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12. Dezember 2011

Die Bergeversetzer

Der FC Augsburg gilt weiter als Abstiegskandidat Nummer eins, was die Mannschaft nicht daran hindert, Gladbach 1:0 zu bezwingen.

  1. Augsburger Weihnachtsmänner: Davids, Callsen-Bracker und Hosogai (von links) Foto: dapd

AUGSBURG (dpa). Jos Luhukay war überwältigt, die Fans feierten ihre Augsburger Sieg-Helden schon wie Nichtabsteiger. Mit Nikolausmützen auf dem Kopf bedankten sich die FCA-Profis nach ihrem Überraschungscoup gegen Borussia Mönchengladbach auf der Ehrenrunde durchs erneut bis auf den letzten Platz gefüllte Stadion mit einem Transparent für die "überragende Unterstützung" der Anhänger in einer Hinrunde, auf deren Zielgeraden der Aufsteiger neue Hoffnung schöpft.

"Meine Mannschaft hat von der ersten bis zur letzten Minute pure Leidenschaft gezeigt. Ich bin sehr stolz", schwärmte Luhukay nach dem verdienten 1:0 gegen seinen Ex-Klub. Mit dem zweiten Heimsieg in Serie kämpfte sich der Neuling auf den vorletzten Tabellenplatz vor. "Für uns ist in der Rückrunde noch alles möglich", frohlockte Luhukay. "Das war ein Weihnachtsgeschenk für unsere Fans", erklärte Mohamed Amsif, der Simon Jentzsch wieder im Tor vertreten hatte.

Ausgerechnet ein Ex-Borusse stoppte den Gladbacher Höhenflug. Jan-Ingwer Callsen-Bracker erzielte das Tor des Tages. "Natürlich freut es mich sehr, dass mir dieses Tor gelungen ist", sagte der 27-Jährige, der Anfang des Jahres ablösefrei von der Borussia zum FCA gewechselt war. Den Freistoß in der 51. Minute erklärte der Kapitän zur Chefsache. Auf dem nassen Rasen sei "Querlegen und Vollspann drauf" angesagt gewesen und kein filigraner "Schönheitsschuss". Der Gladbacher Raul Bobadilla lenkte den Ball ins eigene Tor.

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Augsburg wittert Morgenluft. "Unsere Leistungstendenz zeigt deutlich nach oben", verkündete Callsen-Bracker: "Wenn du Aufsteiger bist, musst du dich erst einmal an die Bundesliga gewöhnen. Den Prozess haben wir abgeschlossen, wir sind jetzt in jedem Spiel konkurrenzfähig. Wir können die Klasse halten." Glaube kann Berge versetzen. In einem von 44 Fouls zerhackten Spiel kauften die Gastgeber dem favorisierten Gegner mit robustem, körperbetonten Spiel den Schneid ab, wie Gladbachs Kapitän Filip Daems zugab: "Wir wussten, dass es ein Kampfspiel wird. Aber wir haben den Kampf nicht angenommen." Auch Borussen-Coach Lucien Favre sprach von einem "verdienten Sieg" der Gastgeber: "Augsburg war besser, hat viel mehr investiert. Wir waren nicht gut."

Der Außenseiter nutzte die Gunst der Stunde, denn Gladbach kann ohne Nationalspieler Marco Reus (Zehenbruch) einfach nicht gewinnen. "Für uns war es gut, dass er nicht dabei war. Er ist bei Gladbach der entscheidende Mann. Er hat zehn Tore gemacht, der nächste drei", hob Callsen-Bracker hervor.

Tobias Werner hätte schon in der ersten Hälfte nach einem bösen Schnitzer von Borussen-Torwart Marc-André ter Stegen das 1:0 machen können (30.). "Ich sehe schon das leere Tor vor mir – dann rutsche ich weg. Ich weiß nicht, was mich reitet, so viele Chancen zu vergeben. Ich bringe alle zur Verzweiflung", stöhnte Werner. Zum Glück erweist sich Callsen-Bracker als eine Art Augsburger Lebensversicherung im Abstiegskampf. Dreimal hat er nun getroffen – und jedes Tor war Punkte wert, unter dem Strich sieben von 14. Beim 2:2 in Berlin hatte er den Ausgleich erzielt. Beim historischen Premierensieg in Mainz (1:0) verwandelte der 27-Jährige kurz vor Schluss nervenstark einen Elfmeter. "Unsere Leistungstendenz zeigt deutlich nach oben", kommentierte der umjubelte Matchwinner. Umso ärgerlicher war seine fünfte Gelbe Karte, wegen der er beim Hinrundenfinale in Hamburg pausieren muss. "Das ist unser Problem, dass wir in der Abwehr ständig wechseln müssen", klagte Luhukay. Matchwinner Callsen-Bracker verkündete im Überschwang der Gefühle dennoch: "Warum sollten wir jetzt nicht auch beim HSV gewinnen?"

Autor: dpa