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15. Juni 2009

Tausche Rohan gegen Brezeln oder Autowäsche

Viktor Weber, Initiator der Rohan-Scheine, setzt weiter auf das Rabattsystem des Ettenheimer Einzelhandels als regionale Währung

  1. Viktor Weber vor dem Schaukasten mit Hinweisen auf Tauschprodukte für den Rohan. Foto: Neumann

ETTENHEIM (hne). In Schopfheim gibt es den Dreyecker, Freiburg hat den Freitaler und Offenburg steht vor der Einführung des Ortenauers: Mehr als 28 Regionalwährungen gibt es in Deutschland, die regional und neben dem Euro als Zahlungsmittel eingesetzt werden. Auch Ettenheim hat seit Anfang 2007 eine Parallelwährung: den Rohan.

"Der Rohan unterscheidet sich jedoch von den sogenannten Regionalwährungen", erklärt Viktor Weber, der das Konzept für Ettenheim Anfang 2007 ins Leben gerufen hat. Im Gegensatz nämlich zu einem Chiemgauer, dem erfolgreichen Vorreiter aller regionalen Währungen, der es inzwischen auch zu bundesweiter Anerkennung gebracht hat, kann man mit dem Rohan nicht einfach in der Region einkaufen gehen – noch nicht. Denn entwickelt hat sich der Rohan aus dem firmeneigenen Rabattsystem der Apotheken-Kette mit Sitz in Ettenheim.

Für jeden Einkauf über 10 Euro in den Apotheken, die Viktor Weber und sein Bruder Christian in Ettenheim und Seelbach betreiben, erhält man einen Fünf-Rohan-Schein. Dieser Schein kann in verschiedenen Geschäften in Ettenheim und Umgebung eingetauscht werden. "Im Großen und Ganzen ist ein solcher Rabatt sinnvoller als die paar Prozent, die man teilweise auf Kundenkarten von großen Bonusprogrammen erhält. Die Leute können sich selbst aussuchen, wo sie ihren Rabatt und gegen was den Rohan einlösen," sagt Weber. Das reiche von der Brezel in der nächsten Bäckerei für einen Schein, bis zu einer Autowäsche für 14 oder ein paar weiße T-Shirts für 20 Scheine.

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Weber hatte bei der Einführung noch ein weiteres Ziel im Auge: Große Handelsketten findet man nämlich in dem Partnerverzeichnis nicht. "Wir wollen mit unserem Rohan vor allem, den einheimischen Einzelhandel am Ort stärken und vernetzen und zu mehr Kooperation untereinander anstoßen, um Ettenheim und sein Umland als Standort attraktiver zu machen. Filialisten neigen hier eher dazu, sich an solchen Marketingaktionen nicht zu beteiligen."

Weber sieht sich hierbei auf einem guten Weg: "Am Anfang war es schwierig, Akzeptanz zu gewinnen. Doch mittlerweile merken wir, dass die Anfragen für eine Zusammenarbeit zugenommen haben." Vom anfänglichen Klinkenputzen bei potenziellen Teilnehmern, habe sich der Rohan mittlerweile zu einem Selbstläufer entwickelt. Von den sechs Geschäften zu Beginn, sind mittlerweile sieben neue hinzugekommen. Auch außerhalb von Ettenheim konnten neun Partner für den Rohan gewonnen werden. Im Vergleich zu anderen Regionen, in denen ein ähnliches Zahlungsmittel oder Rabattsystem besteht, sei die Quote jedoch immer noch gering. Im Zusammenhang mit den neuen Marketingaktivitäten der Stadt hofft Weber, dass weitere Einzelhändler die Vorteile einer regionalen Tauschwährung erkennen. Weber: "Wer sich für einen Rohan eine Brezel kauft, nimmt vielleicht noch ein Brot mit oder trinkt einen Kaffee. Und vielleicht kommen auch neue Kunden hinzu, die bisher den ein oder anderen Laden noch gar nicht kannten."

Wer die roten Scheine, die Weber auch selbst entworfen hat, nicht sammeln oder eintauschen will, kann sie auch spenden. Im vorherigen Jahr kamen so als Gegenwert 1000 Euro an Spenden für den "Förderverein für Krebskranke Kinder e.V" in Freiburg zusammen.

Autor: hne