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31. Juli 2012

Leitartikel

Euro-Schuldenkrise: Gefährliche Spiele

Euro ohne Griechenland oder Haftungsunion – das ist ein falscher Streit

Wenn Selbstverständlichkeiten zur Nachricht werden, ist Gefahr im Verzug. Die EZB, so verkündete vor dem Wochenende ihr Chef, Mario Draghi, werde alles tun, was zum Schutz des Euros notwendig ist. "Und glauben Sie mir, das ist genug". Ähnlich äußerten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande, nicht ohne mahnend hinzuzufügen, um die Eurozone zu schützen, müssten die Mitgliedstaaten, wie auch die europäischen Institutionen, jeweils in ihrem eigenen Kompetenzbereich ihren Verpflichtungen nachkommen. Und Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker watschte deutsche Politiker ab, die sich den Luxus erlaubten, andauernd Innenpolitik in Eurofragen zu machen.

Es kracht gewaltig in der Eurozone. Hinter den Kulissen tobt der Streit um den richtigen Weg aus der Eurokrise. Und die öffentlichen Äußerungen dienen nicht nur der Schwächung des politischen Widerparts, sondern auch der Beförderung der eigenen Position. Wobei die staatsmännische Sorge allzu häufig von kleinkariertem Parteiinteresse überlagert wird.

Im Kern geht es um die Frage, zu welchem Preis vor allem Deutschland zu einer gemeinsamen Haftung in Europa überredet werden kann. Dabei bewegen sich beide Seiten in riskanten Szenarien. Die Gegner einer solchen Haftungsgemeinschaft räsonieren öffentlich über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone, der angeblich seinen Schrecken verloren habe. Die Befürworter setzen darauf, dass der anhaltende Vertrauensverlust in den Euro, die Akteure auf den Finanzmärkten dazu verleitet, immer mehr Geld abzuziehen. Um dem entgegenzuwirken, müsse Deutschland einer Haftungsunion zustimmen. Rasch, das heißt ohne eine Stärkung der europäischen Institutionen und kontrollierbare und wirksame Sanierungskonzepte in den überschuldeten Südländern. Beide Seiten hoffen auf einen Befreiungsschlag. Während die einen auf die reinigende Wirkung eines Gewitters setzen, wollen die anderen das Misstrauen der Märkte mit Geld ersticken.

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Doch diese Hoffnung könnte trügen. Ein Austritt Griechenlands dürfte – ähnlich wie der Schuldenschnitt – die Zweifel an der Zukunft des Euro eher befördern und Anleger veranlassen, ihr Engagement in Spanien, Portugal oder Italien zu verringern. Die Befürchtung ist: Wenn Europa Griechenland fallenlässt, warum sollte sie dann andere stützen? Ein bedingungsloses Einschwenken in Richtung Haftungsunion könnte andererseits als Signal für ein Weiterwursteln verstanden werden. Das aber würde rasch auch die Finanzkraft der starken Euroländer überfordern. Zwar wissen wahrscheinlich alle, dass sie Europa und den Euro brauchen, sie widersetzen sich aber der Konsequenz, dass es dafür gemeinsamer Spielregeln und gegenseitiger Haftung bedarf. Statt entschlossen am Zusammenwachsen Europas zu arbeiten, tut jeder nur immer den Schritt, zu dem er gezwungen wird. So aber kann kein Vertrauen entstehen, steigen die Kosten der Krise unaufhörlich, wächst das Risiko einer unkontrollierten Entwicklung.

In dieser Situation fällt der Blick auf die Europäische Zentralbank als einzige rasch handlungsfähige Institution in Europa. Sie soll nun durch den massenhaften Kauf von Staatsanleihen die Märkte beruhigen und der Politik die Zeit verschaffen, die sie braucht, um die Beschlüsse des jüngsten Gipfeltreffens umzusetzen und möglicherweise noch weiterreichende Schritte zu beschließen. Ein gefährlicher Weg. Gelingt es der Politik erneut nicht, die so gewonnene Zeit zu nutzen, dann setzt sie ein Schneeballsystem in Gang, dessen Lawine nicht nur den Euro unter sich begraben könnte. Die Frage ist nur, ob Europa noch eine weniger riskante Alternative hat. Und ob die Verantwortlichen endlich begreifen, dass die Zeit des Taktierens vorbei ist.

