Vor Ende der Geldflut?

EZB macht wieder einen kleinen Schritt

dpa

Von dpa

Do, 08. März 2018 um 19:24 Uhr

Wirtschaft

Trotz möglicher Verwerfungen durch einen Handelskonflikt mit den USA tasten sich Europas Währungshüter an einen Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik heran.

Bei der Zinsentscheidung am Donnerstag in Frankfurt verzichtete die Europäische Zentralbank (EZB) auf die zuletzt übliche Formulierung, dass die Notenbank ihre milliardenschweren Anleihenkäufe ausweiten könnte, sollten sich die Rahmenbedingungen verschlechtern.

Volkswirte werten das als Signal zur Vorbereitung der Finanzmärkte auf ein Ende der Geldflut. Die Zentralbank habe nun einen weiteren und auch nötigen Schritt Richtung Ausgang gemacht, erklärte die DZ-Bank. Den Leitzins im Euroraum beließ der EZB-Rat wie erwartet auf dem Rekordtief von null Prozent. Zudem müssen Geschäftsbanken, die Geld bei der Notenbank parken, dafür weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen.

Im Oktober hatte die EZB ihr gewaltiges Kaufprogramm für Staats- und Unternehmensanleihen verlängert, das monatliche Volumen von Januar an aber auf 30 Milliarden Euro halbiert. Nach wie vor will die EZB Anleihen bis Ende September 2018 oder länger kaufen – jedenfalls so lange, bis die Entwicklung der Teuerungsrate mit dem Inflationsziel von knapp zwei Prozent nachhaltig vereinbar ist. Ein Enddatum für die Käufe nannte die EZB weiterhin nicht.

Sparer müssen sich damit weiter gedulden. Die Leitzinsen sollen nach Angaben der EZB noch weit über dem Ende der Wertpapierkäufe auf ihrem historisch niedrigen Niveau bleiben. Volkswirte erwarten, dass die Notenbank bis zum Jahresende schrittweise erst das Anleihenkaufprogramm ("Quantitative Easing"/QE) zurückfahren wird. Mit steigenden Zinsen sollten Sparer frühestens 2019 rechnen. Allerdings profitieren andererseits Kreditnehmer vom Zinstief.

Mit viel billigem Geld versucht die EZB seit Jahren, der Konjunktur auf die Sprünge zu helfen und zugleich die Teuerung anzuheizen. Angestrebt wird Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent – weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben – das würde die Konjunktur abwürgen.

Zwar ist das Inflationsziel nach wie vor weit entfernt – im Februar fiel die jährliche Teuerungsrate im Euroraum mit 1,2 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2016. Doch das stärkere Wirtschaftswachstum macht den Währungshütern Hoffnung. Im vergangenen Jahr legte die Wirtschaft im Währungsraum der 19 Länder mit 2,3 Prozent so kräftig zu wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Die kurzfristigen Konjunkturaussichten im Euroraum beurteilt die Notenbank optimistischer als noch im Dezember. Für dieses Jahr erwartet die Notenbank einen Zuwachs von 2,4 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt. Im Herbst hatte sie noch ein Wachstum von 2,3 Prozent vorhergesagt.