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19. Juli 2012 00:00 Uhr
BZ-Interview
Ex-Eisvögel-Trainer-Janson: Erste Liga ist nur einmalig gesichert
Turbulente Wochen bei den Eisvögeln aus Freiburg: Erst die Trennung vom Hauptsponsor, dann ein neuer Trainer. Mit dem alten Trainer Harald Janson sprachen wir über die Ereignisse und seine neue Aufgaben.
BZ: Herr Janson, Anfang des Monats gab der Verein überraschend bekannt, dass Sie kommende Saison nicht mehr Trainer der Eisvögel sein werden. Warum?
Janson: Ich habe in den letzten Jahren festgestellt, dass zu viel von meiner Person abhängig war, nicht nur in der Betreuung der Mannschaft, sondern auch hinter den Kulissen. Um dieses Programm auf stabile Füße zu stellen und auf mehrere Schultern zu verteilen, brauche ich viel Zeit und Energie. Das erlaubt es mir nicht mehr, die Bundesligamannschaft zu trainieren.
BZ: Sie waren fünf Jahre Cheftrainer der USC Eisvögel. Der Rückzug ist Ihnen doch sicher nicht leicht gefallen.
Janson: Nein, im Gegenteil. Ich mache jetzt gerade noch die U-20-Nationalmannschaft. Danach freue ich mich mit einer neuen Generation in der Halle zu stehen. Der Schritt zu einem hauptamtlichen Trainer ist ein wichtiger und richtiger Schritt.
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BZ: Nun sind Sie noch als Sportlicher Leiter bei den Eisvögeln tätig. Was machen Sie da genau?
Janson: Gerade scoute ich eine Menge Spielerinnen und stelle das Team für die kommende Saison zusammen. Das geht nicht so eben mal nebenbei. Zudem planen wir gerade die kommende Saison organisatorisch und logistisch durch und pflegen intensiven Kontakt zu unseren Sponsoren. Ich will die sportliche Leitung in Zukunft mit mehr Muße angehen können und deswegen hoffentlich auch mit höherer Qualität erledigen.
BZ: Die Planung für die kommende Saison läuft bereits. Gibt es schon einen Ersatz für die ehemaligen Leistungsträgerinnen Mirna Paunovic und Judie Lomax?
Janson: Ich bin gerade dabei, die weiteren amerikanischen Positionen zu scouten, eventuell zu verpflichten. Jahzinga Tracey hat ihren Vertrag für die kommende Saison unterschrieben. Wir brauchen zwei weitere Amerikanerinnen und ein bis zwei deutsche Spielerinnen. Wir werden auch Spielerinnen aus der eigenen Jugend hochziehen. In drei Wochen weiß ich mehr.
BZ: Stefan Mienack wird die Eisvögel nächste Saison trainieren. Warum verpflichten Sie einen neuen Trainer? Warum eigentlich keine Trainerin?
Janson: Das hätte ich sehr gerne gemacht. Es gibt auch sehr gute Trainerinnen in Deutschland, aber die sind momentan alle in Vereinen tätig. Wir geben an vertraglich gebundene Trainerinnen kein Angebot ab. Stefan Mienack war von den Trainern, die wir nicht aus einem Verein loseisen mussten, unsere Nummer eins. Wir mussten allerdings erst die Entscheidung für uns treffen, ob es in der ersten Bundesliga finanziell überhaupt geht. In der zweiten Bundesliga hätte wahrscheinlich einer unserer sehr guten eigenen Nachwuchstrainer, wie beispielsweise Sascha Bozic, übernommen. Jetzt sind wir aber sehr froh einen hauptamtlichen Trainer zu haben.
BZ: Mit Stefan Mienack arbeiten beim USC nun zwei hauptamtliche Trainer, die für den weiblichen Bereich zuständig sind. Wird der Frauenbasketball in Freiburg dadurch professioneller?
Janson: Wir haben außergewöhnlich gute Voraussetzungen in Freiburg. Im Hintergrund eine Universität, einen Olympiastützpunkt, treue Sponsoren, viele Zuschauer und mit dem USC Freiburg einen starken Verein. , weg von der Abhängigkeit von Einzelnen. Ich hoffe sehr, dass wir mit dem Konzept so werben können, dass wir entsprechende Partner aus der Wirtschaft finden.
