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04. Februar 2012
Bremer Jugendwelle mit (noch) ungewisser Zukunft
Bei Werder begeisterten zuletzt Spieler wie Trybull und Hartherz.
BREMEN. Der Dauerfrost hält auch die norddeutsche Tiefebene gerade fest im Klammergriff. Die eisigen Temperaturen führen dazu, dass das Areal am Bremer Osterdeich, dort wo die Profis des SV Werder in der Regel trainieren, beinhart gefroren ist. Weshalb Cheftrainer Thomas Schaaf seine Spieler dieser Tage flugs ins Weserstadion gebeten hat. Dort ist – der Errungenschaft Rasenheizung sei Dank – das Geläuf wenigstens halbwegs passabel bespielbar. Netter Nebeneffekt: Für die vielen Greenhorns, die bei den Grün-Weißen gerade in die erste Mannschaft drängen, wurden damit Erinnerungen geweckt, die auch fürs Auswärtsspiel beim SC Freiburg (Schaaf: "Wir werden sicherlich in Freiburg nicht viel Platz bekommen. Deshalb müssen wir hohen Einsatz zeigen") nicht schaden können. Tom Trybull, Niclas Füllkrug und Florian Hartherz – alle gerade 18 Jahre alt – heißen die Novizen, die sich gerade mit heißem Herzen an Aufgaben in größerem Rahmen erwärmen. "Ich habe in meinem Leben noch nie so viel Spaß gehabt", erklärte etwa Hartherz nach seinem Debüt im Weserstadion vergangenen Samstag.
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Nach dem 1:1 gegen Leverkusen ging wegen des Theaters um Michael Ballack fast ein bisschen unter, dass auf Bremer Seite lauter hungrige Jungspunde und drei Debütanten am Werk waren. Zu diesen zählte auch der Schweizer Neuzugang Francois Affolter (20). Der Altersdurchschnitt betrug 24,25 Jahre; am Ball war die viertjüngste Elf der Bremer Bundesliga-Historie. So wie Trainer Schaaf vor der Einwechslung des Novizen Füllkrug den Arm väterlich um dessen Schulter legte, sah das aus wie in seiner Zeit als Amateurtrainer in den 90er Jahren. Noch immer schaut Schaaf auf jenem Platz elf vorbei, der als Talentbühne und Spielstätte der zweiten Mannschaft taugt, die aktuell Tabellenletzter der Dritten Liga ist. Umso erstaunlicher, dass neben Eigengewächs Füllkrug nun auch Linksverteidiger Hartherz, zu Saisonbeginn von den A-Junioren des VfL Wolfsburg geholt, und Mittelfeldspieler Trybull, für 300 000 Euro von Hansa Rostock erworben, mit ihrer forschen Art den flotten Aufstieg schafften. "Der Grund, weshalb sie gespielt haben, ist ihre Qualität", sagt Schaaf, doch Vorstandschef Klaus Allofs weiß auch: "Die Begeisterung für junge Spieler lässt schnell nach, wenn wir nicht gewinnen."
Mit der Jugendwelle bewegt sich Werder auf einem schmalen Grat – die dauerhafte Qualität dieser Rasselbande erscheint noch diffus. Doch der internationale Wettbewerb muss zwingend her, um zumindest Stars wie Claudio Pizarro, Tim Wiese oder Naldo über den Sommer hinaus halten zu können. Bis zum letzten Tag der Transferperiode war ohnehin gedacht worden, dass namhafte Profis noch den Abflug machen –Wesley und Marko Marin galten als ernsthafte Verkaufsobjekte. Der Brasilianer Wesley, 24, hat sich zuletzt nicht nur eine Frisur zugelegt, die an Carlos Alberto erinnert, sondern trat zuletzt ähnlich lustlos wie sein als Millionen-Missverständnis abgewickelter Landsmann auf.
Und der Nicht-EM-Kandidat Marin (22) ist gefangen in seinem Eigensinn und einem Spielsystem, in dem er seine Stärken nicht entfaltet. Genau wie der Österreicher Marko Arnautovic (22) oder den bislang fast alle Erwartungen schuldig bleibenden Deutsch-Türken Mehmet Ekici (20) skizzieren sie die Kardinalprobleme der jüngeren Vergangenheit. Wenn Werder mehr als acht Millionen (Marin), fast acht Millionen (Wesley), rund 6,5 Millionen (Arnautovic) oder fünf Millionen (Ekici) investiert, muss am Ende etwas herausspringen. Sie alle sollten an der Weser den nächsten Reifeschritt machen – das Gegenteil ist bisher der Fall.
Fehlgriffe dieser Art kann sich der limitierte Standort Bremen indes nicht leisten. Um das erschreckende Defizit an Spielkultur in den ersten Partien des neuen Jahres zu beheben, ist Hilfe aus Wien erschienen. Mit dem österreichischen Internationalen Zlatko Junuzovic war sich Allofs ohnehin für einen ablösefreien Wechsel im Sommer einig, nun ist der Deal für weniger als eine Million Euro vorgezogen worden. "Ich habe Großes vor und will Werder meinen Stempel aufdrücken", verkündete der 24-Jährige, dem als Spielmacher der hübsche Beiname "Ösi-Özil" vorauseilt. Dazu hat er sich auch wirklich gut eingefügt und das erste Training gleich mal in kurzer Hose bestritten. Denn: "Ich bin diese Kälte aus Österreich gewohnt."
Autor: Frank Hellmann
