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12. Juni 2012

Leitartikel

Europa und die Schulden: Der Zauber der Krise

Europa kann nicht wachsen, wo der alte Geist der Verschwendung herrscht

Was passiert, wenn ein Stück Kohle unter Druck gerät? Im Idealfall verwandelt sich der schwarze Klumpen in einen funkelnden Diamanten. Unter den Verfechtern eines geeinten Europas gibt es nicht wenige, die erhoffen sich von der Schuldenkrise einen ähnlichen Zauber. Unter dem Druck der Finanzmärkte werde sich die europäische Zweckgemeinschaft doch noch in die Vereinigten Staaten von Europa verwandeln – allen Fliehkräften zum Trotz. Wenn sich die Europabegeisterten mal bloß nicht täuschen.

Tatsächlich plagt sich Europa seit Jahren mit der Krise ab, ohne dass die europäische Idee an Schwerkraft zugelegt hätte. Gewiss, man hangelt sich von Rettungsschirm zu Rettungsschirm und entwirft in immer kürzeren Abständen immer weitreichendere Notprogramme. Aber sonst? In Griechenland gilt längst als ausgemacht, dass eine Kombination aus deutschem Panzer und Brüsseler Griffelspitzerei die Wiege der Demokratie kaputtspare. In Spanien ist man nicht etwa dankbar dafür, dass die Gemeinschaft bis zu 100 Milliarden Euro lockermacht, um den Zusammenbruch des Bankenwesens zu verhindern. Stattdessen freut sich Madrid darüber, dass die jüngste Rettungsaktion ohne nationale "Erniedrigung" auf den Weg gebracht wurde. In der Tat verzichtete die Eurogruppe darauf, die Hilfszusagen an Spar- und Reformvorgaben zu knüpfen, die über das Bankensystem hinaus gereicht hätten. Bloß ja keine nationalen Gefühle verletzen! Das war und ist die Devise – und nebenbei hofft man, es mögen in Spanien nach den Banken nicht auch noch die auf horrenden Schulden sitzenden Regionen die Finanznot verschärfen. Ein frommer Wunsch.

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Die Rücksicht auf nationale Befindlichkeiten kommt nicht von ungefähr. Parallel zur Währung ist das europäische Projekt als Ganzes in die Krise geraten. Die Gründe reichen tief. So haben viel zu viele Politiker gerade aus den großen EU-Staaten viel zu lange Europa für ihre Zwecke missbraucht. Mal benötigte eine Regierung einen Bösewicht, dem man die Verantwortung für Unpopuläres zuschanzen konnte, und sei es die Abschaffung der Glühbirne. Dann wieder suchte man sich lästigen Diskussionen zuhause mit dem Hinweis zu entledigen, irgendeine EU-Richtlinie müsse umgesetzt werden (die man im Zweifel selber vorangetrieben hatte). Dadurch litt Europas Ansehen, der Zuspruch beim Bürger sank. Das wiederum erhöhte die Neigung, sich auf nationaler Bühne zu Lasten Europas zu profilieren – der Niedergang des Schengen-Konzepts ist ein Beispiel dafür.

Auf dem Gebiet der Wirtschafts- und Währungspolitik könnten sich die teils geschürten, teils in Kauf genommenen europa-skeptischen Vorbehalte nun als Verhängnis erweisen. Denn zur Rettung des Euro – der ja eine historische Errungenschaft bleibt – dürfte die weitere Integration Europas unumgänglich sein. Eben sie könnte aufgrund der Vorbehalte blockiert werden.

Sollte es so weit kommen, trügen daran allerdings auch einige selbsternannte Großeuropäer Schuld. Wenn zum Beispiel der frühere Außenminister Joschka Fischer so tut, als richte die amtierende Bundesregierung Europa zugrunde, weil sie auf Einsparungen und Strukturreformen als Begleitung der Hilfe beharrt, sitzt er einem Irrtum auf. Das Gegenteil ist richtig: Würde Deutschland als Hauptprofiteur des Euro, aber auch als Hauptfinanzier der EU nicht auf finanzpolitische Solidität dringen, bräche hierzulande jede Unterstützung für Europa weg. Dies wäre das Letzte, was die Eurozone, aber letztlich auch die Europäische Union noch aushalten könnte.