BZ: Sie betreiben Werbung in eigener Sache. Dabei haben Sie sich doch von dem bisherigen Hauptsponsor Rothaus getrennt.
Janson: Die Zusammenarbeit mit Rothaus war nicht mehr der geeignete Weg. Deswegen haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen, auch wenn wir damit die Existenz der Eisvögel leider gefährden. Wir haben kleinere neue Kooperationspartner gefunden. Aber der große Sponsor oder die Gruppe an Premiumsponsoren, die wir bräuchten, um den finanziellen Verlust wettzumachen, fehlt bisher.
BZ: Nun wurde ein sogenannter Nothaushalt eingerichtet, um die kommende Saison in der ersten Liga bestreiten zu können. Was hat man sich unter einem Nothaushalt vorzustellen?
Janson: Wir haben uns für diesen Begriff entschlossen, um zu dokumentieren, dass die nächste Saison in der ersten Liga gesichert ist. Sie ist jedoch nur einmalig gesichert und das nur unter extremen, kaum zu vertretenden Einschnitten. Wir hatten schon letzte Saison ein Budget für die physiotherapeutische Betreuung der Spielerinnen, das nicht bundesligatauglich war. Studentinnen werden jetzt als Spielerinnen nur noch über acht Monate angestellt und dementsprechend bezahlt. Das ist bei den Eisvögeln bisher nie vorgekommen. Wir haben den Anspruch, dass Studentinnen über zwölf Monate Geld bekommen, um parallel ihr Studium bewältigen zu können.
BZ: Inwiefern wirkt sich der Nothaushalt auf die Qualität des Kaders aus?
Janson: Das ist ein enormer Qualitätsverlust. Wenn Spielerinnen nur noch acht Monate bezahlt werden, werden wir automatisch sportlich schwächer. In den Semesterferien können sie nicht achtmal wöchentlich trainieren, sondern müssen vielleicht dreimal in der Woche jobben. Dazu kommt, dass wir gezwungen sind, eine unserer Ausländerpositionen ersatzlos zu streichen. Wir werden nur mit drei Ausländerinnen spielen können. Das ist ein sportlicher Einschnitt. Wir müssen es irgendwie schaffen zwei Mannschaften hinter uns zu lassen, um die Klasse zu halten. Das wird auf die Zuschauer Einfluss haben. Wir werden nicht mehr so viele Siege einfahren wie in der letzten Saison.
Janson: Wir haben im Damenbasketball eine groteske Situation. Hat man Erfolg, hat man am Ende weniger Geld. Wir haben in der letzten Saison damit geplant wieder in den Play-offs weit zu kommen. Darauf war unser Budget ausgelegt. Dann sind wir in der ersten Runde ausgeschieden. Dadurch haben wir Geld gespart, das wir jetzt einmalig verwenden können. Gleichzeitig haben wir die Leistungen extrem zusammen gestrichen. So kommt ein Haushalt heraus, mit dem wir die erste Liga gerade so bestreiten können. Er birgt aber das große Risiko von niedrigerem sportlichem Erfolg. Das ist eine Gefährdung für die USC Eisvögel.
BZ: Und nach der Saison 2012/2013? Sie müssen einen neuen Hauptsponsor finden.
Janson: Es liegt nicht ganz in unserer Hand. Die Eisvögel werden als Sympathieträger bezeichnet. Trotzdem haben wir weiterhin keine Fernsehzeiten im öffentlichen-rechtlichen Fernsehen. In den regionalen Medien sind wir jedoch sehr präsent und stellen neue Zuschauerrekorde auf. Ich bezeichne die Eisvögel als das Produkt in Freiburg mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Wir können nur dafür werben, dass es sich definitiv lohnt, dieses einzigartige Projekt zu unterstützen.
- Personalentscheidung: Eisvögel weiter erstklassig – und mit neuem Coach
Autor: Pascal Kiss