Autor: Thomas Hauser


16 Kommentare

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Thomas Bender

Registriert seit: 04.02.2010

Kommentare: 2508

31. Juli 2012 - 09:13 Uhr

FYI: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/schuldenkrise-in-europa-eu-staaten-wollen-euro-schutzschirm-ohne-limit-1.1426870

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Peter Matulla

Registriert seit: 18.09.2010

Kommentare: 540

31. Juli 2012 - 10:18 Uhr

Geld für Alle, Deutschland haftet! Die Gefahren, die Herr Homburger im ESM-Vertrag sieht, sind real, noch bevor er in Kraft ist.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/schuldenkrise-retten-ohne-ende-11832561.html?google_editors_picks=true

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Jürgen Steinke

Registriert seit: 22.02.2010

Kommentare: 196

31. Juli 2012 - 16:03 Uhr

Was soll das? Billiges Geld hat doch sehr viele der jetzigen Probleme erst ausgelöst. Die Befürworter der Strategie "mehr davon" sollen doch bitte erklären, was die Krisenstaaten dazu bewegen soll durchgreifende und sicherlich schmerzhafte Reformen zu vollziehen, wenn der Druck wegfällt. Das ist doch in der Vergangenheit nicht passiert aus Angst vor den Wählern oder aus Unfähigkeit. Nur weil das Geld so billig war konnte sich die westliche Welt in einem nie gekannten Ausmaß verschulden. Und das ist ja der Kern des Problems.

Nein, diese Politik ist gescheitert. Ein schmerzhafter Anpassungsprozess mit sinkenden Löhnen, staatlichen Transferleistungen, späterem Renteneintritt, Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der betroffenen Länder lässt sich nicht mehr aufschieben. Und beispielsweise Einbrüche bei Wirtschaftswachstum, steigende Arbeitslosigkeit müssen für eine gewisse Zeit hingenommen werden. Denn natürlich kann die Gleichung nicht aufgehen: Sanierung ohne spürbare Folgen. Die Therapie kann nicht sein, ernsthaft Kranken eine Aufputschpille zu geben. Oder anders gesagt: Drogenabhängigen (oder Kreditabhängigen) weiter ihren Stoff. Billiges Geld ist genau das. Vielmehr muss klar sein, dass es lediglich Hilfe zur Selbsthilfe gibt. Unter festgelegten Bedingungen. Natürlich gibt kein Gläubiger bedingungslos Geld. Aus gutem Grund!

Es bringt null und nix die Vorräte der reichen Onkels und Tanten anzugreifen, solange die Hungernden nicht auch selbst beginnen ausreichend Land zu bestellen, von dem aus genug geerntet werden kann zur Selbstversorgung. Sind die Vorräte weg, hat sich nur eins geändert. Ab jetzt hungern alle. Und dann ...?!

Verantwortliche Politik, die auch an folgende Generationen denkt, muss das verhindern. Ich hoffe inständig, Herr Schäuble, Herr Weidemann (Präsident Bundesbank) und Frau Merkel bleiben hart. Falls nicht, können sie ihre Wiederwahl vergessen. Und viel wichtiger: Sie werden eben nicht als Retter der Eurozone in die Geschichtsbücher eingehen, sondern als jene, die zu deren wirtschaftlichem Niedergang durch unverantwortliches Handeln beigetragen haben.

Ein Letztes. Herr Juncker und Herr Asselborn aus Luxemburg, werfen Deutschland Egoismus vor. Ich werfe den beiden vor, dass sie die Interessen des Finanzplatzes Luxemburg mindestens so im Blick haben wie jene Europas. Und Herr Draghi, der jetzige Präsident der EZB, der ins gleiche Horn stößt, war lange im Management von Goldman Sachs, einem der profitabelsten Finanzinstitute der Welt. Ich erwarte selbstverständlich von unseren Deutschen Politikern, dass sie unsere Interessen wahren. Dafür sind sie gewählt und darauf haben sie einen Eid geschworen.

