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03. August 2015 16:16 Uhr

Schuttertaler Holzfällermeisterschaften

Eurojack: Kettensägen in schwindelnder Höhe

Bei den Holzfällermeisterschaften in Schuttertal holte in der Gesamtwertung und der Eurojack-Wertung im Einzelwettkampf Pirmin Gnädiger (Schweiz) Platz Eins.

  1. Pirmin Gnädiger Foto: Heidi Foessel

  2. Foto: Heidi Foessel

  3. Foto: Heidi Foessel

SCHUTTERTAL. Es riecht nach Sägespänen und Motoröl. Und daneben nach guter Hausmannskost. Tausende Besucher fieberten am Sonntag bei steigenden Temperaturen dem Finale der Eurojack-Meisterschaften am Schuttertäler Eichberg entgegen. Gut 200 Helfer aus dem Schuttertal haben zusammen mit dem Ringsportverein (RSV) duie nunmehr 37. Meisterschaft wieder organisiert.

Am Nachmittag standen die letzten Disziplinen des legendären Holzfällerwettbewerbs Eurojack an: Springboard und das Treetopping in zehn Metern Höhe. Kenner wissen, was das heißt: In einen 1,70 Meter hohen Baumstamm muss schnell eine Kerbe geschlagen werden, in die das Springboard eingeklemmt wird, und mit viel Kraft und Gleichgewichtssinn springen die Wettbewerber darauf. Und sägen den Stamm fast gleichzeitig voll durch. In Sekundenbruchteilen eilen sie dann zu ihren Zeitglocken und schlagen sie ab. Schweiß fließt – das Publikum feuert an. Anschließend das Treetopping. In Sicherheitsgurte eingepackt und mit Seilen von ihren Partnern am Boden gesichert, klettern die Kandidaten mit Steigeisen zehn Meter hohe Baumstämme hinauf. Oben ist ein Querstamm eingepflanzt. Am farbig markierten Ring gilt es, eine Holzscheibe – fehlerfrei – herauszusägen. Das alles dauert nur wenige Augenblicke.

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Doch währenddessen brodelt es auf der Zuschauerwiese am Hang, vom Festzelt aus und auch auf der Holztribüne: Jeder feuert seinen Favoriten an. Auch der Elsässer Marc Tussin, der seit Jahrzehnten zu den Moderatoren gehört, fiebert mit. Elsässisch und Deutsch geraten da ein wenig durcheinander: Sein Favorit heißt Florian Schleich, ist erst 22 Jahre alt und kommt aus Schirrhein. Dort haben die Mannschaftskollegen des RSV mit ihrem befreundeten elsässischen Basketball-Verein noch im März auf die Meisterschaft trainiert. Jetzt hängt Florian in zehn Metern Höhe: zack! Die Holzscheibe segelt zu Boden. Johlender Applaus. Man weiß nicht, ob die Sportler es Eichhörnchen oder behenden Braunbären gleichtun: Kraft, Gleichgewichtssinn, Schnelligkeit und ein geschickter Umgang mit Motorsäge und Holzbeil – das ist es, was sie den Zuschauern an zwei Tagen meisterhaft vorgeführt haben. Sportexperten fachsimpeln, der einfache Zuschauer staunt und kann Kamera oder Smartphone schier nicht mehr aus der Hand legen.

Inzwischen studiert Robert Vögele, Teilnehmer aus Schuttertal, die ersten Auswertungstafeln. Sein Kopf ist hoch-rot, in der Hand hält er ein Erfrischungsgetränk. Was war heute für ihn die schwierigste Disziplin? "Springboard, der Baumstamm hat ganz schön gewackelt. Aber das gehört dazu", sagt er. Und seine Lieblingsdisziplin? Auch Springboard. Der Mann scheut keine Herausforderungen. Auch im nächsten Jahr will er wieder antreten.

Der Holzfällersport, das ist bei ihm schon fast eine Familienangelegenheit. Nicht nur, dass er seit Jahren mitmacht. Sein Bruder Anton und sein Neffe Markus sind ebenfalls dabei. Alle drei schaffen es in die Finalwertung, wenn auch nicht auf die Siegertreppchen. Markus wird an diesem Tag Fünfter, Robert Achter und Anton Zwölfter von 20 Wettbewerbern. 39 hatten sich angemeldet. Das ist mehr als nur ein Achtungserfolg. Denn für die Gesamtwertung nach Punkten stehen noch die Meisterschaften in Tschechien aus. Auch dort kann man sich noch weiter qualifizieren. Zumindest der fünfte Platz für Markus ist da schon einmal eine gute Ausgangsposition für den Europameister. Robert Vögele ist im richtigen Leben Gärtnermeister – und eben völlig schwindelfrei. Wer einen hochgewachsenen Problembaum daheim hat, dem braucht also nicht um den Helfer bange zu sein.
Gewinner im Eurojack

Der Sieger: In der Gesamtwertung und der Eurojack-Wertung im Einzelwettkampf in Schuttertal belegte Pirmin Gnädiger (Schweiz) Platz Eins.

Auf den weiteren Plätzen folgten 2. Christophe Geissler (Schweiz), 3. Armin Kugler (Österreich), 4. David Sila (Tschechien), 5. Markus Vögele (Schuttertal), 6. Cyril Papst (Schweiz), 7. Simon Himmelsbach (Schuttertal) und 8. Robert Vögele (Schuttertal).

Weitere Bilder in der Fotogalerie unter http://www.badische-zeitung.de

Autor: bets