"Wie damalige Hörer zeitgenössische Musik gehört haben"

rob

Von rob

Fr, 22. Juni 2012

Ettenheim

BZ-INTERVIEW zum Auftakt des Ettenheimer Musiksommers mit Ernst Scholz, einem der Programmmacher / Los geht’s am Samstag.

ETTENHEIM. "Mozart für die Westentasche" nannte man die damals höchst populären Bearbeitungen für Holzbläseroktett – die so genannten "Harmoniemusiken" – der Opern des Ausnahmekomponisten Mozart. Am Samstag um 20 Uhr in der Kirche Altdorf startet der diesjährige Ettenheimer Musiksommer mit einer solchen Bearbeitung, dargeboten von einem Ausnahmeensemble: Den Kammer-Solisten Zug unter Stefan Buri. Über dieses Konzert sowie über den diesjährigen Musiksommers sprach unser Mitarbeiter Robert Ullmann mit Ernst Scholz, zweiter Vorsitze

nder des Trägervereins "Ettenheimer Musikfreunde" und Mitglied des musikalischen Beirats, der für das Programm verantwortlich ist.

BZ: Herr Scholz, der diesjährige Musiksommer beginnt – wie es schon mehrfach der Fall war – mit einer "Harmoniemusik", gefolgt von einem Liederabend, einem Klavierabend und einem besonderen Ensemble. Das sind Elemente, die im Musiksommer wiederkehren. Hat sich da eine Programmstruktur etabliert?

Ernst Scholz: Das kann man so sagen. Der Ettenheimer Musiksommer bietet Musik aus der Zeit des Übergangs vom Barock zur Klassik zur Romantik. Auch möchten wir uns daran orientieren, wie die damaligen Hörer diese für sie zeitgenössische Musik gehört haben. Deshalb Harmoniemusiken, deshalb Schuberts "Winterreise" oder Beethovens "Les Adieux" mit einem Hammerflügel. Zugleich wollen wir unterschiedliche musikalische Gattungen präsentieren. Manchmal ist es einfach so, dass die Finanzen unseren Wünschen und Ideen eine Grenze setzen, manchmal – wie in diesem Jahr – ist es ideal.



BZ: Was ist das besondere an der Auftaktveranstaltung mit dem Ensemble um Stefan Buri?

Scholz: Zum einen das Werk selbst. Josef Triebensee, der Arrangeur, war Oboist und mit Mozart bekannt. Er hat sofort nach der "Don Giovanni"-Premiere 1787 in Prag reagiert und die Oper zu einer Harmoniemusik umgearbeitet, weil er das kommerzielle Potenzial sah. Opern und Sinfonien erfordern hohen Aufwand. Die Harmoniemusiken dagegen konnten praktisch auf der Straße spielen oder beim Gartenfest des wohlhabenden Herrn Soundso. Deshalb auch Holzbläser. Die sind im Freien weniger empfindlich als Streichinstrumente. Durch diese Bearbeitungen wurden Melodien aus Opern oder Sinfonien ungemein bekannt – nur, dass Mozart finanziell nichts davon hatte, denn es gab noch kein Urheberrecht. Am Samstag wird das Besondere sein, dass Stefan Buri die Art der Bearbeitung erläutert und durch die Oper führt. Es wird höchst unterhaltsam.

Nächstes Jahr wird die Bibliothek des Altdorfer Schlosses zum Konzertsaal

BZ: Die Aufführung findet in der Kirche Altdorf statt. Ist der Musiksommer zu ersten Mal dort?

Scholz: Nein, wir waren dort vor zwei, drei Jahren schon einmal zu Gast. Die Kirche eignet sich sehr gut, von der Größe wie von der Akustik her. Sankt Bartholomäus in Ettenheim ist zwar wunderschön, aber einfach zu groß. Wir haben die Absicht, dem Ettenheimer Musiksommer weitere Aufführungsorte zu erschließen. Dazu wird die Kirche Altdorf gehören. Im nächsten Jahr ist erstmals ein Konzert in der Bibliothek des Altdorfer Schlosses geplant, ein interessanter Ort, der zeitlich wunderbar zu unseren Programmen passt.