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16. Juni 2012

Extravagant ist nicht nur die Musik

Die Kammer-Solisten Zug eröffnen in einer Woche den Ettenheimer Musiksommer / Überraschungen sind programmiert.

  1. Seit zwei Jahrzehnten mit besonderen „Projekten“ unterwegs: die Kammer-Solisten Zug. Foto: Privat

  2. Stefan Buri, Gründer des Schweizer Ensembles. Foto: K. Fischer

ETTENHEIM. Peperoni in Notenpapier eingepackt – das lässt auf scharfe Musik schließen. Bei Klassik mag diese Assoziation dem gemeinen Musikfreund eher etwas fremd wirken, die Optik auf der Homepage der Kammer-Solisten Zug lässt aber durchaus den Schluss zu: Das Ensemble neigt zum Außergewöhnlichen. Der Eindruck verstärkt sich im Gespräch mit dem Gründer des Schweizer Ensembles, Stefan Buri. Die vor zwei Jahrzehnten in Zug, ein paar Kilometer südlich von Zürich gelegen, gegründeten Kammer-Solisten werden heute in einer Woche (Samstag, 23. Juni) das Auftaktkonzert zum sechsten Ettenheimer Musiksommer geben.

Zu Hause im idyllischen, kleinstädtischen Zug am gleichnamigen See ist das Ensemble eine Institution und für besondere Konzertgestaltungen bekannt. Dort sind seinen Auftritten, nicht selten auch unter freien Himmel auf Plätzen in der Stadt, sogenannte Auftakte vorgeschoben. "Das ist so eine Art offene Probe, bei der wir unter uns Musikern, aber auch mit dem Publikum durchaus auch diskutieren. Einmal haben wir uns innerhalb des Ensembles nicht einigen können, wie wir den Schluss eines Konzerts gestalten sollen. Wir haben dann das Publikum abstimmen lassen. Im Konzert hat das Publikum dann an dieser Stelle gelacht, weil es die ganze Zeit sehr präsent war und die Ohren gespitzt hatte. Das ist für uns Musiker natürlich auch schön", sagt Stefan Buri im Pressegespräch am Donnerstag im Bürgersaal des Rathauses.

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Aber auch ganz bodenständige Fragen kommen da aus dem Publikum, etwa welche Getränke die Orchestermitglieder vor dem Auftritt bevorzugen. Buri hat die Frage für sich am Donnerstag schon einmal beantwortet: "Ich trinke immer Mineralwasser". Inzwischen, das sagt Buri nicht ohne Stolz, kommen 80 Prozent der Zuhörer aus Interesse schon zum Auftakt, also immerhin eine Stunde vor dem eigentlichen Konzert. Und um es gleich zu klären: Vor dem Konzert in Altdorf wird es einen solchen Auftakt nicht geben. "Das ist ein Spezial für unser Zuger Publikum, aber wir werden auch in Altdorf mehr bieten als nur die Musik. An verschiedenen Stellen werden wir die Werke und unsere Herangehensweise kommentieren", kündigt Buri an. Ein Angebot, dass schon wegen des ihm angeborenen Schweizer Dialekts einen besonderen Genuss verspricht. Damit wird sich Buri auch ganz in der Tradition des Ettenheimer Musiksommers bewegen. Denn einmal mehr wird es in diesem Jahr wieder dank des Sponsors Martin Bellin eine Doppel-CD zur Konzertreihe geben mit live gesprochenen Kommentaren der Interpreten.

Der Kontakt zum Veranstalter des Musiksommers, den Musikfreunden Ettenheim, wurde über Urte Lucht geknüpft. Das Mitglied des musikalischen Beirats der Musikfreunde, selbst professionelle Musikerin, ist mit der Oboistin des Schweizer Ensembles bekannt. "Dann lief das wie eine ganz normale Bewerbung. Ich habe ein Projekt als Bewerbungsmappe nach Ettenheim geschickt und wir kamen so zusammen", erklärt Buri. Er spricht im Zusammenhang mit Konzerten der Kammer-Solisten stets von Projekten. Fünf Projekte, also Programme, entwickelt das Ensemble für jede Spielsaison. Das ist eine andere Besonderheit und einzigartig in der Musikwelt der Schweizer Gruppe, in der sich aus rund 20 Profimusikern und Uni-Dozentin aus Zürich, Basel und Luzern für ein Projekt neun oder zehn Musiker zusammenfinden. Mehr als 200 sind so über die zwei Jahrzehnte bereits realisiert worden. In Altdorf werden die Zuger Mozarts Oper Don Giovanni in einer Bearbeitung von Josef Triebensee (1772 bis 1845) unter dem Titel "Eine verführerische Reise" vorstellen. Die Bearbeitung ist rein instrumental. Gesungene Arien entfallen, beispielsweise wird die Männerstimme Don Giovannis durch das Fagott "verkörpert".

Ettenheimer Musiksommer, Auftaktkonzert: Verführerische Reise, eine Bearbeitung der Mozart-Oper Don Giovanni, Kammer-Solisten Zug, Samstag, 23. Juni, 20 Uhr, katholische Kirche Altdorf.

Autor: Klaus Fischer