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04. Februar 2012

Schulleiter: Keine Angst vor G 8

Frank Woitzik (Städtisches Gymnasium) und Ernst Jostkleigrewe (Heimschule) sehen vorerst kein G 9 in Ettenheim.

  1. „Wer die Gymnasialempfehlung in der Grundschule erhält, schafft das G8“, sagen die beiden Schulleiter Ernst Jostkleigrewe (links) und Frank Woitzik. Foto: Decoux-Kone

ETTENHEIM. Sowohl Schulleiter Frank Woitzik (Städtisches) als auch sein Kollege Ernst Jostkleigrewe (Gymnasium Heimschule) gehen davon aus, dass es in Ettenheim im nächsten Schuljahr kein G-9-Gymnasium geben wird. Das Städtische erfüllt die strengen Kriterien nicht (vier Klassen in einer Klassenstufe) und die Heimschule hat keinen Antrag bei der Schulbehörde gestellt. Nachteile für Gymnasiasten sehen beide Schulleiter indes nicht: "Wir sind für das G 8 gut organisiert und aufgestellt. Wer in der Grundschule eine Empfehlung fürs Gymnasium bekommt, schafft auch das G 8".

Dennoch: Die Sorge vor einer Überforderung durch das achtjährige Gymnasium (G 8) ist für die Schulleiter auch acht Jahre nach der Einführung – in diesem Frühjahr werden in Baden-Württemberg die ersten G-8-Schüler ins Abitur gehen – in Elterngesprächen nach wie vor Thema. "Wir halten diese Sorge bei Grundschülern, die eine Gymnasialempfehlung der erfahrenen Pädagogen in der Grundschule haben, aber für unbegründet", erklärt Frank Woitzik im Gespräch mit der BZ.

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Der Schulleiter räumt zwar ein, dass die Gymnasiasten durch die G-8-Reform ein größeres tägliches Arbeitspensum im Vergleich zum neunjährigen Gymnasium erwarte, doch zeige die Erfahrung nach acht Jahren zeige, dass der überwiegende Teil der Schülerinnen und Schüler damit wenig bis keine Schwierigkeiten habe. "Nur ein verschwindend geringer Teil hat Probleme, die auf die Fülle des Unterrichtsstoffs zurückzuführen sind. Und das gilt auch nicht generell, sondern nur in einzelnen Fächern. Um solche Fälle kümmern sich beide Gymnasien intensiv. Wir haben sowohl an meiner Schule als auch an der Heimschule ein sehr differenziertes Angebot an Förderunterricht", stellt Woitzik fest.

Auch die frühe zweite Fremdsprache – am städtischen Gymnasium von der fünften, an der Heimschule von der sechsten Klasse an – sehen die beiden Pädagogen nicht als Problem. Woitzik: "Im Gegenteil, Englisch wollen Schüler wie Eltern gleich von Anfang an, und wer bereits in der Grundschule Französischunterricht hatte, will auch die nahtlose Fortsetzung im Gymnasium, was übrigens nach meiner Einschätzung auch Sinn macht".

Ernst Jostkleigrewe hat an der Heimschule mit Gymnasium, Beruflichem Gymnasium und Realschule noch eine andere Beobachtung gemacht. Rund 50 Schülerinnen und Schüler sind an der Realschule, obwohl sie aus der Grundschule mit einer Gymnasialempfehlung an die Heimschule gewechselt sind. Eine relative hohe Zahl. Ein Teil dieser Schülerinnen und Schüler falle es dann aber nach der zehnten Klasse (Realschulabschluss) schwer, einen hochwertigeren Schulabschluss am Beruflichen Gymnasium anzupacken. "Die Jungen und Mädchen sind dann mitten in der Pubertät. Den Jungs fällt es oft schwer, sich neu zu motivieren, und die Mädchen, die die Realschule meist noch erfolgreicher abschließen, kommen mitten in dieser persönlichen Entwicklungsphase mit dem im gymnasialen Bereich stärker geforderten selbstständigen Lernen und Arbeiten nicht klar. Diese Probleme tauchen bei der Klassenstufe zehn im Gymnasium seltener auf," beschreibt Jostkleigrewe seine Erfahrungen.

