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07. November 2011 13:02 Uhr

Kapitalmarkt

Experte: Auf Anleger kommen harte Zeiten zu

Klaus Kaldemorgen, einer der profiliertesten Fondsmanager, zeichnet ein düsteres Bild: Weil die Volkswirtschaften der westlichen Industriestaaten kaum wachsen werden, bleiben auch hohe Zuwächse bei den Geldanlagen aus.

  1. Geld verdienen mit Aktien, sagt Fondsmanager Klaus Kaldemorgen, sei schwieriger geworden – und anstrengender. Foto: BZ

Der Ökonom arbeitet für die Deutsche-Bank-Fondsgesellschaft DWS. BZ-Redakteur Bernd Kramer sprach mit ihm.

BZ: Herr Kaldemorgen, haben Sie sich schon ein Haus in Freiburg gekauft?
Kaldemorgen: Nein, nicht in Freiburg. Aber ich habe eine Wohnung, mit der ich ganz glücklich bin. Die eigenen vier Wände sollten bei der Vermögensanlage und der Altersvorsorge auch an erster Stelle stehen.

BZ: Freiburg gilt als einer der renditeträchtigsten Immobilienmärkte in der Bundesrepublik. Auch bei höherer Inflation kann man sicher sein, dass eine Immobilie in Freiburg nicht an Wert verliert.
Kaldemorgen: Eine Investition in Immobilien, die dann tatsächlich auch den gewünschten Ertrag bringt, ist nicht so einfach. Bei einem Immobilienkauf gibt es mehrere Risiken. Wenn Sie vermieten, sind sie auf anständige Mieter angewiesen, welche die Miete regelmäßig zahlen. Hinzu kommt das Kreditrisiko, weil man ja zumeist Geld von der Bank braucht, wenn man eine Wohnung erwirbt. Eine Immobilie verursacht auch Kosten, zum Beispiel für die Instandhaltung. Viele Käufer unterschätzen deren Höhe. Zudem können sie ein Haus oder eine Wohnung auch nicht so leicht abstoßen. Ich empfehle: Wenn Sie sich vor Inflation fürchten, sollte ein Teil des Vermögens in Immobilien angelegt werden, aber nicht alles.

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BZ:
Die Wachstumsprognosen sind schlecht, das ist Gift für die Aktienkurse, weil ein geringes Wachstum die Gewinnaussichten der Unternehmen schmälert.
Kaldemorgen: Man muss sich sehr wohl fragen, was in den nächsten Jahren eine lukrative Anlageform sein wird. Allerdings sind die Alternativen zu Aktien auch nicht vielversprechend. Manche Staatsanleihen sind nicht mehr sicher. Deutsche Bundesanleihen gelten zwar als sehr sicher, weisen aber eine geringe Verzinsung auf. Die sicherste Anlageform Festgeld bringt auch nur eine Verzinsung zwischen ein und zwei Prozent. Der Anleger hat es in der Tat nicht leicht, eine vernünftige Anlagestrategie zu entwickeln.

BZ:
Am besten geben die Leute ihr Geld gleich aus oder stopfen es unter die Bettdecke.
Kaldemorgen: Nein. Gerade im Alter sind die Menschen ja auf einen verlässlichen Einkommensstrom angewiesen. Nun gibt es Aktien von sehr soliden Unternehmen. Das heißt: Diese Unternehmen laufen kaum Gefahr, in den nächsten Monaten oder Jahren insolvent zu werden. Die Aktien dieser Unternehmen weisen mitunter eine sehr hohe Dividendenrendite auf, zum Teil zwischen sechs und sieben Prozent. Mit der Dividendenrendite ist das Verhältnis zwischen der Dividende – also dem an den Aktionär ausbezahlten Teil des Unternehmensgewinns – und dem Kurs der Aktie gemeint. Die Dividenden schwanken deutlich weniger als die Aktienkurse. Sie sind also vergleichsweise stabil. Dies hat die historische Erfahrung gezeigt.

Investiert nun der Anleger in solche Aktien, verbindet er eine relativ hohe Rendite, die deutlich über der Inflationsrate liegt, mit vergleichsweise hoher Sicherheit, was sein Einkommen aus der Anlage angeht. Der Anleger braucht dann auch nicht mehr so nervös zu sein, wenn der Kurs einmal fällt. Ähnliches gilt für die Anleihen dieser soliden Unternehmen. Bei einer Anleihe leiht sich das Unternehmen Geld vom Anleger und bezahlt dafür einen vergleichsweise hohen Zins.

BZ:
In welchen Branchen findet man diese Unternehmen?
Kaldemorgen: Telekommunikationsunternehmen, Versorger oder Pharmahersteller sind klassische Beispiele.

BZ: Nehmen wir an, ich stehe kurz vor der Rente. Ich habe mir gerade meine Lebensversicherung auszahlen lassen. Soll ich nun das ganze Geld in einen Fonds einbezahlen, der in Aktien dividendenstarker Unternehmen investiert?
Kaldemorgen: Nein. Zuerst sollten Sie sich überlegen, auf welches Einkommen Sie unbedingt angewiesen sind. Das dafür notwendige Kapital sollten Sie in absolut sichere Anlagen investieren. Zum Beispiel Festgeld, auch wenn die Inflationsrate höher ist als die Verzinsung und Sie damit einen Wertverlust hinnehmen müssen. Haben Sie dann noch Kapital übrig, sollte dies in die Anlagen fließen, die eine höhere Rendite mit einem vergleichsweise geringem Risiko verbinden.

