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22. Januar 2015

EINWURF: Nachdenken hätte gut getan

Trainingsfahrt ins Abseits: Der FC Bayern reist durch Arabien.

Fußballerisch ist der FC Bayern völlig zu Recht die erste Instanz in diesem Land. Was die Münchner in den vergangenen Jahren sportlich erreicht haben, ist dermaßen spektakulär, dass selbst Konkurrenten anerkennend mit den Köpfen nicken. Was Ethik und Moral anbelangt, darf man am Verhalten der Bayern aber durchaus Einwände geltend machen. Dieser Tage hatten die Münchner ihr Trainingslager im Emirat Katar auf der arabischen Halbinsel aufgeschlagen. Einem Land, das gerade dabei ist, sich als Ausrichter sportlicher Großevents einen Namen zu machen, daneben aber den Menschenrechten nicht viel Beachtung schenkt. Auf dem Rückweg legten Schweinsteiger und Co. dann auch noch einen Stopp in Saudi-Arabien ein, um dort ihre Form gegen die Kollegen von Al-Hilal zu testen. Saudi-Arabien lässt Regimekritiker gerne mal öffentlich auspeitschen, hält demokratische Strukturen für lässlich und verbietet Frauen den Gang ins Stadion. Angeblich hat der Rekordmeister seine Reise so geplant, weil die klimatischen Bedingungen vor Ort so großartig sind. Für die Spieler, so Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, sei das halt das Beste. Verweise auf die tolle Infrastruktur müssen also herhalten, damit die politischen Unkorrektheiten vor Ort ignoriert werden können. Man kann das Diplomatie nennen, es fallen einem aber auch Begriffe wie Duckmäusertum und Skrupellosigkeit ein. Dass Trainer Pep Guardiola das alles gutheißt und verteidigt, obschon er sich in seiner katalonischen Heimat politisch ins Schaufenster stellt und für die Unabhängigkeit auf die Straße geht, verstehe, wer will. Der FC Bayern hat durch diesen – vom Werbepartner VW unterstützten – Trip viel Geld verdient. Es ist dies das Wesen des Profisports, der eine besondere Art des Kapitalismus ist. Aber auch Kicker haben ein Recht auf Denken, man muss dazu kein Menschenrechtler sein. Vielleicht wäre man beim rechtzeitigen Hirneinschalten drauf gekommen, dass Erfolg und Luxus nicht alles rechtfertigen. Immerhin, so ist Rummenigges Einräumen von Fehlern wohl zu werten, hatten die Bayern nachträglich ein Einsehen.

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Autor: Michael Dörfler