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23. Juni 2009

Zeugnisvergabe: Wenn ein ein blauer Brief droht

Vor dem Zeugnis steigt der Leistungsdruck / Kann man in Ettenheim gut Nachhilfe bekommen? /Tipps für Schüler und Eltern

  1. Wenige Wochen vor der Zeugnisausgabe wächst der Leistungsdruck in der Schule. Für viele ein Ausweg: Nachhilfe Foto: DPA

ETTENHEIM. Wenige Wochen bevor es Zeugnisse gibt, wächst der Leistungsdruck an den Schulen. Jetzt nehmen besonders viele Schüler Nachhilfe, aber wie in einer ländlichen Region wie Ettenheim gute Hilfe finden? Zwar sind Nachhilfeinstitute schwer im Kommen, Verbraucherschützer sehen diese wegen der oft hohen Preise aber kritisch. Zwar ist Ettenheim Schulstadt, aber Studenten, die günstige Nachhilfe bieten, sind auf den ersten Blick rar.

Forscher des Berliner Instituts für Bildung und Sozialökonomie (Fibs) schätzen, dass derzeit bundesweit etwa jeder achte bis zehnte Schüler Nachhilfe bekommt. Etwa jeder Dritte bis Vierte hat irgendwann einmal während seiner Schulzeit Nachhilfestunden erhalten – ein riesiger Markt, der längst auch von professionellen Anbietern bedient wird, jedoch meist nur in größeren Städten. Wer mobil ist, findet in Lahr beispielsweise Filialen der Marktführer Schülerhilfe und Studienkreis, Abacus vermittelt Nachhilfe nach Hause und das Lernstudio Möller ist in Lahr und Herbolzheim vertreten. Angeboten wird stets Einzel- und Gruppenunterricht und oft auch Ferienkurse. Ein besonderer Vorteil der Institute ist, dass sie spezielle Vorbereitungskurse für verschiedene Prüfungen wie Abschlüsse oder zentrale Klassenarbeiten anbieten.

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Allerdings stehen Verbraucherschützer Nachhilfeinstituten auch kritisch gegenüber. "Die Institute versuchen meist, die Eltern mit langfristigen Verträgen zu binden", sagt Werner Kinzinger vom Stuttgarter Verein Bildungsinformation, der den Verbraucherzentralen angeschlossen ist. "Besonders auf Laufzeiten und Kündigungsfristen ist zu achten", so Kinzinger. Auch sollten sich die Eltern die Räume der Institute ansehen und dort mit Lehrern und Kindern sprechen – "sich einfach ein sogenanntes Bauchgefühl verschaffen", rät Kinzinger.

Besondere Vorsicht ist laut Kinzinger geboten, wenn Vertreter von Nachhilfeorganisationen vor der Haustür stehen. Gerade im ländlichen Raum würden unseriöse Anbieter "nach dem Prinzip verbrannte Erde" arbeiten, so Kinzinger. Sie stellen sich oft unerlaubt als von der Schule geschickt vor, wer einen Vertrag unterschreibt, kommt aus diesem oft nur schwer wieder heraus. Der meist in kurzfristig angemieteten Räumen stattfindende Unterricht sei mangelhaft, warnt Kinzinger.

Als Orientierungshilfe bei den Preisen hält Kinzinger bei Einzelstunden bis zu 20 Euro pro Stunde für angemessen, wobei genau beachtet werden sollte, wie lange eine Unterrichtsstunde tatsächlich dauert. Deutlich billiger sollte die Einzelnachhilfe sein, wenn ganze Pakete (etwa ein 100-Stunden-Block) abgenommen werden müssen. Bei Gruppennachhilfe sollte der oft verklausulierte Gesamtpreis unter Berücksichtigung der angegebenen Schülerzahl auf eine Stunde umgerechnet werden. "Einnahmen von mehr als 50 Euro pro Stunde für das Institut sind unangemessen", so Kinzinger.

"Prinzipiell soll man möglichst auf Empfehlungen hören", so Kinziger. Vertraglich ungebunden ist zudem, wer sich privat Nachhilfe organisiert. Das ist meist auch viel günstiger. Bei der Suche helfen Zeitungsannoncen und Aushänge in den Schulen, aber auch das Internet. Auf Seiten wie nachhilfenet.de, tutoria.de, betreut.de oder "Studenten für Schüler" (nachhilfe.org), kann nach Postleitzahl und Fach gefiltert werden, auch für den südliche Ortenau finden sich hier reichlich Treffer.

Neuerdings gibt es sogar die Möglichkeit, die Nachhilfe komplett am Computer zu bekommen, sogenannte Onlinenachhilfe. Davon hält Kinzinger aber nichts: "Ich bin ein Anhänger der direkten Pädagogik", sagt der Lehrer. Fragende Blicke etwa wären über eine Internetkamera nur schwer zu interpretieren. Außerdem lauern auch hierbei allerlei Fallstricke bei den Verträgen, warnt Kinzinger.

Der beste Weg: Bei der Schule nachfragen
"Am besten von allem ist, man kontaktiert die Schule, das sollte man als allererstes tun", sagt Kinzinger. Lehrer könnten oft Empfehlungen geben und viele Schulen würden auch eine Vermittlung anbieten. In der Heimschule St. Landolin können sich die Schüler an das Sekretariat wenden, "hier vermitteln wir dann Hilfe, meist von unseren Oberstufenschülern", sagt Schulleiter Ernst Jostkleigrewe. Außerdem sei gerade ein Projekt angelaufen, in dem ältere Schüler eine wöchentliche Hausaufgabenbetreuung anbieten. Aber: Hausaufgabenbetreuung alleine ist keinesfalls mit Nachhilfe zu verwechseln.

Das Städtische Gymnasium hat das Programm "Schüler helfen Schüler". Hier gibt es zusätzliche Übungsstunden, in denen Schülermentoren Kleingruppen von drei bis fünf Schülern aus einer Klassenstufe in einem Fach betreuen. Vorgesehen ist eine Übungsstunde pro Woche, der Mentor arbeitet im Rahmen des Jugendbegleiterprogramms und erhält dafür sechs bis acht Euro. Darüber hinaus wird seine Leistung im Zeugnis bescheinigt. Das August-Ruf-Bildungszentrum gibt es ein Projekt Schüler-Helfen-Schüler. Von einer Lehrerin koordiniert wird Nachhilfe unter den Schülern vermittelt. "Außerdem kann bei uns jeder Kollege angesprochen und um Rat gefragt werden", sagt Schulleiterin Beate Ritter. Ihr Amtsvorgänger Bertolt Bangert leitet zudem ein Nachhilfeprojekt für Schüler mit Migrationshintergrund.

Autor: Stefan Merkle