Auf diese besondere Lebenssituation bei Jugendlichen, in der sie nach der eigenen Persönlichkeit suchen und sich ihnen zugleich besonderen Anforderungen in der Schule stellen, haben die beiden Gymnasium reagiert. In der Mittelstufe seien Motivation und Leistungen der Schüler oft schwächer als in der Unter- und Oberstufe, weshalb Intensivierungsstunden verstärkt in die Oberstufe verlegt wurden.

Sowohl Woitzik als auch Jostkleigrewe sehen sich in ihrer Einschätzung, dass das G8 keine Überforderung sei, auch deshalb bestärkt, weil an ihren Schulen im G8 weder die Quote der Sitzenbleiber noch die der Schulwechsler nennenswert gestiegen sei. In diesem Schuljahr würde auch der mögliche direkte Notenvergleich von Abiturjahrgängen, die nach acht beziehungsweise neun Jahren am Gymnasium erstmal gemeinsam ins Abi gehen, den Schluss nicht zu lassen, das achtjährige Gymnasium überfordere die Schüler. "Die Noten zeigen das auf jeden Fall nicht. Und sie lassen auch nicht den Schluss zu, dass G-8-Schüler stärker gefährdet sind, das Abi nicht zu packen," sagt Frank Woitzik.

Unterdessen räumt Ernst Jostkleigrewe auch ein, dass die Entscheidung der Heimschule, vorerst keinen Antrag auf die Einführung eines neunjährigen Gymnasiums, auch einen finanziellen Aspekt beinhaltet. Noch sei nämlich nicht klar, wer bei privaten Schulträgern – hier die Schulstiftung der Erzdiözese – die Kosten für zusätzliche Deputatsstunden beim G9 übernehme. "Bisher trägt das Schulamt etwa drei Viertel der sogenannten Bruttokosten für einen Schüler, ein Viertel die Schulstiftung. Wie der Schlüssel für G-9-Zusatzstunden sein wird, ist noch unklar," sagt Jostkleigrewe. Auch deshalb sei die Schulstiftung bei der Frage der Wiedereinführung des G 9 zurückhaltend. Jostkleigrewe: "Wir werden die Entwicklung aber weiter beobachten".

Der Doppelabiturjahrgang 2011/12 für beide Schulen: Stätisches Gymnasium: 73 Schüler G 8 (dreizügig), 44 Schüler G 9 (zweizügig). Heimschule: 100 Schüler G 8 (vierzügig), 75 Schüler G 9 (dreizügig), 45 Schüler Berufliches Gymnasium.

Elterninformation

Informationstage an den Grundschulen mit Vertretern der weiterführenden Schulen (Heimschule, Städtisches Gymnasium, Bildungszentrum) am Montag, 6. Februar in Ettenheim und am Dienstag, 14. Februar, in Rust und Kippenheim.

Veranstaltungen an der Heimschule:

Elterninfoabend Realschule am Dienstag, 28.Februar, 19 Uhr. Elterninfoabend Gymnasium am Donnerstag, 1. März, 19 Uhr.

Tag der offenen Tür: Für Gymnasium am Freitag, 9. März ab 16 Uhr. Für Realschule am Samstag, 10. März, ab 10 Uhr.

Anmeldetermine für Realschule und Gymnasium: Mittwoch, 14. März, von 8.30 bis 12.30 Uhr und von 14.30 bis 17.30 Uhr. Donnerstag, 15. März, von 8.30 bis 12.30 Uhr und von 14.30 bis 17.30 Uhr.

Veranstaltungen am Städtischen Gymnasium:

Elterninfoabend am Mittwoch, 7. März, ab 19.30 Uhr (Foyer).

Tag der offenen Tür: am Samstag, 10. März, von 10 bis 13 Uhr.

Anmeldetermine: Dienstag, 27. März, von 9 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 17 Uhr. Mittwoch, 28. März, von 9 bis 14 Uhr (jeweils im Sekretariat der Schule)  

Autor: fi

Autor: Klaus Fischer