwas wie ein Nationalinstrument. Das Publikum jedenfalls war fasziniert von so vielen neuartigen Klangerlebnissen.
Vertrauter, aber als Trio ebenfalls selten zu hören, sind Harfenklänge. Stephanie Kopf (19), Rahel Köpf (18) und Mirjam Weschle (18), haben das Harfenspiel an der Musikschule Lahr gelernt und treten seit sechs Jahren als Trio "Harphrodite" auf. Sie sehr gut aufeinander eingespielt und das Sahnehäubchen eines jeden Konzerts. Am Sonntag spielten sie mit viel Ausdruckskraft Weihnachtslieder, arrangiert von Whit Dudley. Regelrecht rasant traten und griffen die drei Harfenistinnen abschließend bei zwei Sätzen von "Rhyme or Reason for three Harps" von Mark Elliott in die Pedale und in die Saiten. Die Sängerinnen Theresa Brossmer und Ottilia Sackmann sangen anschließend als Duo "Panis Angelicus" von Cesar Franck, ehe die Ettenheimerin Ottilia Sackmann wieder ihren Platz hinter dem Dirigentenpult einnahm, von wo aus sie den zweiten Part des MGV dirigierte. Der sang abermals weihnachtliche Lieder, wobei Bernhold Winterer ein schönes Solo präsentierte.
Zum Abschluss ließen alle Sängerinnen, Sänger und Instrumentalisten – darunter auch Matthias Burg, der das Konzert an Orgel und Klavier begleitet hatte – den Klassiker "Frieden auf Erden" erklingen. Sie luden das Publikum zum mitsingen ein, das anschließend noch stehend applaudierend mehrere Zugaben einforderte.
Autor: Stefan Merkle
