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03. September 2010 09:22 Uhr

Trend

Eurobike: Das E-Bike ist nicht aufzuhalten

Alte, Kranke und Bequeme: So ungefähr hat der Radler, der sich allein auf seine Muskelkraft verlässt, bislang die Radfahrer charakterisiert, die sich zusätzlich eines Elektromotors bedienten, um vorwärts zu kommen. Vieles deutet darauf hin, dass die klassischen Radfahrer ihr Bild vom E-Biker korrigieren müssen.

  1. Das E-Bike "Black Trail" vom Regensburger Fahrradhersteller PG auf der Fahrradmesse Eurobike. Foto: dpa

Das für die ältere Zielgruppe konzipierte Oma-Rad gibt es zwar auch noch, zunehmend kommen jedoch Zweiräder mit Elektromotor auf den Markt, die auch bei jüngeren Käufern Interesse finden – bis hin zum Mountainbike. Die meisten E-Bike-Hersteller legen inzwischen viel Augenmerk darauf, die Antriebs- und Batteriekomponenten möglichst elegant in das Fahrrad-Design zu integrieren. Eine der elegantesten Mountainbike-Varianten hat bei der Eurobike Cannondale vorgestellt, wenn auch nur als Prototyp. Der Akku ist im Rahmen versteckt.

Akkus halten länger durch

Aufgrund der demografischen Entwicklung werden ältere Menschen sicherlich die größte Zielgruppe der Hersteller bleiben. Hinzu kommen vermehrt Tourenfahrer; verbesserte Akkus ermöglichen größere Distanzen. Neu in den Fokus sind aber auch Pendler gerückt, die auf das Auto verzichten, aber nicht verschwitzt am Arbeitsplatz erscheinen wollen. Im Stadtverkehr sind E-Bikes dem Auto meist ohnehin überlegen.

Für dieses Jahr haben die Hersteller ihre Erwartungen bereits kräftig nach oben geschraubt. Bis vor kurzem wurde der Absatz von 180 000 Elektrofahrrädern erwartet, jüngst wurde die Zahl auf     200 000 korrigiert. Das wären 33 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Im Vergleich zu den jährlich etwa vier Millionen in Deutschland verkauften Fahrrädern ist das immer noch wenig. Fast alle Experten sind sich jedoch einig, dass die Expansion auf diesem Markt weiter gehen wird.

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Bis vor kurzem hatten sich nur einige Pioniere mit dem Stromrad beschäftigt, die von vielen nicht so richtig ernst genommen wurden. Das hat sich inzwischen total geändert: Bei der Eurobike stellen über 100 Hersteller Fahrräder mit Elektroantrieb vor. Darunter so gut wie alle Großen der Branche. Bosch, Giant (weltgrößter Fahrradhersteller) und Shimano beschäftigen sich verschärft mit dem Thema. Der den Weltmarkt dominierende japanische Komponentenhersteller stellt in Friedrichshafen einen leistungsfähigen Akku vor, der sich in nur einer Stunde vollständig aufladen lässt. Auf den Markt kommen soll er 2011.

Die Akkus sind auch die Komponente mit dem größten Entwicklungspotenzial. Die Batterien waren lange der Schwachpunkt an den Elektrofahrrädern. Hinsichtlich der Reichweite, der Zuverlässigkeit, der Ladekapazität und Aufladezeit wurden zwar enorme Fortschritte erzielt. Die Lebensdauer ist aber immer noch eingeschränkt, so dass je nach Fahrpraxis nach einigen Jahren einige hundert Euro für einen neuen Akku fällig werden – nach heutigen Preisen.

Kein Führerschein für Pedelecs nötig

Aber was sind das eigentlich genau – E-Bikes? Die Rede ist hier von Fahrrädern, deren Elektromotor seine Leistung nur dann entfaltet, wenn die Pedale getreten werden. Das sind die sogenannten Pedelecs (Pedal Electric Cycle). Hier wird in Deutschland zwischen einer beschränkten und unbeschränkten Tretunterstützung unterschieden. Bei den Beschränkten setzt der Motor aus, wenn man schneller als 25 km/h fährt. Die Straßenverkehrsordnung verlangt für diese Pedelecs weder einen Führerschein noch eine Versicherung. Das ist bei den Fahrrädern mit unbeschränkter Tretunterstützung anders: Diese sind versicherungspflichtig, und wer mit ihnen fahren will, muss einen (Mofa-)Führerschein haben.

Fahrräder mit einem Elektroantrieb, der auch ohne eigenes Treten einsetzt, gelten als Kleinkrafträder und nicht mehr als Fahrräder, mit allen rechtlichen Konsequenzen bezüglich der Helmpflicht, des Führerscheins und der Versicherungen.

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Autor: Klaus Rütschlin