Ein vereintes Europa im Zeitalter globalisierter Märkte kann nicht da wachsen, wo der alte Geist der Verschwendung herrscht. Diese Lektion gilt es noch immer zu lernen. Würde sie eines Tages beherzigt, könnte sich die Krise bis heute in eine Zukunftschance verwandeln – es muss ja nicht gleich ein Diamant sein.

Autor: Thomas Fricker


23 Kommentare

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Thomas Bender

Registriert seit: 04.02.2010

Kommentare: 2511

12. Juni 2012 - 10:57 Uhr

Die Artikel von Hrn. Fricker sind eine der wenigen Lichtblicke in der BZ.

Dennoch hätte ich mir gewunschen, dass das Thema "finanzpolitische Solidität" nicht wieder auf den Aspekt des Sparens reduziert wird. Staatsfinanzen haben eine Ausgaben-, ABER auch eine Einnahmenseite. Diese wurde in den letzten Jahren sträflichst vernachlässigt. Führende Ökonomen pledieren daher z.B. schon lange für höhere Reichensteuern:

http://www.taz.de/!95141/

Diese Debatte wird in den deutschen Medien abseits der Feuilletons aber leider kaum geführt.

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Thomas Bender

Registriert seit: 04.02.2010

Kommentare: 2511

12. Juni 2012 - 11:12 Uhr

Dazu gibt es auch interessante Zahlen aus den USA:

http://www.heise.de/tp/blogs/8/152175

Bonmots:

"Der Median des Nettovermögens der amerikanischen Familie ist 2010 von 126.400 US-Dollar im Jahr 2007 auf 77.300 eingebrochen und damit wieder auf den Stand der frühen 1990er Jahre zurückgefallen. Die Medianfamilie ist reicher als die Hälfte der Familien und ärmer als die andere Hälfte. Während das Vermögen der Medienfamilie um 38 Prozent gefallen ist, schrumpfte das der Durchschnittsfamilie nur um 14 Prozent, was heißt, die Reichen waren von der Krise weniger betroffen."

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Detlef Wolters

Registriert seit: 25.07.2009

Kommentare: 449

12. Juni 2012 - 11:46 Uhr

@Bender
"ABER auch eine Einnahmenseite. Diese wurde in den letzten Jahren sträflichst vernachlässigt."
Das kann ja wohl nicht ernstgemeint sein. Die Steuereinnahmen sind so hoch wie nie, ein Single mit einem zu versteuerndem Einkommen von ca. 52.000 € p.a. zahlt schon den Spitzensteuersatz und die Staatsausgaben werden immer weiter erhöht. Der Staat kassiert bei der großen Allgemeinheit und verteilt bei der gerade aktuellen Klientel. Das ist unabhängig von der Regierung.
Wo wurde denn bisher überhaupt "gespart", also Geld zurückgelegt ?

Wenn Sie das Heil in einer Reichensteuer sehen, dann wünsche ich Ihnen viel Glück. Geld ist ein scheues Reh.

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Rainer Brombach

Registriert seit: 11.11.2011

Kommentare: 874

12. Juni 2012 - 14:21 Uhr

@Harald Meierhofer

Sie sind einem Trick der Sozialdemokraten aufgesessen. Alle Entwicklungen, die nicht in die eigene Ideologie passen, werden bei der SPD nicht in harten Zahlen sondern in Prozent ausgewiesen. Damit kann man jede Steuererhöhung als Steuersenkung verkaufen.

So betrugen die Einnahmen aus der Einkommenssteuer 1999, dem letzten Jahr mit einem Satz von 53%, 195,68 Mrd. €. Im Jahr 2008 betrugen die Einnahmen aus der Einkommenssteuer 233,628 Mrd. €. Bei einer durchschnittlichen jährlichen Inflation von 2% (sie lag tatsächlich niedriger), hat der Staat im Jahr 1999 bei 53% Höchststeuersatz und 23,9% Eingangssteuersatz genauso hohe Einkommenssteuereinnahmen gehabt wie im Jahr 2008 bei einem Höchststeuersatz von 45% und einem Eingangssteuersatz von 14%.

1999 konnte man Immobilieninvestitionen in Ostdeutschland mit 50% der Investionssumme in einem Jahr von der Steuer abziehen. Investitionen in Westdeutschland konnten mit immer noch 50% in 10 Jahren von dem steuerpflichtigen Einkommen abgezogen werden. Kursgewinne waren damals generell steuerfrei. Ihr Vergleich mit Helmut Kohls Einkommenssteuer hinkt daher an allen Ecken und Enden.