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Rainer Brombach

Registriert seit: 11.11.2011

Kommentare: 870

31. Juli 2012 - 18:01 Uhr

Dem ist eigentlich nur eines hinzuzufügen Herr Steinke.

Es wäre das Beste, wenn Südeuropa einschließlich Frankreich Ihre Vorschläge eins zu eins übernehmen würden, es dürfte leider unmöglich sein, das politisch durchzusetzen.

Daher hat Deutschland nur eine realistische Option. Die Rückkehr zum No-Bailout-Euro. Den haben wir Frankreich für die Wiedervereinigung versprochen und keinen Cent mehr. Wenn Frankreichs politische Klasse zu schwach ist, die Notwendigkeiten einer harten Währung im eigenen Land durchzusetzen, sollen Sie uns von unserer Verpflichtung zu einer europäischen Währung entbinden. Danach geht jeder wieder seine eigenen wirtschaftspolitischen Wege.

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Thomas Bender

Registriert seit: 04.02.2010

Kommentare: 2508

31. Juli 2012 - 20:05 Uhr

FYI: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/sahra-wagenknecht-und-michael-hudson-im-gespraech-nicht-der-euro-wird-gerettet-sondern-eine-ideologie-11837817.html

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Jürgen Steinke

Registriert seit: 22.02.2010

Kommentare: 196

31. Juli 2012 - 22:53 Uhr

Also Interviews mit Frau Wagenknecht sind immer wieder unterhaltsam. Wie man derart Ursache und Wirkung verwechseln kann wie sie, ist schon bemerkenswert.

Griechenland betrügt beim Euroeintritt und fälscht Bilanzen. Griechenland ist in wichtigen Teilen seiner Gesellschaft korrupt. Griechenland hat keine funktionierenden Finanzämter und keine Steuerfahndung. Griechenland hat kein Geschäftsmodell und stellt nichts her, was auf den Weltmärkten gefragt ist. Aber es verteilt Geld, als gebe es kein Morgen.

Schuld an der Misere sind nach Meinung von Frau Wagenknecht dennoch die internationalen Finanzmärkte. Wann begreifen auch Linke, dass man nur das Geld ausgeben kann, das man verdient hat. Und dass die Schuld bei denen liegt, die notorisch mehr Geld ausgeben, als sie verdienen. Das geht weder bei Privathaushalten auf Dauer, noch bei Staaten.

Dass Finanzmärkte besser reguliert werden müssen, ist eine Tatsache. Das hat aber mit den Problemen in Griechenland wenig zu tun. Selbst Deutschland hatte die letzten 60 Jahre so gut wie nie einen ausgeglichenen Haushalt und die öffentlichen Hände haben 2 Billionen Euro Gesamtschulden angehäuft. Der Bund alleine zahlt für seine Schulden mehr als 30 Milliarden Euro Zinsen pro Jahr.

Ist das die Schuld der gierigen Finanzmärkte? Oder hat man kontinuierlich über seine Verhältnisse gelebt und hat sich nicht darum gekümmert, wie das endet? Politiker und das Volk in Gesamtheit? Die Wähler in den Demokratien haben immer gerne genommen und jene bestraft, die dem Einhalt gebieten wollten. Gerhard Schröder mit seiner Agenda 2010 war ein Projekt, das aufzeigte was passiert, wenn genommen statt gegeben wird.

Deutschland ist ebenfalls hoch verschuldet. Deutschland nahm und nimmt über die letzten 18 Monate in Summe mehr Steuern ein als jemals in der Geschichte. Und dennoch gibt es in Bund, Ländern und Gemeinden mit ganz wenigen Ausnahmen keine ausgeglichenen Haushalte. Das macht klar, wo das eigentliche Problem liegt. Die Politiker westlicher Demokratien wollen gewählt werden. Das schaffen die in der Regel mit Versprechungen ans Volk, die mit Schulden finanziert werden. Erst wenn das Volk jene Politiker bestraft, die nicht mit Geld umgehen können anstatt jene zu belohnen die nicht gedeckte Schecks auf die Zukunft verteilen, wird sich Grundlegendes ändern.

Oder muss erst die Demokratie als Projekt beerdigt werden?

