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30. Januar 2012
EINWURF: Hertha und die faulen Früchte
Der Hauptstadtklub ist außer Tritt / Es droht der Abstieg.
Nach dem fünften Spieltag dieser Bundesligasaison, man schrieb den 5. September 2011, ging sportlich gesehen in Berlin so richtig die Sonne auf. Eben hatte die Hertha 2:1 beim Meister Dortmund gewonnen, die Berliner rückten damals auf den achten Tabellenrang vor – und rund ums altehrwürdige Olympiastadion begann die Träumerei. Die internationalen Ränge wollten die Berliner ins Visier nehmen, vorbei jedenfalls schien die Zeit, in der die Hertha das Attribut der grauen Maus mit sich rumzuschleppen hatte. Berlin, so wurde damals vermittelt, hat als Hauptstadt endlich auch den Fußballklub, der einer Metropole gebührt. Markus Babbel wurde als Trainer tolle Arbeit bescheinigt, Michael Preetz als Manager kluge Strategie. Noch besser: Das Paar schien sogar zu harmonieren. Jetzt, nur ein paar Monate später, ist es vorbei mit der Herrlichkeit. Babbel (warum überhaupt?) ist weg, Michael Skibbe dafür da – und Preetz macht ein langes Gesicht. Die Hertha ist im Sinkflug, ein Abstiegsplatz, wie ihn der SC Freiburg derzeit inne hat, ist nicht mehr fern. Die Berliner Mannschaft offenbart nur wenig Klasse, dafür umso mehr Naivität. Unterschiede zum tollpatschigen Braunbären Herthinho, der wie einst Yogi Bär für Erheiterung sorgen soll, und als Spaß verbreitendes Maskottchen deshalb derzeit relativ deplatziert wirkt, sind kaum mehr auszumachen. Die verfehlte Personalpolitik der vergangenen Jahre trägt jetzt ihre faulen Früchte. Ein Abstieg ist nicht mehr auszuschließen. Schon wird das Beispiel Eintracht Frankfurt aus der Vorsaison zitiert. Auch am Main täuschte lange Zeit die Platzierung in der Tabelle über die wahren Verhältnisse hinweg. Fußballerisch jedenfalls ist die Hertha böse aus dem Tritt geraten und läuft Gefahr, die ihr selbstverordnete Rolle als Hauptstadtgröße zu verlieren. Vielleicht ist es ja ein Trost, dass man an der Spree da nicht ganz allein ist. So manchem Politiker ist das dort auch schon passiert.
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Autor: Michael Dörfler