Sie sollten zukünftig sehr vorsichtig sein, wenn Ihnen Ihre Lieblingspolitiker etwas beweisen wollen, indem sie Ihnen Prozentzahlen servieren. Man hält Sie dann nicht für besonders clever und unterstellt Ihnen, dass Sie allenfalls die Grundrechenarten beherrschen. Dem sollten Sie dann mutig entgegen treten, und die Offenlage der harten Zahlen fordern. Notfalls unter der Androhung, ansonsten die FDP zu wählen.

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Harald Meierhofer  

Harald Meierhofer

Registriert seit: 12.09.2011

Kommentare: 2115

12. Juni 2012 - 14:39 Uhr

Herr Brombach, mit den Sozialdemokraten habe ich nichts am Hut. Und die Grundrechenarten beherrsche ich aus dem Eff-Eff.

Sie sind aber auf mein Hauptargument, nämlich die durchgängige Niedrigbesteuerung leistungsloser Einkommen und die dadurch enstehende Ungerechtigkeit, überhaupt nicht eingegangen.

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Peter Disch (BZ)  

Peter Disch (BZ)

Registriert seit: 03.06.2009

Kommentare: 627

12. Juni 2012 - 15:32 Uhr

@ Herren Wolters und Meierhofer:

Bitte unterlassen Sie Ihre persönlichen Scharmützel. Danke.

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Rainer Brombach

Registriert seit: 11.11.2011

Kommentare: 874

12. Juni 2012 - 15:49 Uhr

Zins- und sonstige Wertpapiererträge sind Kapitalerträge. Kapital unterliegt im Gegensatz zur Arbeitskraft der Inflation. Rechnen wir bei einer Verzinsung von 5% oder 5 € des eingesetzten Kapitals von 100 € eine Besteuerung von ca. 29% (Kapitalertrags-, Kirchensteuer und Soli) fällt eine Steuer von 1,45 € an. Eine Inflation von 2% vermindert das eingesetzte Kapital um 2 €. Das sind Kosten, die man aufwenden muss, um die Zinsen zu erzielen. Der Zinsgewinn liegt inflationsbereinigt nur bei 3 €. Somit beträgt die Kapitalertragssteuer tatsächlich 48,3%. Das ist fast genauso viel wie der Höchststeuersatz einschließlich Soli und Kirchensteuer.

Fairer wäre es natürlich, man müsste nur die inflationsbereinigten Kapitalerträge versteuern. Dann blieben die Gewinne aus Bundesanleihen mit derzeit 1,5% Zinsen völlig von der Steuer verschont, wer aber hohe Kursgewinne mit Commerzbankaktien erzielt hat, müsste diese abzüglich der Inflation mit dem gleichen Satz wie sein Arbeitseinkommen versteuern.

Allerdings müsste er bei Verlusten mit Commerzbankaktien diese auch von seinem Arbeitseinkommen abziehen dürfen. Das ist die Krux. Der Politsozialist verhält sich nämlich umgekehrt zum Banksozialisten. Er will nur die Gewinne sozialisieren, die Verluste sollen aber privat bleiben.

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Peter Matulla

Registriert seit: 18.09.2010

Kommentare: 540

12. Juni 2012 - 16:07 Uhr

„Denn zur Rettung des Euro …. dürfte die weitere Integration Europas unumgänglich sein.“

Nach dem Scheitern zaghafter Arbeitsmarktreformen in Italien, Spanien und Griechenland und der Sparunwilligkeit Deutschlands zeichnet sich immer mehr ein paneuopäischer Schuldenschnitt ab. Die Integration beschränkt sich auf eine Fiskal- und Transferunion mit einer Vergemeinschaftung von Schulden - auch über die Ausgabe von Euro-Bonds.

Da stellt sich der Zahlbürger natürlich die Frage warum Länder mit stabilen Banken, die auch noch ein solides Geschäftsmodell haben, für marode Institute in Nachbarländern geradestehen sollen. Gerade dann, wenn die Unterstützung gegen den Willen der Empfängerländer erfolgt.

Von einem Diamanten ist leider weit und breit nichts zu sehen. Der Integrationsprozess gleicht mehr einer hydrothermalen Carbonisierung, die unter immensen Druck und großer Hitze Gärreste freisetzt.