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Harald Meierhofer  

Harald Meierhofer

Registriert seit: 12.09.2011

Kommentare: 2115

01. August 2012 - 00:25 Uhr

Herr Steinke, Sie haben ja überhaupt nicht verstanden, wovon Hudson und Wagenknecht sprechen.

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Jürgen Steinke

Registriert seit: 22.02.2010

Kommentare: 196

01. August 2012 - 07:55 Uhr

Frau Wagenknecht bedient ihr Lieblingsthema. Die Zocker an der Spitze. Finanzinstitute und Finanzmärkte. Dazu zählen beispielsweise Versicherungen, die für mich Rendite erwirtschaften sollen, denn meine ganze Rente ist privat finanziert. Wie die von Millionen. Meine Versicherung zockt also gewisser Maßen in meinem Auftrag. Und zwar in der Hoffnung, zumindest die ca. 3% Mindestrendite für mein Kapital zu erzielen.

Wie sich Billionen Verbindlichkeiten von Staaten in Luft auflösen sollen, ohne dass es gewaltige Erschütterungen auf den Märkten gibt und keine Effekte bei kleinen Leuten wie mir, ist und bleibt ihr Geheimnis.

Ich bleibe dabei: Nicht die Zocker an den Finanzmärkten sind hauptsächlich das Problem, sondern unverantwortliches Wirtschaften in quasi allen Gesellschaften der westlichen Welt. Zu einem Schuldenstop mit allen Konsequenzen und langsamem Schuldenabbau gibt es nach meiner festen Überzeugung keine Alternative.

Wie man diesen Schuldenabbau gestaltet, ist eine zweite Frage. Aber sicher nicht so, wie sich das Frau Wagenknecht vorstellt.

Übrigens führte die FAZ dieses Interview im Feuilleton und nicht im Wirtschaftsteil. Vielsagend.

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Harald Meierhofer  

Harald Meierhofer

Registriert seit: 12.09.2011

Kommentare: 2115

01. August 2012 - 09:21 Uhr

Herr Steinke, "Übrigens führte die FAZ dieses Interview im Feuilleton und nicht im Wirtschaftsteil. Vielsagend. "

Nein. Bei der FAZ völlig normal. Das Wirtschaftsressort ist streng auf neoliberalem Kurs. Das Feuilleton der FAZ ist bekannt dafür, sich auch politischer Themen anzunehmen, und es besitzt eine größere Unabhängigkeit vom Verlag.

Inhaltlich springen Sie nur auf ein Buzzword an, ohne sich tatsächlich mit dem Gesagten auseinander zu setzen. Sie erwarten 3% Rendite von der Lebensversicherung? Mit welchem Recht? Wo kann man den 3% Redite erwirtschaften? Doch nur da, wo man auch ein entsprechendes Risiko eingeht. Indem *SIE* (und viele andere) verlangen, dass die Versicherung diese Rendite erwirtschaftet, setzen Sie die Versicherung unter Druck. Also wird diese Versicherung in riskantere Anlageformen investieren. Aber es ist immer noch *IHR* Geld, und es ist *IHR* Risiko. Sie müssen also einen teilweisen Verlust mit einkalkulieren. Das ist das Risiko, das jeder Anleger eingeht. Leute wie Sie, mit mehr oder weniger Marktmacht, die unrealistische Renditeerwartungen haben, sind mitverantwortlich für diese Krise. Sie wollen, dass auf Teufel komm raus "gespart" wird, wollen aber doch eigentlich nur Ihre Zinsen retten.

Eine Altersvorsorge auf Zinsen zu bauen, ist eben riskant. Es gibt bei reinen Finanzinvestitionen keine Garantien. Nur größere oder kleiner Risiken. Ein Restrisiko bleibt, und damit müssen Sie sich abfinden.

Es geht nicht an, dass Millionen von Menschen leiden, nur weil Sie nicht einsehen, dass Sie eben das Risiko tragen müssen.

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Jürgen Steinke

Registriert seit: 22.02.2010

Kommentare: 196

01. August 2012 - 13:58 Uhr

Gehören persönliche Angriffe zu Ihrem Stil?

