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10. Februar 2012 06:17 Uhr

Bundesliga

Wolfsburg gegen den SC Freiburg – Duell der Welten

Der SC Freiburg trifft in Wolfsburg auf einen Gegner, bei dem Geld keine Rolle spielt und dessen Trainer Felix Magath seinen Kader permanent rundumerneuert

Christian Streich hält sich zurück. Wann immer er sich zu Kollegen anderer Klubs und deren Arbeitsweise äußern soll, reagiert der Coach des SC Freiburg bewusst defensiv. "Ich bin ja noch ein ganz unerfahrener Bundesliga-Trainer", sagt Streich dann. Urteile über andere stünden ihm nicht zu. Wer wissen will, was der 46-Jährige tatsächlich denkt, dem bleibt nur der Versuch, zwischen den Zeilen zu lesen und seine Aussagen zu interpretieren.

Er finde es spannend, sagt Streich, sich mit dem VfL Wolfsburg zu messen. Einem Klub, der die finanziellen Möglichkeiten hat, um tolle Spieler zu kaufen. Streich spricht ruhig, zeigt keine Emotion. "Da denkt man: Oh, jetzt ist der Spieler dort. Und jetzt der. Und der auch noch", fährt er fort. Diesmal ist der Hauch eines Grinsens in seinem Gesicht zu erkennen, vielleicht auch ein kaum wahrnehmbares Kopfschütteln. Einer wie Streich, der die Philosophie des Ausbildungsvereins SC Freiburg verinnerlicht hat, müsste angesichts der Transferauswüchse beim heutigen Gegner aus der Haut fahren. Er lässt es sein.

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Wenn der SC Freiburg am Abend beim VfL Wolfsburg gastiert, prallen dort nicht nur zwei Bundesligaklubs aufeinander, sondern zwei Welten, wie sie grundverschiedener nicht sein können: Auf der einen Seite der neureiche Bundesliga-Emporkömmling, der es dank Volkswagen-Millionen und günstigen Fügungen zwischenzeitlich zur Meisterschaft gebracht hat – und der mit anderen "Großtaten" Aufsehen erregt. Mit jenen 36 Spielern beispielsweise, die Magath in dieser Saison eingesetzt hat. Rekord! Auf annähernd so viele Akteure (35) hatte es zuvor nur einer gebracht: der frühere Trainer von Eintracht Frankfurt, Felix Magath.

Auf der anderen Seite der Mittellinie wartet heute der Verein aus dem Breisgau auf den Anpfiff, der aus Überzeugung so dauerhaft grundsolide handelt, dass die Bewunderung dafür bisweilen in Langeweile umschlägt. Nur deswegen konnte die Trennung von fünf Spielern in der Winterpause bundesweit zumindest ein kleines mediales Erdbeben auslösen.

Shopping für 51 Millionen Euro

Für Felix Magath sind Kaderumgestaltungen in dieser Größenordnung (Anzahl und Kosten) nicht der Rede wert. 20 externe neue Spieler hat er in dieser Saison insgesamt verpflichtet, allein acht im Winter. 20 Millionen Euro hatte VW-Chef Martin Winterkorn Magath für personelle Korrekturen in Aussicht gestellt, 30 Millionen sind es dann geworden. Überziehen kein Problem: Magaths interner Dispokredit ist offenbar unbegrenzt. Der Titelgewinn 2009 genügt den VW-VfL-Verantwortlichen weiterhin als Sicherheit. Magath durfte in der laufenden Spielzeit bereits für 51 Millionen Euro shoppen gehen, sein Transferdefizit beläuft sich auf 11 Millionen. Alles kein Problem. "Mit der gleichen Summe Geldes, mit der Magath jetzt acht neue Spieler geholt hat, bezahlen andere Vereine einen einzigen", argumentiert VW-Vorstand und VfL-Aufsichtsratschef Francisco Garcia Sanz völlig ungeniert.

Den SC Freiburg kann Sanz nicht gemeint haben. Die Südbadener haben für ihre neun externen Neuzugänge lediglich an die 3,5 Millionen Euro bezahlt. Dank Transfereinnahmen von mehr als 15 Millionen Euro weisen sie ein Plus von knapp 12 Millionen Euro auf. Doch auch ein solcher Streber-Haushalt dürfte in Wolfsburg kaum jemanden beeindrucken. "An uns soll es nicht liegen. Wenn gute Ideen kommen, werden wir bereitstehen", hat Martin Winterkorn kürzlich in Sachen Sponsoringverhalten von VW klargestellt.

Als gute Ideen galten zunächst Spieler wie Kyrgiakos, Hleb, Salihamidzic und Hitzlsperger. Inzwischen sind sie wieder weg oder spielen kaum noch eine Rolle. Magaths neue Ideen heißen Sio, Vieirinha, Sissoko, Felipe, Rodriguez, Medojevic, Jiracek und Hasani – ob sie gut sind, weiß man noch nicht so genau. "Für viele ist das Tempo in der stärksten Liga der Welt noch zu hoch", urteilte Magath erst neulich. Zumindest Außenstehenden fällt es da schwer, seine Konzeptausführungen nachzuvollziehen. "Kein wahlloses Agieren nach dem Zufallsprinzip, sondern strategisches Handeln prägt unsere Philosophie", glaubt Magath in seinem Wirken zu erkennen.

Über die Strategie des SC Freiburg muss nicht gerätselt werden. Vier bis fünf Nachwuchskräfte aus der eigenen Fußballschule standen zuletzt in der Startformation. Das sagt alles. Streich kann schweigen.

SC kompakt: Julian Schuster (gereizter Nerv), Mensur Mujdza (Aufbautraining nach Mittelfußbruch), Pavel Krmas (Muskelfaserriss) und Anton Putsila (Zahn-Operation) fehlen in Wolfsburg.

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Autor: René Kübler