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Harald Meierhofer  

Harald Meierhofer

Registriert seit: 12.09.2011

Kommentare: 2115

12. Juni 2012 - 16:29 Uhr

Wenn wir das Kapital betrachten, Herr Brombach, reden wir über Vermögenssteuer. Die liegt aktuell bei bei 0%.
Zinserträge sind aber Einkommen, und die Ausgangsbasis ist unerheblich.

Die unbegrenzte Akkumulation von Kapital ist gesellschaftsgefährdend und gehört staatlich gesteuert.

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Rainer Brombach

Registriert seit: 11.11.2011

Kommentare: 874

12. Juni 2012 - 17:53 Uhr

Die Besteuerung der Kapitalsubstanz ist verfassungswidrig, weil es sich dabei um eine Enteignung handelt. Auch die Vermögenssteuer darf nur so ausgestaltet werden, dass sie eine Ertragssteuer ist.

Dass die unbegrenzte Anhäufung von Kapital gesellschaftsschädlich wäre, müssten Sie erstmal näher darlegen.

Kapital ist neben der Arbeit unverzichtbar, um zu produzieren, ansonsten stünde unseren Arbeitnehmern nichts als ihre Hände für die Erwirtschaftung unserer Leistungen zur Verfügung. Ohne Kapital müsste Ihnen z. B. der Friseur die Haare ausreißen, statt sie mit einer Schere schneiden zu können. Insoweit erleichtert Kapital auch Ihr Schicksal ungemein, möchte ich mal vermuten.

Es besteht die Alternative privates oder staatliches Kapital zur Verfügung zu stellen. Die Verstaatlichung von Kapital ist im letzten Jahrhundert in zahlreichen Staaten probiert worden, und in jedem dieser Staaten grandios gescheitert. In Russland und China sind bei Einführung des Kommunismus Millionen von Menschen verhungert. In Deutschland hätte z. B. Quedlinburg, eine Stadt die zuvor ein Jahrtausend Kapitalismus unbeschadet überstanden hatte, weitere 10 Jahre DDR wohl nicht überlebt. Das Problem beim staatlichen Kapital ist, dass es allen und somit keinem gehört. Niemand fühlt sich verantwortlich, dieses Kapital zu pflegen und in funktionsfähigem Zustand zu erhalten. Beim kommunistischen Friseurbetrieb wird es zwar Scheren geben, aber keiner wird sich verantwortlich fühlen, diese Scheren regelmäßig zu schleifen. Man wird Ihnen als Kunde die Haare daher eher ausrupfen, als dass man sie noch abschneiden könnte. Daher müssten auch Sie befürchten, unnötig gequält zu werden, wenn das Kapital in staatlicher Hand wäre, und von dort gesteuert würde.

Beim privaten Kapital ist das anders. Der Unternehmer sorgt dafür, dass seine Maschinen gut gepflegt sind, dass sie effizient eingesetzt werden, und er somit möglichst günstig möglichst viel produziert. Daher verdient er viel, und seine Arbeitnehmer können auch hohe Löhne fordern. Der Friseur sorgt dafür, dass seine Mitarbeiter nur geschliffene Scheren, und moderne Friseurgeräte benutzen. Man macht Ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich, dass sie animiert sind, so oft wie möglich wieder zu kommen. Man wird Ihnen auch keinen lila Haarfestiger in die Haare schmieren, wie dies bei Frau Honecker üblich war. Sie müssen sich daher nach dem Friseurbesuch nicht peinlich verstecken, weil man sie entstellt hat, sondern man wird Sie um Auskunft bitten, wer Ihnen diesen guten Haarschnitt verpasst hat. Das private Kapital hat somit unglaublich viele Vorteile, die auch Sie Tag für Tag genießen können.

Gesellschaftsschädigendes werden Sie daran nichts mehr finden, wenn Sie sich erst in die Materie eingearbeitet haben.

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Ekkehard Senn

Registriert seit: 12.09.2010

Kommentare: 128

12. Juni 2012 - 17:57 Uhr

Da es auch Nutznießer der Finanzkrise gibt, die hohe und leistungsfreie Einkommen erzielen, sollten zuerst diese besteuert werden. Es kann z. B. nicht sein , dass die unverschämten Boni als Betriebskosten verbucht werden. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass staatliche Mehreinnahmen nicht zur Haushaltssanierung verwendet werden, sondern dass der Staat sich dafür neue Ausgabenfelder sucht.