Die 2,75 Prozent Rendite sind derzeit bei Neuabschlüssen von Lebensversicherungen gesetzlich garantiert, bei Altverträgen ist sie leicht höher. Der Staat begrüßt die private Altersvorsorge und will sie weiter fördern. Aus gutem Grund. Niemand verleiht Geld mit der Gefahr, es nicht wieder zu bekommen. 3% Rendite ist 1% über der Inflationsrate. Ist das Spekulation oder Wucher? Millionen Normalverdiener haben einen Sparvertrag oder eine Lebensversicherung. Gut so!

Diese Menschen haben die berechtigte Erwartung, dass Ihre Spargroschen nicht im jenem Schuldensumpf verschwinden, der von unverantwortlichen Regierungen über Jahrzehnte verursacht wurde. Diesen rechtschaffenen Menschen vorzuwerfen, sie seien Spekulanten und letztlich Schuld an der Krise, ist grotesk und das Gegenteil der Wahrheit.

Kein weiterer Kommentar.

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Harald Meierhofer  

Harald Meierhofer

Registriert seit: 12.09.2011

Kommentare: 2115

01. August 2012 - 14:07 Uhr

Sie haben immer noch nichts verstanden, Herr Steinke.

Sie können nur eine Rendite erwarten *wegen* der Verschuldung. Wo sollen die ganzen Pensionsfonds denn das ganze Geld hintragen zur wundersamen Vermehrung? In der Realwirtschaft lässt sich so eine Rendite nicht erzielen.

Dass bei Lebensversicherungen ein Zins gesetzlich vorgeschrieben wird, halte ich für falsch.
Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass im Finanzmarkt eine Rendite nur erzielt werden kann, wenn sich *irgendjemand* das Geld leiht.

Eine Kapitalrendite erwarten wollen und über die Verschuldung jammern ist schizophren.

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Thomas Bender

Registriert seit: 04.02.2010

Kommentare: 2508

01. August 2012 - 14:30 Uhr

Hr. Steinke,

der Garantiezins für Lebensversicherungen ist an die durchschnittliche Umlaufrendite zehnjähriger Staatsanleihen gebunden. Diese Renditen sind in den letzten Jahren stark gefallen. Aktuell sind diese sogar negativ. Der Garantiezins liegt 2012 daher nur noch bei 1,75% (für Neuabschlüsse) und er wird wohl weiter sinken. 2,75% ist der Wert von 2004. Wenn sie heute eine Lebensversicherung abschließen, können sie damit noch nicht einmal den Inflationsverlust ausgleichen.

Sie beklagen sich hier darüber, dass Staaten Schulden machen. Vertrauen aber auf private Lebensversicherungen. Was sie nicht verstanden haben ist, dass das Geschäftsmodell dieser privaten Anbieter genau darauf basiert, dass Staaten Schulden machen. Täten sie das nämlich nicht, gäbe es für sie keine Rendite.

Darüber hinaus fördert der Staat die private Altersvorsorge nicht aus Überzeugung, weil sie gut und sinnvoll ist, sondern weil Politiker seit Jahren am Gängelband der Finanzindustrie hängen. Aber scheinbar scheinen sie das bisher nicht wahrgenommen zu haben. Ihr Blick scheint nur auf die persönliche Rendite fokusiert. Dass Hr. Meierhofer ihnen da einen gewissen Egoismus unterstellt, ist m.A. nicht ganz abwegig.

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Jürgen Steinke

Registriert seit: 22.02.2010

Kommentare: 196

01. August 2012 - 14:52 Uhr

In der Realwirtschaft lassen sich keine Renditen über 3% erzielen? Definitiv falsch! Die Renditen in der Privatwirtschaft sind bei so gut wie allen gut gehenden Unternehmen höher.

Nirgendwo war davon die Rede, dass ein Staat überhaupt keine Schulden machen dürfte, beispielsweise zur Finanzierung von Infrastruktur. Problematisch wird es, wenn Schulden gemacht werden für das Bezahlen von Gehältern und Pensionen. Problematisch wird es zudem, wenn die Schuldenlast nie sinkt, sondern andauernd steigt, wie zuletzt in der westlichen Welt. Und der Grund dafür ist das Aufschieben von notwendigen Reformen.

