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06. Februar 2012
KOMMENTAR: Fehler im Bayern-System
Warum die individuelle Klasse nicht zum Tragen kommt.
Die statistischen Werte des FC Bayern München im Spiel beim Hamburger SV sind beeindruckend: 21:13 Torschüsse, 60 Prozent Ballbesitz, 424 angekommene Pässe (HSV 188). Eine derartige Dominanz sollte eigentlich drei Punkte garantieren. Tut sie aber nicht. Und das hat Gründe. Gerade die hohe Anzahl an Zuspielen in den eigenen Reihen steht bei den Bayern auch für eine gewisse Behäbigkeit. Immer wieder lähmen sie sich mit der eigenen Ballsicherheit, spielen in die Breite anstatt in die Tiefe, vergessen das Laufspiel, besonders die schnellen Antritte. Borussia Dortmund beispielsweise legte beim eher mäßigen Auftritt in Nürnberg bei 577 intensiven Läufen 9,3 Kilometer zurück, die Münchner brachten es in Hamburg nur auf 516 und 7,9 Kilometer. Hinzu kommt, dass Arjen Robben und Franck Ribéry an manchen Tagen zu Fehlern im System werden. In Hamburg verharrten beide starr auf ihren Flügeln, konnten ihre individuelle Klasse in Eins-gegen-Eins-Duellen nicht entscheidend einbringen. Ihre Dribblings waren lediglich Spielverzögerungen, Durchbrüche zur Grundlinie gab es nicht. Dass Robben von Aushilfsrechtsverteidiger Anatoli Timoschtschuk in der Offensive kaum unterstützt wurde, verstärkte das Problem. Das Bayern-Spiel war auch berechenbar, weil sich Thomas Müller, wenn er in der Mitte spielen muss, mit seinen schnellen Vorstößen schwertut. Kommt Müller über die rechte Seite, hat er mehr Raum, um immer wieder schnell und überraschend in den gegnerischen Strafraum einzudringen. Rechts liegen seine Stärken. Toni Kroos wiederum – aufgrund des offensiven Star-Überangebots ins defensive Mittelfeld beordert – ist auf der Position hinter der Spitze dank seines kreativen Pass-Spiels deutlich effektiver als Müller. Kroos kann engmaschige Abwehrreihen mit klugen Zuspielen knacken, Müller verrennt sich darin. Das alles hat negative Auswirkungen auf die Torjägerqualitäten eines Mario Gomez, die nahezu vollständig zum Erliegen kommen, wenn sich um ihn herum wenig bewegt. Gomez, der Leidtragende am Ende der Problemkette, schoss nur ein einziges Mal auf das HSV-Gehäuse. So bleibt einmal mehr die Erkenntnis: Individuelle Klasse allein genügt nicht. Sie muss richtig eingesetzt werden, auch wenn dazu ein Star auf der Bank Platz nehmen muss.
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Autor: René Kübler