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Rainer Brombach

Registriert seit: 11.11.2011

Kommentare: 874

12. Juni 2012 - 18:35 Uhr

@Ekkehard Senn

Wenn die Banken keine "unverschämten Boni" (was auch immer darunter zu verstehen ist) auszahlen würden, würde dieser Betrag ihren Gewinn erhöhen. Sie müssten ihn mit ca. 25% Gewinnsteuern versteuern. Wenn sie diesen Betrag aber als Bonus an die Mitarbeiter ausschütten, bezahlen diese ca. 50% Einkommenssteuer, Soli und Kirchensteuer.

Der Staat stellt sich somit umso besser, je mehr ungerechtfertigte und unverschämte Boni ausgeschüttet werden.

Zusätzlich handelt es sich bei diesen Börsenmaklern oft um finanzielle Halodris. Statt ihren Verdienst zu sparen, und in seriöse Anlagen zu stecken, kaufen sie sich davon oft einen Aston Martin, Porsche oder Mercedes AMG. Das kostet die Makler leicht 200.000 € pro Fahrzeug. Auch daran verdient der Staat, nämlich 32.000 € Mehrwertsteuer. Insgesamt kassiert er damit von 400.000 € Boni einen Betrag von 232.000 €.

Im Gegensatz zu Ihnen ist jeder vernünftige Finanzminister für die Ausweitung des Boniunwesens.

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Herbert Pommerenke  

Herbert Pommerenke

Registriert seit: 29.11.2010

Kommentare: 994

13. Juni 2012 - 13:39 Uhr

Alle Komentare aufmerksam gelesen! Bin weder Kommunist, oder
ausgewiesener Sozialist, stehe für die soziale Markwirtschaft die jedoch
vom Ausdruck her brachial verhunzt wird. Klar ist, dass der Kommunismus
bankrot gehen musste. Klar ist aber auch, dass Länder wie Griechenland,
Spanien, Italien, Portugal, Irland am Kapitalismus bankrott wären und nur durch so genannte Insolvenzverwalter wie Deutschland, Frankreich mit
den Eurodruckereien am Leben erhalten werden.
Ist das die Betriebs- und Volkswirtschaft die ihr für wirksam haltet?
Prägt euch alle folgendens ein: Geld ist ein Zahlungsmittel und keine Ware!
Wer mit Geld nur weiteres Geld verdient ohne einer Wertschöpfung
verstößt gegen den oben genannten Grundsatz!!

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Peter Matulla

Registriert seit: 18.09.2010

Kommentare: 540

13. Juni 2012 - 14:23 Uhr

Hallo Herr Pommerenke,

die Frage, was Geld eigentlich ist, wird m. E. in dem Buch „Eigentum, Zins und Geld“ von Gunnar Heinsohn/Otto Steiger gut beschrieben. Die Wirtschaftswissenschaftlern kommen zu dem Ergebnis, dass „Geld ein Anrecht auf Gläubigereigentum ist, für dessen Schaffung im Kredit Schuldnereigentum verpfändet werden muss“. Die Theorie (das Buch erschien 1996) erklärt erstaunlich gut die derzeitige Krise und warum die bisherigen Lösungsversuche diese verlängern und verschärfen.

Mit dieser Eigentumsökonomik wäre die heutige dramatische wirtschafts-, staats- und gesellschaftsbedrohenden Krise leicht zu vermeiden gewesen, wenn Staaten, Banken usw. bei der Geldschöpfung tatsächlich Eigentum verpfändet hätten. Diese Marktmechanismen sind politisch für bestimmte Marktteilnehmer, wie Banken- und Staaten, außer Kraft gesetzt.

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Tina Spitz

Registriert seit: 25.07.2011

Kommentare: 705

13. Juni 2012 - 15:32 Uhr

In dem Artikel wird einmal mehr verzweifelt versucht, das letztlich doch ach so gute Ende einer politwirtschaftlichen Missgeburt herbeizuschreiben. Für mich nehmen diese immer wiederkehrenden, haltlosen Versprechungen im Hinblick auf eine uns allen "blühende" diamantene Zukunft fast schon religiöse Züge an.

Das folgende Zitat eines Mitkommentators beschreibt die Situation weit treffender:

"Von einem Diamanten ist leider weit und breit nichts zu sehen. Der Integrationsprozess gleicht mehr einer hydrothermalen Carbonisierung, die unter immensen Druck und großer Hitze Gärreste freisetzt."

