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30. Januar 2012
Huub Stevens’ Bauchgefühl
Der Schalker Trainer beruft erstmals Ciprian Marica in die Startelf / Der Rumäne leitet die Wende beim 4:1-Sieg gegen Köln ein.
KÖLN (sid). Zum ersten Mal hat Schalkes Trainer Huub Stevens am Samstag den rumänischen Stürmer Ciprian Marica in die Startformation gestellt. Ausgerechnet Marica leitete mit seinem Doppelpack dann auch die Wende im Spiel gegen den 1. FC Köln ein. Der 4:1 (0:1)-Sieg lässt die Schalker weiter vom ersten Meistertitel seit 54 Jahren träumen.
"Ich habe mich am Morgen für Cipi entschieden. Es war ein Bauchgefühl", sagte Stevens nach dem Spiel. Sein Bauchgefühl sagt dem Niederländer aber auch, dass die Schalker zwar punktgleich mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund an der Spitze stehen, aber trotzdem nicht über die Meisterschaft sprechen sollten: "Ich denke, dass andere besser sind. Wir lassen uns nicht einreden, dass wir Favorit sind. Die Mannschaft ist in der Entwicklung." Unterstützung erhält der Niederländer von seinem Sportdirektor Horst Heldt: "Außer dem Nichtabstieg haben wir noch nichts erreicht. Wir haben ein Polster auf die Verfolger geschaffen, das ist wichtig gewesen."Nach einer aus Schalker Sicht ersten Hälfte zum Vergessen und dem Rückstand durch den 15. Saisontreffer von Lukas Podolski, der aufgrund eines Teilanrisses des Haltebandes im linken Fuß nach Klubangaben vier Wochen ausfällt, kamen die Gäste eindrucksvoll zurück. Und das, obwohl Stürmerstar Raúl (Wadenverhärtung), Kapitän Benedikt Höwedes (dreifacher Jochbeinbruch), Alexander Baumjohann (muskuläre Probleme), Lewis Holtby (Sprunggelenkverletzung), Jefferson Farfán (Innenbandriss im Knie) und Jermaine Jones (gesperrt) fehlten. "Wir haben wieder gezeigt, dass wir vielleicht noch keine Spitzenmannschaft sind, aber eine Mannschaft. Nach so einer ersten Hälfte so eine Reaktion zu zeigen und so zurückzukommen, ist lobenswert", sagte der ehemalige Nationalspieler Christoph Metzelder, der die Kapitänsbinde trug.
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Durch die Einwechslung des Spaniers José Manuel Jurado erhöhte Schalke nach der Pause deutlich das Risiko und wurde durch die Treffer von Marica (60./72.), Klaas-Jan Huntelaar (78., Foulelfmeter) und Marco Höger (82.) belohnt. Auch Marica, der seine ersten beiden Bundesliga-Treffer für Schalke bei seinem Debüt in der Startelf erzielte, blühte erst nach dem Seitenwechsel richtig auf. Er rückte für Huntelaar in den Strafraum, während der Niederländer hinter ihm zusammen mit Jurado die Fäden zog. "Das war die Taktik des Trainers", lobte Marica Stevens. Huntelaar, der seinen 16. Saisontreffer erzielte, unterstrich die Bedeutung des Erfolges: "Für uns war das heute sehr wichtig. Wir wollen da oben bleiben. Jetzt kommt die entscheidende Phase, es ist aber noch ein langer Weg", sagte er. Ähnlich sah es der starke Torhüter Lars Unnerstall, der mit einem tollen Reflex gegen Slawomir Peszko (67.) den erneuten Rückstand verhindert hatte: "Das war ein Zeichen, dass wir nach dem Rückstand wiedergekommen sind."
Die Zeichen der Zeit haben auch die Kölner erkannt, die mit jetzt 40 Gegentoren nach 19 Spieltagen die Schießbude der Liga sind. Wieder einmal brach der FC nach einem Gegentreffer in der Defensive auseinander, Torhüter Michael Rensing sprach vom FC-Syndrom. Am kommenden Sonntag steht für die Kölner auf dem Betzenberg gegen den 1. FC Kaiserslautern ihr erstes Endspiel auf dem Programm. Bei einer Niederlage könnte Köln bis auf den Relegationsplatz abrutschen. "Wir haben jetzt viele wichtige Spiele um den Klassenerhalt", sagte Kölns Trainer Ståle Solbakken. Vielleicht sollte der Norweger vorher auch darauf hören, was sein Bauch ihm sagt.
Autor: sid