BZ:
Aktien galten einmal als eine sichere und renditestarke Anlage – vorausgesetzt man hält sie nur lang genug, zum Beispiel mehr als ein Jahrzehnt.
Kaldemorgen: Leider sind die Zeiten vorbei, in denen sie irgendwelche Aktien kaufen, die Wertpapiere für zehn Jahre im Depot liegen lassen und sich dann über ansehnliche Kurszuwächse freuen konnten. Wer im Jahr 2000 Aktien gekauft hat und nun wieder in sein Depot schaut, wird mitunter feststellen, dass sein Vermögen geschrumpft ist. Die Aktienanlage ist deutlich schwieriger und anstrengender geworden. Man muss ab und zu auch einmal verkaufen.
"Was aus der Zahnpastatube einmal raus ist, geht nicht
wieder rein."

Klaus Kaldemorgen zur Frage, ob die EZB ihre lockere Geldpolitik in besseren Zeiten rasch wieder rückgängig machen kann.
BZ: Anleger haben sich zum Beispiel bei Lebensversicherungen an eine Verzinsung von mehr als vier Prozent gewöhnt und rechnen fest damit. Solche Zinsen lassen sich auf Dauer nicht halten, wenn das allgemeine Zinsniveau niedriger liegt. Droht den Deutschen bald ein böses Erwachen?
Kaldemorgen: Natürlich mache ich mir Sorgen, dass ein Großteil der Vermögen hierzulande auf Investitionen in Staatsanleihen fußt, die nur eine sehr geringe Verzinsung bringen. Man sollte sich darüber im Klaren sein: Staatsanleihen sind eigentlich kein echtes Vermögen. Wenn der Staat Schulden macht und der Bürger die entsprechenden Anleihen kauft, verbessert sich die Netto-Vermögensposition der Bürger nicht. Sie machen ja den Staat aus. Man hat einfach etwas verschoben.

Staatsschulden kann man sich nur leisten, wenn die Wirtschaft wächst. Dann hat der Staat wegen steigender Einkommen und höherer Steuereinnahmen auch die Mittel, um die Schulden zu bedienen. Stagniert die Wirtschaft oder droht sie gar zu schrumpfen, gibt es ein Problem. Das ist das, was wir jetzt erleben. Wir haben die Grenze der Staatsverschuldung erreicht.

BZ: Warum jetzt? Die Italiener leben schon lange mit einer hohen Staatsverschuldung.
Kaldemorgen: Ich denke, dass den Leuten klar geworden ist, dass die Volkswirtschaften in den westlichen Industriestaaten nicht mehr so stark wachsen werden. Zudem gibt es Konkurrenten, die ebenfalls um Kapital buhlen. Die Schwellenländer wachsen rasch und bieten eine hohe Verzinsung des Anlagekapitals.

BZ:
Viele Deutsche haben einen Riester-Vertrag für ihre Altersvorsorge abgeschlossen. Bei Verträgen, die auf Aktien und- Anleihen aufbauen, wird der Wert der eingezahlten Gelder garantiert. Wackelt diese Garantie?
Kaldemorgen: Nein. Sie ist vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Gefährlich könnte es nur dann werden, wenn ein Anbieter in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät. Bei Fondsriesterplänen ist das kein Problem, da das Kundengeld als Sondervermögen vor einem Zugriff geschützt ist. Auf die Garantien bei Riesterplänen schaut der Gesetzgeber aber ohnehin besonders achtsam drauf. Eine Sache sollte jeder Anleger jedoch wissen: Die Kapitalmärkte können nicht zaubern. Die Entwicklung an den Börsen spiegelt letztendlich das wider, was in der Produktion einer Volkswirtschaft passiert. Wächst diese nur gering, werden auch die Renditen an den Kapitalmärkten nicht hoch ausfallen.

BZ:
Gehören Sie zu denjenigen, die eine Hyperinflation befürchten? Oder sind Sie der Meinung, dass die Inflationsrate nur moderat ansteigen wird, sagen wir auf drei bis fünf Prozent ?
Kaldemorgen: Ich halte Letzteres für die wahrscheinlichere Variante. Trotz der enormen Ausweitung der Geldmenge ist die Inflationsrate derzeit noch gering. Das liegt daran, dass die Unternehmen wegen des harten internationalen Wettbewerbs ihre Preise kaum spürbar erhöhen können. Stattdessen steigern sie ihre Kapazitäten oder die Produktivität. Bei den Nahrungsmitteln sieht das schon anders aus. Die Ernte kann nicht kurzfristig verdoppelt oder verdreifacht werden. Entsprechend gehen bei höherer Nachfrage die Preise in die Höhe. In Deutschland bemerken wir das kaum, weil die Ausgaben für Nahrungsmittel nur einen kleinen Teil unseres Budgets ausmachen. In China sieht das anders aus. Daher gibt es dort auch deutlich höhere Inflationsraten.

BZ:
Die Geldmenge kann auch rasch wieder verringert werden.
Kaldemorgen: Was aus der Zahnpastatube einmal raus ist, geht nicht wieder rein. Glauben Sie wirklich, die Europäische Zentralbank wäre bereit, den Leitzins drastisch zu erhöhen? Die kriselnden Euroländer haben ja schon jetzt mit hohen Zinsen zu kämpfen.

Autor: Bernd Kramer