Ich ergänze.

Und am bitteren Ende wird es wohl aller Voraussicht nach viel eher zu einer furchtbar rauchenden und übel stinkenden Verkoksungsreaktion kommen und - nachdem sich der ätzende Rauch endlich wieder verzogen haben wird - sich der ein oder andere Zeitungsredakteur verwundert die Augen reiben wird, dass die vormals von ihm herbeigeschriebenen Wege eben keine noch so holprigen Königswege, sondern direkt in den Abgrund führende Schnellstraßen waren.

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Herbert Pommerenke  

Herbert Pommerenke

Registriert seit: 29.11.2010

Kommentare: 994

13. Juni 2012 - 15:40 Uhr

Herr Matulla, ja insgesamt beschreibt das Buch die Tatsachen, aber mit
einem grundsätzlichen Fehler, denn auch hier wird eine Berechtigung
auf ZINS beschrieben und genau das ist ja der Grundstein für die heutige GIER!
Ich frage mal ganz schüchtern: Wer hat die Zinserhebung erfunden?

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Caroline Weber  

Caroline Weber

Registriert seit: 18.07.2011

Kommentare: 120

13. Juni 2012 - 16:32 Uhr

Inwieweit der Euro „eine historische Errungenschaft“ darstellen soll, konnte mir bisher noch niemand erklären. Denn was bitteschön ist denn die große Errungenschaft?
Wenn wir unter historischer Errungenschaft verstehen, dass wir eine Währung eingeführt haben, die sowohl ökonomisch als auch politisch derart dilettantisch gemanagt wurde, dass sie am Ende die Vielfältigkeit der europäischen Kulturen zerstört, kann das wohl mit einer Errungenschaft nicht sehr viel zu tun haben (es sei denn, wir definieren die Bedeutung des Wortes Errungenschaft völlig neu).
Der Euro ist in dieser Form weder überlebensfähig noch wird er die Vereinigten Staaten von Europa herbeiführen können, die im übrigen niemand braucht und möchte. Europa ist nicht Amerika!
Dieser ewige Vergleich und das falsche Vorbild der Vereinigten Staaten von Amerika, kann und wird in Europa nicht funktionieren. Es besteht auch gar keine Notwendigkeit dafür.
Dazu ein paar Worte über die Bedeutung einer gemeinsamen Währung. Eine Währung steht für die gemeinsame Identität und Kultur eines Landes. In Amerika war dies eine Voraussetzung, um einen gemeinsamen Staat zu erschaffen. Dieser Staat konnte aber nur entstehen, indem die Ureinwohner und deren Kultur weitestgehend vernichtet wurden. Die heutige USA ist ein koloniales Gebilde, für deren Existenz eine gemeinsame Währung unabdingbar ist. Europa hingegen besteht aus einer Vielzahl von Nationalstaaten, mit jeweils eigenen Kulturen und Identitäten, die sich im laufe von Jahrtausenden gebildet haben. Und zur eigenen Kultur und Identität gehörten auch die jeweiligen nationalen Währungen.
Der einzige Grund, warum uns der Euro übergestülpt wurde, heißt Globalisierung! Im Namen von Profitgier und Effizienz wird somit die Vielfältigkeit Europas zerstört. Ist das wirklich eine historische Errungenschaft?

Es handelt sich de facto um eine Kolonialisierung durch die Globalplayer der Finanzindustrie und der Wirtschaft. Soziale und kulturelle Werte werden durch ökonomische Werte ersetzt. Die Demokratie wird durch ein System der Oligarchie abgelöst (was ja bereits absehbar ist). Kulturelle Vielfalt ist dabei nur störend, und der Mensch wird auf ein Dasein als Konsument reduziert.
Allerdings ist dieses System zum scheitern verurteilt, weil es zwangsläufig zu sozialen und kulturellen Verwerfungen kommen wird, die Europa im Chaos versinken lassen werden.

@Peter Matulla
Das von Ihnen empfohlene Buch ist wirklich lesenswert. Kann ich nur bestätigen.