Es ist richtig, dass die Garantierendite derzeit nicht 2,75 sonder 1,75% ist. Da ist mir ein Fehler unterlaufen.

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Thomas Bender

Registriert seit: 04.02.2010

Kommentare: 2508

01. August 2012 - 15:02 Uhr

Natürlich kann man in der Realwirtschaft Renditen über 3% erzielen. So wie z.B. Bosch 2011 mit gut 6,5%. Diese 6,5% sind aber der höchste Wert, den Bosch jemals erzielt hat, also quasi das Ende der sprichwörtlichen Fahnenstange. Und faul sind die bei Bosch sicherlich nicht.

Aber welche Renditen strebte z.B. die Deutsche Bank unter Ackermann an? 25% plus. Und die wurden auch erreicht. Wie geht das?

Der ehemalige Bosch-Chef Fehrenbach überraschte dazu letztes Jahr mit einer eigenen Wortmeldung:

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/jetzt-auch-fehrenbach-unternehmer-knoepfen-sich-die-banken-vor/4583630.html

Bonmots:

„Da können Sie in der Realwirtschaft schuften und machen, was Sie wollen, gegen diese Spekulation kommen Sie nicht an“, sagte er am Montagabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. Die Finanzmärkte seien wieder kurz davor, die Weltwirtschaft in eine neue Krise zu reißen.

Jetzt können sie den natürlich auch wieder einfach als "Linken" verschreien...

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Jürgen Steinke

Registriert seit: 22.02.2010

Kommentare: 196

01. August 2012 - 15:36 Uhr

Ich will und kann Sie nicht überzeugen. Jeder soll seine Meinung haben.

Nur warum übertreiben Sie so? Ich teile die Meinung von Herrn Fehrenbach ausdrücklich. Ich verurteile die Auswüchse in der Investmentbranche, die Megagehälter und Abfindungen einiger Absahner in dieser "Industrie". Ich selbst mit meinem Unternehmen bin froh, wenn wir genug Gewinn erwirtschaften um beispielsweise neue Computer anschaffen zu können.

Aber bitte - was hat das mit meiner Lebensversicherung und einer Rendite von 2 bis 3 Prozent zu tun, die ich abgeschlossen habe und die gerade mal verhindert, dass meine Sparbeträge durch die Inflation aufgefressen werden?

Bei aller gerechtfertigter Kritik an Teilen der Finanzbranche sollte man dennoch nicht das Kind mit dem Bad ausschütten. Und es ist nunmal so, dass die völlig ungezügelte Schuldenmacherei, ausgelöst durch billiges Geld der Zentralbanken, Staaten dazu verführte, unangenehme Reformen aufzuschieben und sich immer weiter zu verschulden. Bis hin zur drohenden Zahlungsunfähigkeit. Wäre der Schuldzins bei Staatsanleihen beispielsweise bei 5% geblieben, hätte Griechenland vermutlich heute nicht den Schuldenstand, den es hat, weil die Dauerkredite zu teuer geworden wären. An diesem Beispiel sieht man, dass Zins auch durchaus ein gutes Steuerungsinstrument sein kann.

Nur zur Sicherheit nochmals: Auch den Exzessen innerhalb der Finanzindustrie soll die Politik möglichst bald ein Ende bereiten. Aber das ist ein separates Thema

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Thomas Bender

Registriert seit: 04.02.2010

Kommentare: 2508

01. August 2012 - 16:00 Uhr

Hr. Steinke,

ich möchte sie abschließend noch auf einen aktuellen Beitrag aus dem Handelsblatt hinweisen:

http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge-versicherung/nachrichten/riester-ruerup-und-lebensversicherung-die-versicherer-haben-in-der-altersvorsorge-versagt/v_detail_tab_print/6915654.html

Zur weiteren Vertiefung des Themas hätte ich da auch noch einen Buchtipp für sie:

http://www.buchhandlung-rombach.de/shop/action/productDetails/17963211/david_graeber_schulden_3608947671.html?aUrl=90008116&originalSearchString=schulden

Eine Rezension zum Buch von FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/kapitalismus/eurokrise-und-vergib-uns-unsere-schulden-11527296.html

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