@Herbert Pommerenke
Ein Finanzsystem ohne Zinsen würde nicht funktionieren. Die Forderung nach Abschaffung der Zinsen hat eher religiöse Gründe und Traditionen, hält aber einer sachlichen Analyse nicht stand. Was in einer Welt ohne Zinsen geschehen würde, kann man in Ansätzen heute schon bewundern. Denn im Prinzip gibt es in Teilen des heutigen Finanzsystems bereits keine Zinsen mehr. Der Zinssatz einiger Zentralbanken befindet sich bereits seit Jahren bei Null Prozent, was zur Folge hat, dass unvorstellbare Summen ausschließlich in Spekulationsgeschäfte investiert werden, die wiederum dazu führen können, dass ganze Volkswirtschaften und/oder gar das komplette Finanzsystem kollabiert.
Zinsen gab es schon, bevor es das erste Geld gegeben hat. „Erfunden“ hat sie im Prinzip niemand, sie sind auf Grund der Wesenszüge des Menschen entstanden. Zinsen sind nicht nur ein Mittel zur Steigerung des Profits, sondern haben auch regulierende und disziplinierende Wirkungen.
Wenn Sie die Zinsen abschaffen wollen, müssten Sie auch dafür plädieren, das Geld abzuschaffen.

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Peter Matulla

Registriert seit: 18.09.2010

Kommentare: 540

13. Juni 2012 - 17:19 Uhr

@Herbert Pommerenke,

Der Zins ist eine Folge des Eigentumsrechts. Ursprünglich war alles in Gemeinbesitz. Stammesgesellschaften kennen nur Besitz und damit keinen Zins.

Die Eigentumsgarantie ist nach Art.14 des Grundgesetzes ein elementares Grundrecht. Wenn der Zins Ursache aller Gier und ein Fehler wäre, müssten die Eigentumsrechte eingeschränkt werden.

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Herbert Pommerenke  

Herbert Pommerenke

Registriert seit: 29.11.2010

Kommentare: 994

14. Juni 2012 - 01:12 Uhr

Frau Weber und Herr Matulla, obwohl ich dem Islam sehr fremd bin,
aber wie sie wissen sind im Islam Zinsgeschäfte verboten!
Geht es den muslimischen Wirtschaftsländer schlecht?

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Caroline Weber  

Caroline Weber

Registriert seit: 18.07.2011

Kommentare: 120

14. Juni 2012 - 01:59 Uhr

@Herbert Pommerenke
Rein theoretisch haben Sie recht. Die Praxis schaut aber anders aus. Islamische Investoren sind weltweit aktiv und an zahlreichen Firmen beteiligt, auch in Deutschland und anderen westlichen Staaten, die ja bekanntlich alle Zinsgeschäfte tätigen. Im islamischen Binnenmarkt wird das Wort Zins aber vermieden und durch Instrumente ersetzt, die einen anderen Namen tragen, aber de facto nichts anderes sind als Zinsen.
Hier noch ein paar Infos dazu → http://de.wikipedia.org/wiki/Islamisches_Bankwesen#Zinsverbot

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Gelöschter Nutzer #804452

Registriert seit: 14.03.2011

Kommentare: 866

14. Juni 2012 - 07:16 Uhr

@ Frau Weber
>>"13. Juni 2012 - 16:32 Uhr ..."

ich stimme Ihnen uneingeschränkt zu.
Vor weiteren Spekulationen warten wir mal den kommenden Wahlsonntag in Griechenland ab.

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Gregor Mohlberg  

Gregor Mohlberg

Registriert seit: 10.07.2009

Kommentare: 262

14. Juni 2012 - 10:11 Uhr

Es ist einzig und allein die LINKE die dem Wahnsinn von Anfang an Aternativen entgegengesetzt hat... Es müssen Banken verstaatlicht werden, es muss ein Schuldenschnitt her, es braucht den Mindestlohn zur Sicherung der Einkommen nach unten und Eurobonds zur solidarischen Lastenaufteilung - http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/euro-krise-der-euro-zone-droht-der-kollaps-a-838581.html

... Wenn Grüne SPD CDU und Co das Spiel jetzt weiterspielen muss man sie zu WAHNSINNIGEN erklären...

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Ekkehard Senn

Registriert seit: 12.09.2010

Kommentare: 128

14. Juni 2012 - 14:47 Uhr

Herr Brombach,

es geht mir nicht so sehr um Steuererhöhungen, sondern (Zitat):

"Dank verzerrter Vergütungsstrukturen (v.a. bei Schattenbanken u. Invest-Banken), korrupter Ratingagenturen...war das globale Finanzsystem von innen heraus verfault." Nouriel Roubini:Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft. S.364

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